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Mit UV-Licht gegen Krebs

08.04.2008
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Mit UV-Licht gegen Krebs

Von Gudrun Heyn, Berlin

 

Wer sich konsequent vor UV-Strahlen schützt, beugt zwar Hautkrebs vor, erhöht aber sein Risiko für andere Tumorerkrankungen. Denn Sonnenlicht und Vitamin D spielen eine wichtige Rolle in der Krebsprävention, wie Untersuchungen zeigen.

 

In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 150.000 Menschen an Hautkrebs, wie eine Hochrechnung aus den Daten des schleswig-holsteinischen Krebsregisters ergab. Die meisten von ihnen leiden unter Basaliomen oder Plattenepithelzellkarzinomen. Von dem besonders aggressiven schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom) sind rund 15.300 der Patienten betroffen. Hauptrisikofaktor für die Tumore der Haut sind die UV-Strahlen des Sonnenlichts. Nun zeigen neue Studien, dass das Sonnenlicht auch vor Krebs schützen kann.

 

Eine wichtige Rolle spielt dabei das Vitamin D. Unter dem Einfluss von UV-B-Strahlen wird mehr als 90 Prozent des vom Körper benötigten Vitamins in der Haut gebildet. Dieses ist noch nicht biologisch aktiv und muss dazu erst verstoffwechselt werden. Der klassische Weg führt über die Leber, wo es in 25-Hydroxy-Vitamin D (Calcidol) und dieses anschließend in der Niere zu Vitamin D3 (Calcitriol) umgewandelt wird. Von dort aus gelangt es in das Blut und beeinflusst vor allem den Knochenstoffwechsel. Rachitis oder Osteomalzie sind daher typische Folgen, wenn es zu einem Mangel an biologisch aktivem Vitamin D kommt.

 

Heute ist jedoch bekannt, dass fast alle Organe in der Lage sind, biologisch aktives Vitamin D zu bilden. Im Gegensatz zum Vitamin D3 der Niere wird dieses nicht dem Blutkreislauf zugeführt, sondern reguliert direkt in den Geweben unter anderem das Zellwachstum. Zudem kann Vitamin D3 die Insulinsekretion, den Blutdruck und zahlreiche immunrelevante Mechanismen beeinflussen.

 

Aktuelle Metaanalysen zeigen nun, dass Menschen mit einem Vitamin-D3-Spiegel unter 12 ng/ml ein 50 Prozent höheres Risiko für ein Kolonkarzinom haben als Menschen, deren Vitamin-D3-Spiegel höher ist als 33 ng/ml. »Dies gilt auch für zahlreiche weitere Tumorentitäten«, sagte Professor Dr. Jörg Reichrath von der Klinik für Dermatologie des Universitätsklinikums des Saarlandes, Homburg Saar, auf dem 28. Deutschen Krebskongress in Berlin. Tierexperimente und epidemiologische Studien belegen übereinstimmend, dass Vitamin-D-Mangel ein wichtiger Risikofaktor für die Entstehung von Krebs ist.

 

Aber auch der klinische Verlauf von Tumorerkrankungen wird durch das Vitamin beeinflusst. Eine schlechtere Prognose haben beispielsweise Patienten, die bestimmte Polymorphismen des Vitamin-D-Rezeptors aufweisen. Dies betrifft sowohl Menschen mit einem malignen Melanom als auch solche mit Prostata- und Mammakarzinom. Außerdem lässt sich bei Tieren die Größe eines bösartigen, durch Karzinogene induzierten Tumors durch den Vitamin-D-Spiegel modulieren.

 

Prognose hängt von Sonnenschein ab

 

Aus epidemiologischen Studien ist seit vielen Jahren bekannt, dass ein hoher Vitamin-D-Serumspiegel mit niedrigeren Mortalitätsraten bei unterschiedlichsten Tumorentitäten assoziiert ist. Nachgewiesen ist dies etwa beim Kolon-, Mamma-, Ovarial- und Prostatakarzinom. Untersuchungen in den USA zeigen zudem, dass die Prognose der Patienten direkt von der Sonneneinstrahlung an ihrem Wohnort beeinflusst wird. So ist die Sterblichkeit der Menschen mit kolorektalem Karzinom in den Regionen am geringsten, die die höchste UV-Strahlung aufweisen. Auch beim Blasenkarzinom und Brustkrebs sowie weiteren 16 verschiedenen Tumorarten konnte dieser Zusammenhang dokumentiert werden. Menschen, die sich häufig in der Sonne aufhalten, haben daher zwar ein höheres Risiko, an einem malignen Melanom zu erkranken, sie haben aber auch eine größere Chance, ihre Krebserkrankung zu überstehen.

 

In Regressionsanalysen postuliert man nun, dass in den USA zwischen 1970 und 1994 rund 20.000 Menschen aufgrund einer unzureichenden Vitamin-D-Exposition vorzeitig an einer Krebserkrankung gestorben sind. »Dies sind wesentlich mehr Menschen, als die, die an einem malignen Melanom gestorben sind«, sagte Reichrath. Auf einen Krebstoten durch schwarzen Hautkrebs kommen dabei 30 Menschen, die vor dem Krebstod bewahrt werden könnten.

 

Vitaminmangel mit Folgen

 

Fehlt es an Sonnenlicht, kann es leicht zu niedrigen Vitamin-D-Serumspiegeln kommen. Allein in Deutschland sollen einer aktuellen Studie zufolge 60 Prozent der Bevölkerung mit Vitamin D unterversorgt sein. Dabei sind alle Altersgruppen gleichermaßen betroffen. Da Vitamin D an vielen Prozessen im Körper beteiligt ist, kann ein Mangel gravierende gesundheitliche Auswirkungen haben. So kann sich ein Vitamin-D3-Mangel auf die Entstehung von Infektionserkrankungen, wie etwa der Tuberkulose, von Psychosen, wie etwa der Schizophrenie, oder von kardiovaskulären Erkrankungen auswirken. Auch bei Autoimmunerkrankungen ist ein Zusammenhang nachgewiesen. So haben etwa Vitamin-D-defiziente Patienten ein 40-prozentig höheres Risiko, Multiple Sklerose zu entwickeln.

 

»Um uns vor Erkrankungen zu schützen, brauchen wir mindestens 1000 I. E. Vitamin D«, sagt Reichrath. Manche Autoren postulieren zur erfolgreichen Krebsprävention sogar einen Bedarf von 2000 I. E. pro Tag. Toxische Wirkungen braucht man dabei nicht zu fürchten, da die menschliche Haut bei einer Ganzkörperexposition mehr als 10.000 I. E. am Tag selbst produzieren kann. In der Regel sollte man sich jedoch auch in unseren Breiten nur kurzzeitig, dafür aber häufiger in der Sonne aufhalten. Bei jungen, gesunden Menschen reicht oft schon ein ungeschützter Aufenthalt von 10 bis 15 Minuten täglich, damit die Haut genügend Vitamin D produzieren kann.

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