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Asthmatherapie

Auf die Patienten kommt es an

08.04.2008  17:22 Uhr

Pharmacon Davos 2008

Asthmatherapie: Auf die Patienten kommt es an

 

Asthma lässt sich gut behandeln, aber dazu müssen Patienten aktiv an der Therapie mitarbeiten. Zudem lauern bei der Anwendung der Inhalationsgeräte viele Fehlerquellen. Deshalb brauchen Patienten gründliche Schulungen und kontinuierliche Betreuung.

 

»Seit gut 15 Jahren heißt Asthma-Kontrolle vor allem Entzündungskontrolle«, sagte Dr. Eric Martin, Leiter der Hubertus-Apotheke in Marktheidenfeld. »Vorher standen im Mittelpunkt der Therapie Krankheitssymptome wie Husten, glasig-zäher Schleim und insbesondere die reversible Atemwegsobstruktion. Heute gelten sie als Folgen einer entzündlichen Erkrankung der Atemwege, die ursächlich und dauerhaft zu hemmen ist.« Das gelte auch in beschwerdefreien Phasen, die bei den meisten Asthmapatienten auftreten. Dieser »Paradigmenwechsel im Krankheitsverständnis und Therapiekonzept« habe zur Entwicklung neuartiger antiasthmatischer Medikamente und ihrer inhalativen Anwendungsformen geführt. Ihr Einsatz orientiert sich am Schweregrad der Erkrankung. Einem deutschen Stufenplan von 2006 zufolge benötigen Erwachsene mit milden Formen, die seltener als einmal wöchentlich auftreten, nur ein rasch wirksames inhalatives β2-Sympathomimetikum. Damit können sie bei Bedarf die Bronchien weiten. Ansonsten kommt eine entzündungshemmende Dauertherapie mit inhalativen Glucocorticoiden in steigender Dosis hinzu, meist kombiniert mit lang wirksamen inhalativen β2-Sympathomimetika. Beim höchsten Schwergrad IV mit täglichen, häufig auch nächtlichen Symptomen soll retardiertes Theophyllin, Omalizumab oder ein systemisches Glucocorticoid die Dauertherapie zusätzlich unterstützen.

 

»Trotz des neuen Krankheitsverständnisses bleibt Asthma immer noch unheilbar«, sagte Martin. »Doch lässt sich bei der überwiegenden Zahl der Patienten eine weitgehende Beschwerdefreiheit und Belastbarkeit erreichen.« Auch die Zahl der Todesfälle infolge von Asthma sei in den vergangenen zehn Jahren um 30 Prozent  zurückgegangen, berichtete Martin. Doch damit eine moderne Therapie solche Erfolge erreicht (oder gar übertrifft), müssen Patienten mitmachen. Und ein solches Selbst-Management erfordert ihre regelmäßige Schulung und kontinuierliche Betreuung.

 

»Eine Schulung sollte als Gruppenunterricht nach einem evaluierten Curriculum und unter Leitung speziell ausgebildeter Asthmatrainer erfolgen«, betonte der Apotheker. Wesentlicher Inhalt sei neben dem Wissen über die Krankheit die korrekte Anwendung der verschiedenen Inhalations- und Peak-Flow-Geräte. Mit Letzteren lässt sich die Lungenkapazität messen und auf diese Weise der Krankheitsverlauf kontrollieren. »Auf der Basis der ermittelten Werte«, sagte Martin, »können Patienten die Dosis der Dauermedikation innerhalb der Grenzen anpassen, die der Arzt festgelegt hat.« Auch den Erfolg der Bedarfsmedikation im akuten Asthmaanfall  sollten sie mithilfe einer Peak-Flow-Messung überprüfen, wie die Asthma-Leitlinien empfehlen. Ferner fordern sie, dass der Arzt seinen Patienten einen schriftlichen Notfallplan aushändigt. »Wenn die Patienten nicht genau wissen, wie sie sich beim Asthmaanfall verhalten sollen, schweben sie in großer Gefahr«, so Martin: Möglicherweise nehmen sie zu spät ärztliche Hilfe in Anspruch. Oder aber sie verwenden aus Panik planlos hohe Mengen an schnell wirksamen β2-Sympathomimetika und riskieren Steigerungen der Herzfrequenz bis hin zum Vorhofflimmern. Bei der Dauermedikation tritt Martins Ansicht nach häufig das gegenteilige Phänomen auf: »In beschwerdefreien oder -armen Intervallen setzen viele Patienten ihre Glucocorticoid-Therapie eigenmächtig ab.« Deshalb müssten Schulungen die weit verbreiteten Ängste vor Glucocorticoid-Nebenwirkungen ausräumen und ein Bewusstsein dafür schaffen, dass die Entzündung der Atemwege dauerhaft besteht, also auch dauerhaft Medikamente erfordert.

 

An diesen Punkten kann auch der Apotheker Aufklärungsarbeit leisten und die Compliance fördern. Auch mögliche Neben- und Wechselwirkungen von Asthma-Medikamenten, den richtigen Einsatz der Inhalationsgeräte und die Peak-Flow-Protokolle kann er regelmäßig überwachen. Den Nutzen und die Kosteneffizienz hätten schon drei Studien gezeigt, darunter die VITA-Studie (siehe dazu Inhalative Arzneimittel: Bessere Anwendung dank Apotheker, PZ 51/52/07). »Zwar ist die Apotheke meist kein Ort für strukturierte Schulungen. Aber durch den engen Patientenkontakt eignet sie sich hervorragend, um Schulungsinhalte zu vertiefen. Diese Form der Pharmazeutische Betreuung sollte in der Öffentlichkeit und in den medizinischen Leitlinien noch einen viel größeren Stellwert bekommen.«

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