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Liquidität

Kostenbewusstsein nicht übertreiben

10.05.2011
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Von Guido Michels / Um mangelnder Liquidität zu begegnen, müssen die Ursachen für Eng­pässe analysiert und daraus Maßnahmen abgeleitet werden. Grundsätzlich stehen in diesen Fällen vier Bereiche auf dem Prüfstand: der Umsatz, der Wareneinsatz, die Kosten und der Privatbereich.

Umsatzsteigerungen verbessern die Liquidität der Apotheke nur, wenn die Kosten nicht beziehungsweise nur unterproportio­nal steigen. Eventuell lassen sich durch persönlichen Einsatz und geeignete Aktivitäten Kundenfrequenz und Verkaufszahlen steigern. Dies wirkt jedoch in der Regel nicht kurzfristig, kann aber zu einer dauerhaften Verbesserung der Wirtschaftslage beitragen.

Oft sind die Spielräume beim Umsatz aber ausgeschöpft. Vom Gewicht und von der Beeinflussbarkeit her steht der Wareneinsatz im Blickpunkt. Eine intensive Auseinandersetzung mit dem Einkauf (Konzentration auf lohnende Lieferanten, Neuver­handlung der Konditionen, Verlängerung der Valuta, Ausnutzen von Skonti) und der Lagerhal­tung ist durchaus lohnend. Wer sich im Dschungel der verschiedenen Konditionen nicht gut auskennt, kann auch spezialisierte Berater zur Kontrolle der Einkaufsvorteile einschalten. Letztlich gilt es, einen ver­nünftigen Lieferantenmix mit Konzentration auf wenige Großhändler und Direktlieferanten herzustellen und rationelle Arbeitsabläufe zu gestalten.

 

Sparpotenzial beim Personal

 

Besondere Aufmerksamkeit gilt den Per­sonalkosten. Vor einem übertriebenen Kostenbewusstsein muss allerdings ge­rade im Hinblick auf das Personal gewarnt werden. Eine gute Betriebsführung ist zwar kostenbewusst, jedoch immer auch leistungsorientiert. Liquidi­tätsfördernde Maßnahmen im Personalbereich können zum Beispiel sein: Kapazi­tätsabbau, Ge­haltskürzungen, Stundenreduktion mit Gehaltskürzung, freiwilliges Ausscheiden, Verzicht auf freiwillige Leistungen, Ab­schmelzen von über­tariflichen Leistungen. Neben den Auswirkungen auf den Betrieb sind hierbei besonders zahlreiche arbeitsrechtliche Regelungen zu beachten.

 

Zu den beeinflussbaren Kosten gehören auch die Finanzierungskosten. Hierbei handelt es sich im We­sentlichen um Zinskosten. Unter Sicherheitsaspekten sollten langfristige Investitionen auch mit langfristigen Krediten finanziert werden. Dabei ist die Darlehensdauer auf die Abschreibungszeiträume abzustimmen.

 

Laufende Betriebsprozesse können mit kurzfristigen Finanzmitteln, insbesondere dem Kontokorrentkredit, finanziert wer­den. Dieser ist wegen seiner Flexibilität für kurzfristigen Bedarf geradezu ideal und dafür auch kostengünstig. Bei dauerhaften Liquiditätsengpässen bieten sich Verhandlungen mit Banken und/oder Versicherungen an (Erhöhung der Kontokor­rentli­nie, Aufnahme eines neuen Darlehens, Umschuldung, Aussetzung beziehungsweise Verrin­ge­rung von Tilgungen oder Beiträgen).

 

Auch die Reduzierung weiterer laufender Betriebskosten sollte überdacht werden, etwa die Aushandlung von Mietminderung, die Überprüfung von verschiedenen Daueraufträ­gen (zum Beispiel Versicherungen, Wartung, Zeitschriften-Abonnements, Werbemittel), Höhe und An­gemessenheit der Kraftfahrzeugkosten, Telefon- und Reisekosten.

Serie Liquidität

Dieser Artikel ist der letzte Teil einer vierteiligen Serie zum Thema Liquidität.

 

Bereits erschienen:

Liquidität: So prüfen Sie Ihre Zahlungsfähigkeit, PZ 13/2011

Liquidität: Monatsplan beugt Finanznöten vor, PZ 15/2011

Liquidität: Wie viel Geld steht zur Verfügung? PZ 17/2011

Die Reduzierung privater Ausgaben darf auch kein Tabu sein: Möglich sind die Verringerung des privaten Konsums und, wenn es sein muss, die Veräußerung pri­vater Wertgegenstände. Ein nicht zu vernachlässigender Punkt ist zusätzlich die Schaffung von Liquidität durch Einkommensteuer-Ersparnis mittels Veränderungen im Bereich der Abschreibun­gen, Rücklagen- sowie Rückstellungsbildung. Der Steuerberater hilft hier weiter.

 

Zuerst die Folgen bedenken

 

Bevor der Apotheker etwas unternimmt, sollte er sich über die Wirkung im Klaren sein. Folgende Kriterien helfen, sich zu orientieren:

 

Sind die Positionen überhaupt veränderbar?

Welche Rückwirkungen hat eine Änderung auf den Betrieb? Übersteigen eventuell negative Effekte die positiven?

Welches Ausmaß hätte die Verbesserung der Liquidität?

Wann wirkt die Änderung (kurz-, mittel- oder langfris­tig)?

Was pas­siert, wenn die Maßnahme nicht durchgeführt wird?

 

Sicherlich kann die Umsetzung der genannten Veränderungen sehr schwierig und unangenehm sein. Geht man jedoch konsequent vor, so wird sich die Apotheke langfristig wirtschaftlich konsolidieren. /

Diplom-Ökonom Guido Michels ist Mitarbeiter der betriebswirtschaftlichen Abteilung der Treuhand Hannover GmbH Steuerberatungsgesellschaft, Hildesheimer Straße 271, 30519 Hannover, Telefon 0511 83390-0, www.treuhand-hannover.de.

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