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Liquidität

So prüfen Sie Ihre Zahlungsfähigkeit

29.03.2011  14:27 Uhr

Von Guido Michels / Mancher Apotheker hat in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Probleme, seine laufenden finanziellen Verpflichtungen zu erfüllen. Permanentes Überwachen der Liquidität hilft, Zahlungsschwierigkeiten zu vermeiden. Das sichert den Fortbestand der Apotheke.

Primär geht es um die kurzfristige, aber dauerhafte Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit. Einen sehr einfachen Hinweis, wie es um die Liquidität einer Apotheke bestellt ist, liefert ein Blick auf das Bankkonto. Wenn der Kreditrahmen ständig genutzt oder die Kreditlinie sogar überschritten wird und fallen dann teure Überziehungszinsen an, so ist dies ein sehr deutliches Zeichen für Liquiditätsschwächen.

Auch das Zahlungsverhalten lässt Aussagen über die Liquiditätssituation zu. Ein zahlungsfähiges Unternehmen begleicht seine Rechnungen mit Skontoabzug. Ist dies nicht möglich oder werden Zahlungsziele verschoben oder überzogen, weist dies auf ernst zu nehmende Liquiditätsprobleme hin.

 

Liquidität ist gleich Liquidität

 

Um diese näher zu bestimmen, sind folgende Kennzahlen gebräuchlich. Die Liquidität 1. Grades gibt an, inwieweit ein Unternehmen seine kurzfristigen Zahlungsverpflichtungen allein durch freie Mittel, die sofort verfügbar in der Kasse oder als Bankguthaben verfügbar sind, erfüllen kann. Dabei wird der Bestand an liquiden Mitteln den kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenübergestellt.

 

Neben diesen Mitteln 1. Grades gibt es weitere Quellen, aus denen sich kurzfristig Zahlungsschwierigkeiten decken lassen. Dazu gehören Forderungen, die überwiegend aus den noch nicht beglichenen Rezepten gegenüber den gesetzlichen Krankenversicherungen bestehen. Der Apotheker kann mit diesen Geldern in der Regel sicher und pünktlich rechnen. Sie werden bei der Berechnung der Liquidität 2. Grades einbezogen. Tabelle 1 zeigt dazu ein Beispiel. Bei einer positiven Differenz ist von Überdeckung die Rede, bei einer negativen von einer Unterdeckung.

Beispielrechnung zur Liquidität 1. und 2. Grades

Mittel Verbindlichkeiten
Kasse 3 000 Euro
+ Bankguthaben 15 000 Euro
= Liquide Mittel 1. Grades18 000 Euro
+ Forderungen aus Lieferungen und Leistungen 37 000 Euro
= Liquide Mittel 2. Grades55 000 Euro
Lieferantenschulden 15 000 Euro
+ Kurzfristige Bankverbindlichkeiten 30 000 Euro
+ Steuerschulden 5 000 Euro
= Summe Verbindlichkeiten50 000 Euro
Mittel 1. Grades minus Verbindlichkeiten Unterdeckung - 32 000 Euro
Unterdeckung in % der Schulden (Liquidität 1. Grades) - 64 %
Mittel 2. Grades minus Verbindlichkeiten Überdeckung + 5 000 Euro
Überdeckung in % der Schulden (Liquidität 2. Grades) + 10 %

In dem Beispiel wird deutlich, dass die Zahlungsmittel aus der Barkasse und dem Bankkonto nicht ausreichen würden, um alle Verbindlichkeiten zu begleichen. Dennoch ist keine Zahlungsunfähigkeit gegeben. Denn die Liquidität 2. Grades ist positiv. Das heißt: Unter Einbeziehung der Zahlungen, die die Apotheke beispielsweise noch vom Rechenzentrum erwartet, ließen sich im Ernstfall alle kurzfristigen Schulden decken.

Der Beitrag »So prüfen Sie Ihre Zählungsfähigkeit« ist der erste Teil einer vierteiligen Serie zum Thema Liquidität. Den nächsten Beitrag lesen Sie in der PZ-Ausgabe 15/2011.

Bei der Frage, wie viel Liquidität gehalten werden sollte, gilt das Motto: nicht zu viel, nicht zu wenig. Denn zu wenig schadet dem Betrieb, weil kurzfristig Rentabilitätsverluste – zum Beispiel durch Überziehungszinsen – drohen und langfristig die Weiterführung der Apotheke gefährdet ist. Zu viel hingegen schadet der Rentabilität. Denn wer viele Barbestände beiseitelegt, verschenkt höhere Renditen. Die freien Mittel sollten immer zum Bezahlen kurzfristiger Verbindlichkeiten ausreichen, auch um etwa den Skontoabzug beim Lieferanten vorzunehmen. Die Liquidität 2. Grades sollte daher eine leichte Überdeckung aufweisen und im Bereich von 0 bis 20 Prozent liegen.

 

Wichtig: Diese Kennziffern liefern nur grobe Anhaltpunkte für die Liquidität eines Betriebs. Denn sie sind eine statische Betrachtung der Vergangenheit. Zahlungsverpflichtungen, die nach dem Stichtag anstehen, wie zum Beispiel Mieten, Gehälter und Einkaufsrechnungen, werden nicht berücksichtigt. Somit ist eine künftige Beanspruchung nicht sichtbar. Außerdem beschränken die Kennziffern sich allein auf die Apotheke und vernachlässigen, dass das Privatleben oft ein großer Liquiditätskiller ist.  /

Diplom-Ökonom Guido Michels ist Mitarbeiter der Betriebswirtschaftlichen Abteilung der Treuhand Hannover GmbH Steuerberatungsgesellschaft, Hildesheimer Straße 271, 30519 Hannover, Telefon 0511 83390-0, www.treuhand-hannover.de.

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