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ARZNEISTOFFE

Icatibant|Firazyr®|27|2008

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STOFFGRUPPE
27 Betarezeptoren-, Calciumkanalblocker und Hemmstoffe des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems
WIRKSTOFF
Icatibant
FERTIGARZNEIMITTEL
Firazyr®
HERSTELLER

Shire

MARKTEINFÜHRUNG (D)
09/2008
DARREICHUNGSFORM

30 mg Injektionslösung in einer Fertigspritze

Indikationen

Firazyr ist zugelassen zur Behandlung akuter Attacken des hereditären Angioödems (HAE) bei Erwachsenen (mit C1-Esterase-Inhibitor-Mangel).

Wirkmechanismus

Icatibant ist ein synthetisch hergestelltes Peptidomimetikum mit einer ähnlichen Struktur wie Bradykinin. Es wirkt als Bradykinin-Antagonist, indem es selektiv und kompetitiv Bradykinin-B2-Rezeptoren blockiert. Bradykinin spielt eine wesentliche Rolle bei der Schwellungs- und Schmerzentstehung einer HAE-Attacke. Das Gewebshormon sorgt dafür, dass sich die Blutgefäße erweitern und die Durchlässigkeit der Kapillaren erhöht ist. Als Folge davon tritt Blutplasma ins Gewebe aus, Schwellungen und Schmerzen entstehen. HAE-Patienten weisen einen erhöhten Bradykinin-Spiegel auf.

Anwendungsweise und -hinweise

Empfohlen wird eine einmalige subkutane Dosis von 30 mg Icatibant, die durch medizinisches Personal verabreicht wird. Icatibant ist nicht zur Selbstverabreichung bestimmt. Um eine Attacke zu behandeln, ist normalerweise eine Injektion ausreichend. Nach subkutaner Gabe wird nach etwa 30 Minuten die maximale Plasmakonzentration erreicht. Bei unzureichender Wirkung oder erneutem Auftreten von Symptomen kann sechs Stunden später eine zweite und nach weiteren sechs Stunden eine dritte Dosis gegeben werden. Innerhalb von 24 Stunden dürfen aber nicht mehr als drei Injektionen verabreicht werden.

Wichtige Wechselwirkungen

In-vitro-Studien mit Icatibant ergaben keine Hemmung oder Induktion wichtiger Cytochrom-P450-Isoenzyme. Nicht untersucht wurden Wechselwirkungen mit ACE-Hemmern, da diese bei HAE-Patienten aufgrund der möglichen Erhöhung des Bradykinin-Spiegels kontraindiziert sind.

Nebenwirkungen

Reaktionen an der Injektionsstelle, einschließlich Erythem, Schwellung, Wärmegefühl, Brennen, Juckreiz und Schmerzen, traten in Studien zu Icatibant sehr häufig auf. Diese Reaktionen waren im Allgemeinen jedoch nur leicht und vorübergehend. Weitere häufige Nebenwirkungen waren unter anderem Übelkeit und Bauchschmerz, Schwindel und Kopfschmerz sowie eine verstopfte Nase.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Vorsicht beim Einsatz von Icatibant ist geboten bei Patienten mit akuter ischämischer Herzkrankheit oder instabiler Angina pectoris. Gleiches gilt für die Behandlung von Patienten, die in den Wochen zuvor einen Schlaganfall erlitten haben.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Die Wirksamkeit von Icatibant wurde in zwei randomisierten, doppelblinden Multicenterstudien der Phase III untersucht – FAST (For Angioedema Subcutaneous Treatment)-1 und FAST-2. In den vom Studiendesign identischen Studien wurde Icatibant entweder mit peroral applizierter Tranexamsäure oder mit Placebo verglichen. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zum Einsetzen der Symptomverbesserung. Von insgesamt 130 Patienten erhielten 63 eine Icatibant-Dosis von 30 mg, 38 Patienten bekamen Tranexamsäure (dreimal zwei 500-mg-Kapseln über zwei Tage) und 29 Patienten erhielten Placebo. Während sich die Symptome unter Icatibant nach 2 beziehungsweise 2,5 Stunden besserten, wurde dieses Ziel unter Tranexamsäure erst nach 12 Stunden und unter Placebo nach 4,6 Stunden erreicht.

Hintergrundinfos

Hereditäres Angioödem (HAE): Diese vererbliche Form eines Angioödems ist eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung. Sie ist durch unvorhersehbare und wiederkehrende Schwellungen im Gesicht, an Händen und Füßen, im Kehlkopfbereich sowie Bauchraum gekennzeichnet. Bei schätzungsweise 10.000 Patienten in den USA und Europa ist das hereditäre Angioödem (HAE) bisher diagnostiziert. Die Prävalenz wird auf 1:50.000 bis 1:10.000 geschätzt, sodass in der EU und den USA insgesamt 15.000 bis 75.000 Menschen betroffen sein könnten. Während die Attacken an Händen, Füßen und im Gesicht sehr entstellend sein können, ist das Anschwellen der Darmwand mit äußerst starken Schmerzen verbunden. Lebensgefahr besteht bei Attacken im Rachen- und Kehlkopfbereich, da das Anschwellen der oberen Atemwege zum Ersticken führen kann. Mehr als die Hälfte aller HAE-Patienten erleidet im Laufe des Lebens ein solches Angioödem. Kommt der Patient erst spät zum Arzt, muss gegebenenfalls intubiert oder ein Luftröhrenschnitt durchgeführt werden.

Besonderheiten

Firazyr ist bei Temperaturen nicht über 25 °C zu lagern; es darf nicht einfrieren.
Firazyr ist verschreibungspflichtig.

Weitere Hinweise

Firazyr sollte während der Schwangerschaft nur bei potenziell lebensbedrohlichen HAE-Attacken angewendet werden. Nach einer Anwendung von Firazyr während der Stillzeit sollten Mütter 12 Stunden lang nicht stillen.

Letzte Aktualisierung: 30.10.2015