Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

Aktuelle Diskussion
-
Wissenswertes zum Thema Zuckersteuer

Die Einführung einer sogenannten Zuckersteuer war in Deutschland schon öfter im Gespräch, doch so konkret wie jetzt wurde es noch nie: Sie zählt zu den Vorschlägen der Finanzkommission Gesundheit. Was hat es damit auf sich?
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 09.04.2026  18:00 Uhr

Politische Diskussion um die Zuckersteuer

Die Antwort ist, dass sie politisch bislang nicht gewollt war. So lehnte die damalige Ernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) die Steuer 2018 ab, weil sie bezweifelte, dass damit Fehl- und Überernährung zu verhindern seien. Und auch die Ampel-Koalition konnte sich schließlich nicht dazu durchringen, die Steuer auf den Weg zu bringen. Mittlerweile befürwortet jedoch eine Mehrheit der Bevölkerung (60 Prozent) die Einführung einer Zuckersteuer, wie eine repräsentative Forsa-Umfrage im Auftrag von Foodwatch ergab.

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sagte bei einer Fragestunde im Bundestag, sie sei generell sehr offen für Vorschläge, die darauf abzielten, dass die Menschen sich besser und gesünder ernährten. Ob eine Zuckersteuer »ein geeignetes Steuerinstrument« wäre, müsse geprüft werden. Derzeit sieht es so aus, als müsse Warken vor allem in der eigenen Partei Überzeugungsarbeit leisten, falls sie sich für die Steuer stark machen will. Denn der Koalitionspartner SPD hat bereits seine Zustimmung signalisiert.

Die Union scheint in dieser Frage gespalten. Ein lautstarker Befürworter der Steuer ist der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther (CDU). Sein Antrag, die CDU möge sich für eine Zuckersteuer einsetzen, wurde vom Parteitag im Februar zwar abgelehnt. Günther brachte den Vorstoß daraufhin aber Ende März in den Bundesrat ein – als Aufforderung an die Bundesregierung, die Steuer einzuführen. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bezeichnete die Zuckersteuer in einem Post auf der Plattform X derweil als »unsinniges Nebenthema«.

Hilfreich, aber allein nicht ausreichend

In einer Veranstaltung des Science Media Center diskutierten kürzlich Experten aus dem Bereich Public Health und Stoffwechselforschung die wissenschaftlichen Aspekte der Zuckersteuer. Einig war man sich, dass dank einer solchen Steuer der Zuckerkonsum sinken würde, was sich positiv auf die Gesundheit von Konsumenten auswirken würde, dass eine Zuckersteuer allein jedoch nur einen begrenzten Effekt haben würde. »Wenn wir einen echten Gesundheitsgewinn haben wollen, müssen wir über einen Maßnahmenkatalog reden«, sagte Privatdozentin Dr. Sarah Forberger vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie (BIPS) in Bremen.

Professor Dr. Marc Tittgemeyer vom Max-Planck-Institut für Stoffwechselforschung in Köln pflichtete bei und wurde deutlich: »Wir sind in einer relativ verzweifelten Lage und müssen anfangen, wirklich sehr ernsthaft auch mal über unangenehme Maßnahmen nachzudenken.« Wenn eine Maßnahme zur Prävention von Übergewicht eine Steuer sein könne, »dann halte ich das erst mal prinzipiell für hilfreich«.

Mehr von Avoxa