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Wissenswertes zum Thema Zuckersteuer

Die Einführung einer sogenannten Zuckersteuer war in Deutschland schon öfter im Gespräch, doch so konkret wie jetzt wurde es noch nie: Sie zählt zu den Vorschlägen der Finanzkommission Gesundheit. Was hat es damit auf sich?
AutorKontaktAnnette Rößler
Datum 09.04.2026  18:00 Uhr

Vorschlag einer gestaffelten Abgabe

Diese Erfolge vor Augen, empfiehlt nun die Finanzkommission Gesundheit ein sehr ähnliches Modell für Deutschland:

  • unter 5 g Zucker/100 ml: steuerfrei,
  • 5 bis 8 g Zucker/100 ml: 26 Cent pro Liter,
  • mehr als 8 g Zucker/100 ml: 32 Cent pro Liter.

Die Höhe der Steuer solle jedes Jahr an die Inflation angepasst werden. 100-Prozent-Fruchtsäfte und Getränke mit künstlichen Süßstoffen sollten von der Steuer ausgenommen sein.

Mit der Zuckersteuer, die also eigentlich Limosteuer heißen müsste, soll laut der Kommission vor allem ein Anreiz für die Hersteller geschaffen werden, den Zuckergehalt ihrer Produkte zu senken – wie das in Großbritannien bereits geschah, als die SDIL überhaupt erst angekündigt wurde. Auch wird damit gerechnet, dass die Nachfrage nach Limos mit hohem Zuckergehalt sinken werde, wenn diese wegen der Steuer deutlich teurer würden als zuckerreduzierte Alternativen. Die Kommission geht davon aus, dass Menschen aus sozial benachteiligten Gruppen von der Einführung der Steuer gesundheitlich überdurchschnittlich stark profitieren würden, weil sie einerseits mehr zuckerhaltige Erfrischungsgetränke konsumieren und andererseits mehr auf den Preis achten (müssen) als bessergestellte Personen.

Weniger Diabetesfälle und niedrigere Kosten

In Deutschland wird zurzeit annährend so viel zuckerhaltige Limonade getrunken wie in Großbritannien vor der Einführung der SDIL; auch der Zuckergehalt der Getränke, die hierzulande ausgeschenkt werden, entspricht in etwa dem der Limos in Großbritannien vor der Zuckersteuer. Deshalb ist es wohl realistisch, wenn die Kommission analog zu UK im ersten Jahr nach Einführung der Steuer Einnahmen von etwa 453 Millionen Euro erwartet. Dieses Geld solle dem Gesundheitsfonds der GKV zur Verfügung gestellt werden, so der Vorschlag der Kommission.

Kommt es wie in Großbritannien zu einer Reduktion des Zuckergehalts von Limonaden um 30 Prozent, erwartet die Kommission, dass dadurch rund 1600 bis 12.000 Diabetesfälle pro Jahr vermieden oder verzögert werden können. Die GKV-Finanzen würden pro Jahr um 20 bis 170 Millionen Euro entlastet, indem die Krankenkassen weniger für die Versorgung von Patienten mit Erkrankungen ausgeben müssten, die eine Folge des übermäßigen Zuckerkonsums durch Limonaden sind.

In Deutschland ist der Zuckerkonsum derzeit sehr viel zu hoch. Laut dem Bundesinformationszentrum Landwirtschaft beträgt der tägliche Pro-Kopf-Verbrauch hierzulande rund 90 g (30 Stück Würfelzucker) – von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfohlen werden nur 50 g (17 Stück Würfelzucker). Angesichts dieser Zahlen kann man sich fragen, warum es die Zuckersteuer in Deutschland nicht schon längst gibt.

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