| Daniela Hüttemann |
| 29.04.2026 16:20 Uhr |
Auch wenn Moradi optimistisch ist, wird es wohl in absehbarer Zukunft bei den bislang verfügbaren Therapiemöglichkeiten bleiben. »Mit einer ganzheitlichen Therapie können wir schon viel erreichen – eine OP machen wir nur, wenn die Arthrose schon weit fortgeschritten ist und es nicht anders geht«, so Moradi. Er zitierte aber auch Hippokrates: »Bevor wir über Heilung sprechen, müssen wir darüber reden, ob der Patient bereit ist, das aufzugeben, was ihn krank gemacht.«
Entscheidend sind eine gesunde, antientzündliche Ernährung ohne industriell verarbeitete Lebensmittel, eine Gewichtsabnahme und vor allem viel Bewegung und Muskelaufbau. Bei Übergewicht gehe es nicht nur um die höhere Last, die die Gelenke zu tragen haben, sondern auch um die zusätzlichen Zytokine, die das Fettgewebe freisetzt.
Umgekehrt kräftigt Sport nicht nur die umliegende Muskulatur und sorgt dafür, dass der Knorpel mit Nährstoffen versorgt wird, sondern wirkt auch inflammatorisch. Laut Moradi sei der Effekt von Sport vergleichbar und zum Teil sogar größer als von NSAR und halte länger an. Er empfiehlt Sportarten ohne hohes Verletzungsrisiko, also eher nicht Fußball oder andere Kontaktsportarten.
»Es ist schwierig, Lebensgewohnheiten zu ändern, hat aber nachweisbar den größten Effekt. Hier müssen wir noch viel Überzeugungsarbeit leisten, denn die Leute wollen lieber Pillen und OPs«, so Moradis Erfahrung.
Medikamentös könne man bei Kniegelenkarthrose (Gonarthrose) mit topischen NSAR oder Capsaicin starten. Sie haben kaum Nebenwirkungen (bis auf Hautirriationen bei Capsaicin-Präparaten) und können die Symptome lindern. Bei NSAR gebe einen erheblichen Placeboeffekt.
Am besten untersucht in Bezug auf die Schmerztherapie bei Arthrose seien NSAR. Alle senken den Schmerz, sie haben laut Moradi allerdings keine langfristige Wirkung. »Idealerweise sollten sie als Intervention nur sechs Wochen gegeben werden, aber am besten so kurz und niedrig dosiert wie möglich.« Maximaldosen, Nebenwirkungen und Kontraindikationen müssen beachtet werden.
Paracetamol werde nicht empfohlen, da es zwar moderat gegen Schmerzen, aber nicht antientzündlich wirkt. Metamizol sei nicht geeignet. Opioide sollten auch bei starken Schmerzen nicht standardmäßig eingesetzt werden. Möglich sei eine Überbrückung der Zeit bis zu einer anstehenden OP mit niedrigpotenten Opioiden als Ultima Ratio.
Eine intraartikuläre Therapie mit Glucocorticoiden (»Cortison-Spritzen« ins Knie) hätte anfangs einen Effekt, aber keinen langfristigen Vorteil gegenüber Placebo bei regelmäßiger Gabe. »Das ist sogar eher knorpelschädigend und sollte maximal dreimal erfolgen«, riet der Orthopäde. Man profitiere am ehesten bei einem Erguss im Knie, Schmerzspitzen und wenn bislang nur eine geringe strukturelle Schädigung vorliege. Für Hyaluron-Spritzen gebe es keine offizielle Empfehlung mehr.