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ARZNEISTOFFE

Dabigatranetexilat|Pradaxa®|20|2008

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STOFFGRUPPE
20 Antikoagulantia
WIRKSTOFF
Dabigatranetexilat
FERTIGARZNEIMITTEL
Pradaxa®
HERSTELLER

Boehringer Ingelheim

MARKTEINFÜHRUNG (D)
04/2008
DARREICHUNGSFORM

75 mg Hartkapseln
110 mg Hartkapseln
150 mg Hartkapseln

Indikationen

Pradaxa ist zugelassen zur Verhinderung der Blutgerinnsel-Bildung in den Venen bei Erwachsenen, die ein neues Hüft- oder Kniegelenk bekommen haben. Außerdem ist es indiziert zur Prävention von Schlaganfällen und systemischen Embolien bei erwachsenen Patienten mit nicht valvulärem Vorhofflimmern mit zusätzlichen Risikofaktoren wie vorangegangenem Schlaganfall, Herzinsuffizienz oder Diabetes mellitus. Zugelassenen ist es auch zur Behandlung tiefer Venenthrombosen (TVT) und Lungenembolien (LE) sowie zur Prävention von TVT- und LE-Rezidiven.

Wirkmechanismus

Dabigatranetexilat ist ein Prodrug, das selbst nicht antikoagulatorisch wirkt. Beide Prodrug-Funktionen (veresterte Carboxylgruppe und O-n-Hexylcarbamatgruppe) werden im Plasma und in der Leber mittels Esterasen gespalten.

 

Dabigatran bindet kompetitiv und reversibel direkt an Thrombin und blockiert damit die Serinprotease. Der Inhibitor interagiert sowohl am freien als auch am fibringebundenen Thrombin und hemmt so die Thrombin-induzierte Thrombozytenaggregation. Seine Plasmakonzentration und die antikoagulatorische Wirkung korrelieren eindeutig.

Anwendungsweise und -hinweise

Der Patient nimmt die erste Dosis (110 mg) eine bis vier Stunden nach der Operation und an den Folgetagen einmal täglich zwei Kapseln (220 mg) ein. Wenn die Operationswunde noch blutet, darf die Therapie nicht gestartet werden. Zur Primärprävention von venösen Thromboembolien (VTE) nach Kniegelenksersatz wird die Einnahme zehn Tage lang fortgesetzt, nach Hüftgelenksersatz 28 bis 35 Tage.

 

Bei Patienten mit leichter bis mittelgradiger Niereninsuffizienz, Senioren über 75 Jahren sowie Patienten, die Amiodaron einnehmen, ist Vorsicht geboten: Sie bekommen nur 150 mg täglich (zwei Kapseln zu je 75 mg).

Wichtige Wechselwirkungen

Dabigatran ist ein Substrat von P-Glykoprotein (P-GP). P-GP-Inhibitoren wie Amiodaron, Verapamil oder Clarithromycin können die Dabigatran-Konzentration im Plasma erhöhen. Daher ist eine engmaschige Kontrolle erforderlich. Die gleichzeitige Anwendung einiger starker P-GP-Inhibitoren ist kontraindiziert, zum Beispiel Ketoconazol (systemisch), Ciclosporin oder Dronedaron. Bei der gleichzeitigen Anwendung mit P-GP-Induktoren wie Rifampicin, Johanniskraut oder Carbamazepin ist ein niedrigerer Dabigatran-Spiegel zu erwarten. Daher sollte diese vermieden werden.

 

Dabigatran wird nicht über das Cytochrom-P-450-System abgebaut. Daher sind hier keine Wechselwirkungen zu erwarten.

 

Keine Hinweise auf Wechselwirkungen ergaben sich bei der gleichzeitigen Anwendung mit Protonenpumpenhemmern wie Pantoprazol oder dem H2-Blocker Ranitidin.

Nebenwirkungen

Häufigste Nebenwirkung von Dabigatran in den Studien zur Zulassung waren Blutungen, die laut Fachinformation bei etwa 14 Prozent der Studienteilnehmer auftraten. Schwere Blutungen erlitten weniger als 2 Prozent.

Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen

Kontraindiziert ist Dabigatran bei schwerer Niereninsuffizienz, akuten Blutungen, beeinträchtiger Leberfunktion und gleichzeitiger Einnahme von Chinidin. Die gleichzeitige Anwendung einiger starker P-GP-Inhibitoren ist ebenfalls kontraindiziert, zum Beispiel von Ketoconazol (systemisch), Ciclosporin oder Dronedaron.

 

Ältere sowie Menschen, die weniger als 50 kg wiegen, sollen engmaschig auf Anzeichen einer Blutung oder Anämie kontrolliert werden. Vorsicht ist auch geboten bei Personen über 110 kg.

Bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Inhaltsstoffe ist das Arzneimittel kontraindiziert.

Studien

Dass Dabigatran in der VTE-Prophylaxe dem niedermolekularen Heparin Enoxaparin nicht unterlegen ist, zeigten zwei randomisierte Studien mit fast 5600 Patienten, die entweder ein neues Knie- oder ein Hüftgelenk erhielten. Die Patienten bekamen täglich 150 oder 220 mg Dabigatran peroral (beginnend mit der halben Dosis eine bis vier Stunden nach der OP) oder einmal täglich 40 mg Enoxaparin subkutan, beginnend am Tag vor der Operation. Primärer Endpunkt war jeweils die Kombination von allen VTE und der Gesamtmortalität; ein sekundärer Zielparameter war die Kombination von schweren VTE und VTE-bezogener Mortalität.

 

In der Re-Model-Studie mit Patienten nach Kniegelenkersatz erlitten knapp 38 Prozent unter Enoxaparin, 36 Prozent unter 220 mg Dabigatran und 40 Prozent unter 150 mg Dabigatran ein Blutgerinnsel. In jeder Gruppe gab es einen Todesfall. In der Re-Novate-Studie mit Patienten nach Hüftgelenkersatz lagen die VTE-Raten zwischen 6 und 7 Prozent (8,7 Prozent unter 150 mg Dabigatran). Beide Dosierungen waren statistisch gesehen dem Enoxaparin nicht unterlegen; dabei wirkten 220 mg des neuen Medikaments tendenziell besser als 150 mg. Auch bei der Rate an starken Blutungen, erhöhten Leberenzymwerten und akuten Koronarereignissen gab es keine signifikanten Unterschiede zwischen den Medikamenten.

Besonderheiten

Nach dem ersten Öffnen der Flasche ist Pradaxa noch vier Monate haltbar.
Um den Inhalt vor Feuchtigkeit zu schützen, soll das Arzneimittel in der Originalverpackung aufbewahrt werden.
Pradaxa ist verschreibungspflichtig.

Formeln

Dabigatranetexilat

Dabigatranetexilat

Die dreidimensionale Strukturformel können Sie mit einem kostenlosen Zusatzprogramm aus dem Internet, zum Beispiel Cortona von Parallelgraphics, ansehen (externer Link).

Dabigatran.wrl

Weitere Hinweise

Tierexperimentelle Studien mit Dabigatranetexilat haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt. Während einer Schwangerschaft sollte Dabigatran daher nicht angewendet werden, und während der Behandlung mit Dabigatran sollten Frauen zuverlässig verhüten. Das Stillen sollte während einer Behandlung mit Dabigatran unterbrochen werden.

Letzte Aktualisierung: 23.10.2015