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Argentinien

Tango farmacéutico

21.04.2015
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Von Sven Siebenand / Dr. Raúl Mascaró ist Apothekeninhaber in General Roca, einer Stadt im argentinischen Teil Patagoniens. Gleichzeitig ist er Präsident der Apothekervereinigung seines Landes. Als solcher kennt er das Tanzparkett für die Apotheken in dem großen südamerikanischen Staat ganz genau.

PZ: Argentinien ist der achtgrößte Staat der Erde. Es gibt Ballungszentren wie Buenos Aires, aber auch die sprichwörtliche Pampa, die dünn besiedelt ist. Wie wird die Arzneimittelversorgung sichergestellt?

 

Mascaró: Es gibt auch in den entlegensten Städten öffentliche Apotheken. Insgesamt sind es 16 000 mit täglich mehr als einer Million Patientenkontakten. Eine Apotheke versorgt im Durchschnitt 2550 Menschen. Neben den öffentlichen Apotheken gibt es mehr als 1300 Krankenhausapotheken. Eine sichere und qualitativ gute Arzneimittelversorgung der kompletten Bevölkerung ist also sichergestellt. Nach zwei Jahrzehnten der Deregulierung des Apothekenmarktes dürfen Arzneimittel mittlerweile wie früher nur noch in Apotheken verkauft werden. Argentinien ist somit eines von wenigen Ländern weltweit, in denen der Markt sozusagen rereguliert wurde. Das erhöht auch die Arzneimitteltherapiesicherheit, wenn OTC-Medikamente nicht mehr in Supermärkten, an Kiosken oder gar in Zügen oder auf der Straße verkauft werden dürfen. Die Apothekerschaft musste hart dafür arbeiten, die Legislative vom Risiko des Arzneimittelverkaufs außerhalb der Apotheke zu überzeugen.

 

PZ: Also Arzneimittel zurück in die öffentlichen Apotheken. Sind diese in Argentinien inhabergeführt oder gibt es Ketten?

Mascaró: Beide Varianten existieren. Inhabergeführte Apotheken haben aber ein besseres Ansehen in der Gesellschaft, weil man sich hier mehr um die Belange der Patienten kümmert. Die Kettenapotheken sind eher ein Verkaufsort, der Patient ist ein Kunde, es wird sich nicht so viel Zeit genommen und der Kontakt ist eher unpersönlich. Es gibt allerdings auch Provinzen, in denen Apothekenketten verboten sind. In anderen Regionen, und dort vor allem in den großen Städten wie der Hauptstadt Buenos Aires, gibt es wiederum zum Großteil Ketten, die es schwer­machen, dort eine inhabergeführte Apotheke erfolgreich zu betreiben.

 

PZ: Abgesehen von der Konkurrenz durch die Apothekenketten: Mit welchen Sorgen und Nöten müssen sich die inhabergeführten Apotheken noch herumschlagen?

Mascaró: Um die angemessene Vergütung ihrer Leistungen müssen die Apotheker auch aktuell wieder kämpfen. Wie viel eine Apotheke bei der Abgabe eines Medikaments verdient, ist prozentual vom Preis des abgegebenen Arzneimittels abhängig. Nur bei teuren Mitteln, etwa Zytostatika und Biologicals, die übrigens nicht über alle Apotheken vertrieben werden, erhalten Apotheken eine fixe Pauschale, die in Relation zum Arzneimittelpreis aber vernachlässigbar ist. Ein weiteres Problem sind Versuche, Arzneimittel wie früher auch wieder an anderen Stellen verkaufen zu dürfen, etwa in Supermärkten und Drogerien. Zudem wollen einige Versicherer Patienten über den Postweg, also an den öffentlichen Apotheken vorbei, mit Medikamenten zu versorgen. Das Ansehen der Apotheker bei Entscheidungsträgern zu erhöhen, würde helfen, noch mehr und bessere pharmazeutische Dienstleistungen für die ganze Bevölkerung bereitzustellen.

 

PZ: Wie wird man in Argentinien Apotheker?

Mascaró: Es dauert etwa fünf Jahre, bis man Apotheker ist. Es gibt öffentliche und private Universitäten, an denen man Pharmazie studieren kann. Je nach Curriculum ist bei den meisten auch ein Apothekenpraktikum obligatorisch.

 

PZ: Weshalb werden Sie am FIP- Kongress in Düsseldorf teilnehmen?

 

Mascaró: Ich war schon auf einigen FIP-Kongressen. Die Themen der Vorträge und Poster sind immer sehr interessant, man kann vieles mit den Kollegen aus dem Ausland diskutieren und wertvolle Informationen und Ideen für die Kollegen zu Hause mitbringen. Im nächsten Jahr wird der Kongress übrigens in Buenos Aires stattfinden. 

Aus beruflicher Sicht ist der Kongress natürlich in jedem Jahr sehr interessant. Genauso wie Deutschland ein schönes Land ist, gibt es auch in Argentinien einiges zu entdecken. Wer die schönsten Länder der Erde sehen will, muss auch in mein Heimatland reisen. /

 

Raúl Mascaró

Der FIP-Kongress

Der Kongress des Weltapothekerverbands FIP (Fédération International Pharmaceutique) findet in diesem Jahr vom 29. September bis 3. Oktober in Düsseldorf statt.

 

Für deutsche Apotheker gibt es einen Frühbucherrabatt: Wer sich bis 31. August unter https://b-com.mci-group.com/Registration/FIP2015/GERMAN.aspx registriert, zahlt 400 Euro und damit nicht einmal die Hälfte der regulären Teilnahmegebühr für FIP-Nichtmitglieder. Das Kongressprogramm finden Interessierte unter www.fip.org/dusseldorf2015.

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