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Nebenwirkung Hypertonie

29.05.2012
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Die Arzneimittel-induzierte Hypertonie zählt zu den sekundären Formen des Bluthochdrucks. Auslöser können zum Beispiel oral eingenommene, nicht steroidale Antirheumatika (NSAR), Glucocorticoide und Immunsuppressiva sein.

Hemmstoffe der Cyclooxigenase (COX-Hemmer) greifen in die Synthese von Prostaglandinen ein. Das löst nicht nur die gewünschten analgetischen oder antiinflammatorischen Effekte aus. Auch die Natriumionen-Ausscheidung wird gestört. Dies kann eine Wasserretention mit nachfolgender Ödembildung und Blutdruckerhöhung begünstigen. Eventuell wird auch die Bildung gefäßerweiternder Prostaglandine gestört.

Bei Glucocorticoiden mit mineralocorticoider Wirkung kann es, vor allem nach langer, hoch dosierter oraler Einnahme, zu ungünstigen Effekten im Wasserhaushalt kommen. Natrium- und Wasserretention führen zu Ödemen und lassen den Blutdruck steigen. Auch bei oralen Kontrazeptiva erklärt man sich den möglichen Blutdruckanstieg mit der mineralocorticoiden Wirkung der Estrogen-Komponente. Auch Extrakte der Süßholzwurzel können infolge mineralocorticoider Wirkung eine Hypertonie verursachen. Aus den Wurzeln von Glycyrrhiza glabra wird Lakritz gewonnen. Wer zu viel davon isst, kann Blutdruckprobleme bekommen.

 

Eine Blut­druckerhöhung durch Vasokonstriktion ist bei lokal applizierten Alpha-Sympathomimetika wie Phenylephrin, Xylometazolin, Oxymetazolin, Tramazolin und Tetryzolin zu bedenken. Das gilt vor allem bei empfindlichen Personen, zum Beispiel Hypertonikern.

 

Ebenso kann das Sym­pathomimetikum Pseudo­ephedrin dank seiner alpha-agonistischen Aktivität den Blutdruck erhöhen. Laut Fachinformation von Aspirin® complex ist dieses Präparat bei schwerer Hypertonie kontraindiziert. Auch die indirekt sympathomimetische Wirkung des ADHS-Wirkstoffs Methylphenidat kann zum Blutdruckanstieg führen. Dies gilt auch für Dexamfetamin, das seit 2011 als Fertigarzneimittel in Deutschland verfügbar ist. Unter der Therapie mit dem sympathomimetischen Amin sollten regelmäßig Blutdruck und Puls kontrolliert werden.

 

Gleiches gilt für Erythropoietin-Präparate. Während man früher annahm, dass die Blutdrucksteigerung vor allem mit der Erhöhung des Hämatokrits zusammenhängt, diskutieren Experten heute auch andere Mechanismen. Dazu zählen eine direkt vasokonstriktorische Wirkung von Epoetinen, die vermehrte Produktion gefäßverengender Substanzen oder auch Änderungen des Ionenverhältnisses in der Gefäßmuskelzelle.

 

Wenn Patienten während der Therapie mit dem unselektive MAO-Hemmer Tranylcypromin Tyramin-reiche Nahrung, zum Beispiel Käse, essen, kann es gar zur hypertensiven Krise kommen. Der Grund: Das Enzym Monoaminooxidase B steht nicht mehr zum Abbau des Sympathomimetikums Tyramin zur Verfügung.

 

Weniger bekannt ist, dass auch Ciclosporin und Tacrolimus vasokonstriktiv wirken. Viele Patienten entwickeln unter der immunsuppressiven Therapie eine Hypertonie oder ein bestehender Hochdruck verschlechtert sich.

 

Übrigens erhöht auch Alkohol den Blutdruck. Warum, ist noch nicht endgültig geklärt. Wahrscheinlich kommen mehrere Effekte zusammen. So erhöht der Metabolit Acetaldehyd die gefäßverengenden Effekte von Catecholaminen und verstärkt deren Freisetzung. Ferner vermindert Alkohol die Freisetzung von Endothelin. Diskutiert wird auch, dass Alkohol eine abdominale Adipositas fördert und damit noch auf anderen Wegen eine Hypertonie verursacht. /

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