| Cornelia Dölger |
| 06.05.2026 11:15 Uhr |
Die Streichung von Cannabisblüten aus dem Leistungskatalog der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) nütze nur den Interessen von Big Pharma und gefährde die Versorgung Schwerkranker, so Melanie Dolfen, Inhaberin der Bezirks-Apotheken in Berlin. / © privat
Mit einem Bündel an Sparmaßnahmen will die Bundesregierung die Kosten für die Krankenkassen dämpfen und kurzfristig 16,3 Milliarden Euro einsparen, damit die Kassenbeiträge im kommenden Jahr zumindest stabil bleiben. Vergangene Woche segnete das Bundeskabinett den Entwurf zum GKV-Spargesetz aus dem Bundesgesundheitsministerium (BMG) ab. Grundlegende Strukturreformen sieht der Entwurf noch nicht vor, dafür aber eine Reihe kleinerer Sparansätze, die in der Summe zu Buche schlagen sollen. Zugrunde liegen an vielen Stellen die Empfehlungen der Finanzkommission Gesundheit.
Auch beim medizinischen Cannabis will man sparen, konkret bei Cannabisblüten. Indem deren Verordnungsfähigkeit gestrichen wird, sparen die Kassen laut den Plänen rund 130 Millionen Euro im Jahr 2027; anschließend sogar jährlich mehr, sodass bis 2030 rund 625 Millionen Euro zusammenkommen sollen.
Gegen den geplanten Erstattungsausschluss hat die Berliner Apothekerin Melanie Dolfen nun eine Petition an den Bundestag gestartet. »Es sind die alten Ressentiments gegen Cannabis als Sparpläne getarnt«, erklärt die Inhaberin der Bezirksapotheken Berlin. Es gelte, sich gegen die Vorurteile zu stellen, »die sich an den Schaltstellen der Gesundheitspolitik hartnäckig halten«.
Dolfen verweist auf die Stellungnahmen, mit denen Fachverbände auf die Regierungspläne reagiert hatten. Cannabis-Apotheken hatten vor einer Versorgungsverschlechterung gewarnt; Fachverbände fürchten statt Ersparnis sogar höhere Kosten, wenn Patientinnen und Patienten auf teurere Cannabis-Fertigarzneimittel umsteigen müssten.
Darauf zielt auch Dolfen ab, wie sie in einer Mitteilung ausführt. Schwerstkranke würden von diesem Schnitt getroffen und Kosten würden durch den Wegfall mitnichten gespart, sondern würden steigen, insbesondere in Palliativmedizin und Schmerztherapie.
2022 seien die Kassen noch damit gescheitert, die Cannabisblüten aus der Arzneimittel-Richtlinie zu streichen, so die Medizinalcannabis-Expertin. »Jetzt kommen diese Pläne fast wortgleich als Sparpotenzial zurück.«. Die vorgetragenen Millionen-Einsparungen seien aber trügerisch: Was bei Cannabisblüten gekürzt werde, falle als Mehrkosten für deutlich teurere Fertigarzneimittel wieder an – und belaste am Ende die Krankenkassen stärker.