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Liquidität

Wie viel Geld steht zur Verfügung?

26.04.2011
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Von Guido Michels / Die kennziffernorientierte Liquiditätsbetrachtung beschränkt sich auf den betrieblichen Bereich und vernachlässigt die private Sphäre – ein Nachteil. Die Verfügungsbetragsberechnung bietet hier die notwendige Orientierung.

Die Verfügungsbetragsberechnung setzt dort an, wo Bilanz und Gewinn-und-Verlust-Rechnung (GuV) enden. Ausgangsbasis ist der (reale oder prognostizierte) Gewinn der Apotheke. Dieser wird um die Abschreibungen erhöht und um die Tilgungsbelastung für betriebliche Kredite vermindert (betrieblicher Cashflow). In der Folge wird liquiditätsorientiert weiter gerechnet, indem alle weiteren Einnahmen und Ausgaben im Privatbereich jeweils mit dem Liquiditätszufluss oder -abfluss berücksichtigt werden.

 

Zu den Einnahmen zählen unter anderem das Gehalt des Partners oder Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung. Ein wichtiger Ausgabenblock sind zum Beispiel die durch Finanzierung verursachten Zins- und Tilgungsleistungen, die persönlichen Versicherungen oder die Altersversorgung. Im Folgeschritt sind die Ausgaben für die Einkommen- und Kirchensteuer und den Solidaritätszuschlag zu berücksichtigen. Als Restgröße bleibt der Verfügungsbetrag. Dieser Betrag steht für die private Lebensführung, für Rücklagen und Ersparnisbildung zur Verfügung.

 

Das Beispiel in der Tabelle zeigt, wie sich die unterschiedlichen Einkommen und Ausgaben auswirken. Nur wenn der Verfügungsbetrag hoch genug ist, ist die Existenz des Unternehmers und seiner Familie auf Dauer gesichert. Wenn der Apotheker sich hieran orientiert, bleiben die Finanzen von Apotheke und Apothekenleiter im Gleichgewicht.

Tabelle: Ermittlung des Verfügungsbetrages

Zeitraum 1.1. bis 31.12. 2010 in Euro
1. Betrieblicher Cashflow 78 000
2. Einkommen aus nichtselbstständiger Arbeit 10 000
3. Einkommen- und Kirchensteuer, Solidaritätszuschlag circa - 20 000
4. Ausgaben (privat) - 16 000
Jahresverfügungsbetrag 52 000

vereinfachtes Schema nach Treuhand Hannover GmbH - Steuerberatungsgesellschaft

Liquiditätsengpässe entstehen oft, wenn der Gewinn der Apotheke zurückgeht und/oder private Belastungen und Entnahmen im Missverhältnis zur wirtschaftlichen Lage stehen. Eine vorausblickende Verfügungsbetragsberechnung für das Jahr oder das Folgejahr hilft dabei, das eigene Verhalten prospektiv an die wirtschaftliche Lage anzupassen. Mandanten der Treuhand Hannover erhalten diese Betrachtung von ihrem Berater. Da dieser sich speziell im Apothekenbereich auskennt, kann auch die Entwicklung von Umsatz, Rohgewinnen und Kosten abgeschätzt werden. Hier können zum Beispiel die Wirkungen der Gesundheitsreform mit einbezogen oder ein Umbau berücksichtigt werden.

 

Auch die Einnahmen und Ausgaben im Privatbereich lassen sich in der Regel gut prognostizieren. Auf diese Weise weiß der Apotheker schon im Vorfeld, welche Entnahmen ohne Gefährdung der Liquidität und ohne weitere Verschuldung möglich sind. /

Serie Liquidität

Dieser Artikel ist der dritte Teil einer vierteiligen Serie zum Thema Liquidität. Den nächsten Beitrag lesen Sie in der PZ-Ausgabe 19/2011.

 

Bereits erschienen:

Liquidität: So prüfen Sie Ihre Zahlungsfähigkeit, PZ 13/2011

Liquidität: Monatsplan beugt Finanznöten vor, PZ 15/2011

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