Pharmazeutische Zeitung online
Inhalative Arzneimittel

Bessere Anwendung dank Apotheker

17.12.2007  13:24 Uhr

Inhalative Arzneimittel

Bessere Anwendung dank Apotheker

Von Bettina Sauer, Berlin

 

Die Fehlerquote bei der Anwendung inhalativer Arzneimittel liegt bei knapp 80 Prozent. Durch eine Patientenschulung kann der Apotheker sie auf 21 Prozent senken. Das ist das zentrale Ergebnis der VITA-Studie, die vergangene Woche in Berlin vorgestellt wurde.

 

Eigentlich eignen sich inhalative Arzneiformen hervorragend zur Therapie von Asthma oder der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD). Doch bei falscher Anwendung drohen Wirkungsverlust oder unerwünschte Begleiterscheinungen. Verschiedenen Studien zufolge liegt die Fehlerquote bei 50 bis 80 Prozent. »Apotheker können wirksam Abhilfe schaffen, indem sie den Patienten die richtige Inhalationstechnik beibringen«, sagte Magdalene Linz, Präsidentin der Bundesapothekerkammer. »Und dazu reicht eine einzige Schulung.« Den Beweis liefern die ersten Ergebnisse der VITA-Studie, die Linz vergangenen Donnerstag in Berlin vorstellte. Die Abkürzung steht für »Verbesserung der Inhalationstechnik von Menschen mit Asthma und COPD in Apotheken«.

 

Die Untersuchung der ABDA fand zwischen August und Oktober 2007 in bundesweit 55 Apotheken statt.  Die rund 750 erwachsenen Studienteilnehmer litten an Asthma, COPD oder Mischformen und wendeten deshalb seit durchschnittlich elf Jahren inhalative Arzneimittel an. Zunächst führten sie dem Apotheker ihre Inhalationstechnik vor. Anschließend nannte und erläuterte er sämtliche Fehler, die ihnen dabei unterlaufen waren, und zeigte ihnen die richtige Technik. Spezielle Fragebögen dienten dazu, die Fehler wie auch Angaben zum Patienten, seiner Erkrankung, Medikamenten und Inhalationssystemen sowie früheren Schulungen zu dokumentieren.

 

Vier Wochen später führten die Patienten dem Apotheker erneut eine Inhalation vor, die abermals mithilfe eines Fragebogens erfasst wurde. Die bisherige Auswertung belegt, dass vor dem Beratungsgespräch 79 Prozent der Patienten Fehler bei der Anwendung inhalativer Arzneimittel machten. Hinterher lag der Wert dagegen nur noch bei 21 Prozent. Zudem reduzierte sich die durchschnittliche Fehlerzahl pro Inhalation von 2,5 auf 0,5.

 

Besonders oft legten ungeschulte Patienten den Kopf beim Einatmen nicht in den Nacken. Zu den häufigen Fehlern gehörte es auch, nach der Inhalation den Atem nicht anzuhalten, zu schnell auszuatmen oder nach dem Gebrauch das Mundstück nicht von Speichelresten zu säubern. »Die Patienten bemerkten unmittelbar die bessere Wirksamkeit ihrer Medikamente und zeigten sich außerordentlich dankbar«, sagte Linz. »Das macht die Schulungsarbeit wiederum für den Apotheker sehr befriedigend.«

 

Detaillierte Ergebnisse von VITA sollen in einigen Monaten vorliegen. Frühere Studien belegen, dass der Schulungseffekt im Umgang mit inhalativen Medikamenten durch den Apotheker mindestens sechs Monate anhält. Zudem verbessert er Lebensqualität und Lungenfunktion der Asthmapatienten.  »In Anbetracht dieser Ergebnisse sollte man ernsthaft erwägen, solche Schulungen in entsprechende Verträge von Krankenkassen und Apotheken aufzunehmen«, sagte Linz. Dann könnten womöglich Patienten in Zukunft mit ihrem Rezept für ein Asthmaspray gleich eine erstattungsfähige Schulung in der Apotheke einlösen.

Mehr von Avoxa