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FIP-Kongress

Eine hervorragende Gelegenheit

02.06.2015
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Von Daniel Rücker / Am 29. September beginnt der Kongress des Weltapothekerverbands FIP (Fédération International Pharmaceutique) in Düsseldorf. Bis zu 4000 Apotheker werden kommen. Die Veranstaltung ist kein Funktionärstreffen, auch für ganz normale Offizinapotheker gibt es gute Gründe, zu kommen, sagen ABDA-Präsident Friedemann Schmidt und Karin Graf, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der ABDA.

PZ: Am 29. September beginnt in Düsseldorf der Kongress der Weltapothekerorganisation FIP. Am 1. Oktober startet der Deutsche Apothekertag. Welche Veranstaltung ist für Sie die wichtigere?

 

Schmidt: Für den ABDA-Präsidenten ist natürlich der Deutsche Apothekertag die wichtigste Veranstaltung im Jahr. Das ist ganz klar. Trotzdem bin ich sehr froh, dass wir in diesem Jahr mit dem FIP-Kongress eine sehr bedeutende Parallelveranstaltung zum Apothekertag haben.

PZ: Was interessiert Sie auf dem FIP-Kongress besonders?

 

Schmidt: Ein ganz wichtiges Thema für die FIP und auch für die deutschen Apotheker ist die Fortentwicklung des Apothekerberufs. Hier gibt es weltweit ähnliche Tendenzen hin zu einer stärkeren Patientenorientierung. Es ist sehr spannend zu erkennen, wie nah Handlungsfelder der Apotheker der Welt trotz vollkommen unterschiedlicher Rahmenbedingungen beieinander liegen. Es ist auch sehr interessant, zu erfahren, mit welchen Herausforderungen an ihren Beruf Apotheker in Afrika täglich konfrontiert sind, wie sie unter widrigsten Verhältnissen pharmazeutisch arbeiten.

 

PZ: Frau Graf, warum sollten deutsche Apotheker den FIP-Kongress besuchen?

 

Graf: Er ist eine hervorragende Gelegenheit, sich über die Pharmazie in anderen Ländern zu informieren und mit Apothekern aus anderen Ländern zu sprechen, deren tägliche Arbeit sich womöglich sehr deutlich von der eines Apothekers in Deutschland unterscheidet. Dabei haben alle ein Ziel: Sie wollen Heilberufler sein und mehr Verantwortung für ihre Patienten übernehmen.

 

PZ: Wie schwierig ist es für die FIP, einen Kongress mit so unterschiedlichen Teilnehmern zu organisieren.

 

Graf: Die FIP hält sich aus allen Fragen der Versorgungsstruktur heraus. Ob es in einem Land Ketten gibt, Fremdbesitz erlaubt ist oder alle Apotheken inhabergeführt sind, spielt für die FIP keine Rolle. Der FIP geht es darum, die Rolle des Apothekers weiter zu entwickeln, unabhängig von der Struktur, dafür sind die Staaten selbst verantwortlich.

 

PZ: Welche Länder geben in der FIP den Ton an? Gibt es Machtzentren?

 

Graf: Spanien und die lateinamerikanischen Länder haben mit Carmen Peña eine spanisch sprechende Präsidentin durchgesetzt. Sie haben jetzt schon einen gewissen Einfluss in der FIP.

 

Schmidt: Für den Moment ist das sicher richtig. Wir hatten aber auch schon eine Phase, in der die skandinavischen Länder viel Einfluss hatten. Die Bedeutung von Deutschland war in den vergangenen Jahren sicherlich etwas zu gering. Unsere Neigung, über den Tellerrand zu schauen, ist sicher weniger deutlich ausgeprägt, als in kleineren Ländern. Wir haben hier noch Reserven. Aber gerade deshalb ist der Kongress für uns wichtig. Wir wollen in Zukunft mehr Gewicht in der FIP haben. Aber wir wollen auch nicht dominant werden. Für uns ist es wichtig, den im Perspektivpapier dargestellten Wandel in unserem Beruf an die Apotheker in anderen Ländern zu kommunizieren.

 

PZ: Worauf kann sich der Offizin-Apotheker freuen, wenn er den FIP-Kongress besucht?

 

Graf: Er kann sich auf Vorträge zum Medikationsmanagement und zu Arzneimitteltherapiesicherheit freuen. Es ist spannend, wie unterschiedlich sich die Apotheker in den FIP-Mitgliedstaaten auf diese Arbeit vorbereiten. Wichtig ist mir auch die Veranstaltung des ZL zu Rezepturen. In vielen Ländern spielt die Rezeptur kaum noch eine Rolle. Ich denke, dass wir hier einen Kontrapunkt setzen können.

 

PZ: Das Gespräch mit Kollegen aus anderen Ländern ist für deutsche Apotheker sicher spannend. Welche Gelegenheiten zum Erfahrungsaustausch bieten sich auf dem Kongress?

 

Graf: Viele. Es gibt einige Abendveranstaltungen, die sich für Gespräche mit Kollegen eignen. Zu jeder wissenschaftlichen Veranstaltung gibt es eine Diskussion. Es soll auch eine »Speakers Corner« geben, in der jeder seine Meinung zu einem beliebigen Thema sagen und eine Diskussion mit anderen Apothekern anstoßen kann. Und es gibt auch noch die Eröffnungsveranstaltung und das Abschluss-Dinner.

 

Schmidt: Diese beiden Veranstaltungen sind wirklich beeindruckend. Ein Dinner für mehr als 1000 Apotheker aus mehr als 100 Ländern und zum Teil in Landestracht ist wirklich ein besonderes Erlebnis. /

Der FIP-Kongress

Der Kongress des Weltapothekerverbands FIP findet in diesem Jahr vom 29. September bis 3. Oktober in Düsseldorf statt. Für deutsche Apotheker gibt es einen Frühbucherrabatt: Wer sich bis 31. August unter https://b-com.mci-group.com/Registration/FIP2015/GERMAN.aspx registriert, zahlt 400 Euro und damit nicht einmal die Hälfte der regulären Teilnahme­gebühr für FIP-Nichtmitglieder. Das Kongressprogramm finden Interessierte unter www.fip.org/dusseldorf2015.

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