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Arzneimittelinformation

Der Ariadnefaden im Netz

25.01.2011  17:36 Uhr

Von Hannelore Gießen, Köln­ / Eine Arztpraxis erkundigt sich nach der neuen Fettpille, eine Patientin möchte wissen, ob Amlodipin an ihrem Haarausfall schuld sei – Alltag in einer öffentlichen Apotheke. Wie man diese Fragen schnell und kompetent beantwortet, war Thema eines Workshops beim 2. Kongress für Arzneimittelinformation Mitte Januar in Köln.

Die eigentliche Frage zu erkennen, sei der erste Schritt einer erfolgreichen Recherche, erklärte Dr. Ralf Goebel vom Zentrum für Arzneimittelinformation und Pharmazeutische Praxis (ZAPP) der ABDA. Da die Frage nach der Fettpille von einer Arztpraxis gestellt wurde, ist damit sehr wahrscheinlich ein Lipidsenker gemeint. Interessiert sich ein Kunde für eine Fettpille, hat er eher ein Abmagerungsmittel im Blick.

 

Schnelle, valide Informationen zu neuen Arzneimitteln finde man bei den pharmazeutischen Fachzeitschriften, berichtete Goebel. Auch eine Recherche beim Arznei-Telegramm sowie dem Arzneimittelbrief sei interessant, jedoch bei beiden Medien kostenpflichtig.

 

Bezieht sich eine Anfrage auf Nebenwirkungen und Risiken eines Medikamentes, sind neben den Mitteilungen der Arzneimittelbehörden vor allem die Websites der Arzneimittelkommissionen der Apotheker (AMK) sowie der Ärzteschaft (AkdÄ) gute Adressen. Wichtigste Informationsquelle für die Anwendung eines Arzneimittels in Schwangerschaft und Stillzeit stellen die von der Roten Liste herausgegebenen Fachinformationen dar. Neben dem Abschnitt »Schwangerschaft und Stillzeit« seien auch die Angaben zur Reproduktionstoxizität im Abschnitt »Präklinische Daten zur Sicherheit« heranzuziehen, hob der Referent hervor.

 

Infos aus dem Netz

 

Das Internet bietet eine schier unerschöpfliche Fülle an Informationen zu Gesundheitsthemen – in unterschiedlicher Qualität und in unterschiedlicher Absicht. Um die Spreu vom Weizen zu trennen, empfahl Goebel, Internetseiten gründlich auf ihre Validität zu prüfen. Dafür gebe es Gütesiegel für vertrauensvolle Gesundheitsinformationen im Netz, wie den Health On the Net (HON)-Code. Sucht man über www.hon.ch, findet man nur Seiten, die sich dem HON-Code verpflichtet haben.

 

Medknowledge ist ein Suchkatalog, anhand dessen man nach Arzneimitteln, Arzneistoffen in der Entwicklung, Therapieleitlinien, klinischen Studien und Abstracts fahnden kann. Ursprünglich an der Apotheke des Universitätsklinikums Tübingen als Service entwickelt, bietet Pharmatrix Informationen vor allem zu klinischen Themen, wie Sondenapplikation, Antiinfektiva, Perfusoren oder Zytostatika. Sowohl für Medknowledge als auch Pharmatrix benötigt der Nutzer ein Doccheck-Passwort.

 

Weniger ist mehr

 

Um effektiv zu arbeiten, beschränkt man sich bei der Recherche am besten auf maximal drei Quellen, empfahl der Referent. Da manche Fragen immer wieder gestellt werden, sollte der Recherche-Pfad festgehalten werden, um später auch die Vorgehensweise zurückverfolgen zu können. Größere Apotheken mit vielen Anfragen entwickeln am besten eine Seite mit häufigen Fragen und Antworten und stellen sie ins Netz, lautete Goebels Tipp.

 

Kunden fragen in der Apotheke jedoch nicht nur nach Arznei-, sondern auch nach Nahrungsergänzungsmitteln. Das Internet sei voller dubioser Angebote, berichtete Dr. Sonja Mayer von der Bayerischen Landesapothekerkammer. Immer wieder kommen Fälle ans Licht, in denen Nahrungsergänzungsmittel rezeptpflichtige oder nicht zugelassene Wirkstoffe enthalten. Nahrungsergänzungsmittel benötigen keine Zulassung. Um auf den Markt zu kommen, müssen sie nur beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit angezeigt werden.

 

Stellungnahmen zu Nahrungsergänzungsmitteln findet man beim Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) unter der Rubrik »Lebensmittel«. Allerdings sind beim BfR nur wenige aktuelle Bewertungen zu finden. Medline Plus ist ein Angebot der US National Library of Medicine des National Institute of Health, das Inhaltsstoffe in Nahrungsergänzungsmitteln sowie Heilpflanzen auflistet und in der Rubrik »How effective is it« die Studienlage bewertet.

 

Die AMINO-Datenbank ist ein Gemeinschaftsprojekt mehrerer Apothekerkammern und deren Arzneimittelinformationsstellen. Sie gibt Auskunft über Verkehrsfähigkeit und Einstufung von Präparaten, enthält jedoch keine Bewertung.

 

Wenden sich sowohl Ärzte, Pflegepersonal als auch Laien mit ihren Fragen zu Arznei- oder Nahrungsergänzungsmitteln an die Apotheke, ist das ein großes Kompliment und eine große Chance für das Apothekenteam, denn Arzneimittelinformation ist eine Frage des Vertrauens. Sicher und adäquat über Medikamente zu informieren, stärkt das Ansehen der Apotheke und bindet Kunden. / 

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