| Kerstin A. Gräfe |
| 02.06.2026 10:30 Uhr |
Eine weitere wichtige Säule gegen den PPI-Überkonsum ist das Vermeiden von Langzeittherapien. »Hier müssen wir Gastroenterologen uns auch an die eigene Nase fassen«, sagte Madisch. Als kritische Schnittstelle nannte er den Entlassbrief. Allzu häufig werde darin eine sinnvolle und kurze PPI-Gabe während eines Krankenhausaufenthalts unkritisch übernommen. Prinzipiell gelte es, bei einem Therapiebeginn auch gleich das Ende festzulegen. Bei GERD betrage dies in der Regel acht Wochen.
Wichtig zu wissen: Einen PPI abzusetzen ist durchaus herausfordernd. »Gastroenterologen sprechen auch eher von einer PPI-Entwöhnung, da physiologisch ein Acid-Rebound erfolgt«, informierte Madisch. Nicht empfehlenswert sei ein kalter Entzug, da 50 Prozent bei dieser Methode säurebedingte Probleme bekommen.
Bevorzugt sollte der PPI ausgeschlichen werden: Dabei wird die Dosis zunächst über zwei Wochen halbiert; dann nimmt der Patient den PPI jeden zweiten Tag über zwei Wochen ein, danach jeden dritten Tag über zwei Wochen et cetera. Der Prozess könne insgesamt bis zu 26 Wochen dauern, sagte Madisch. Zur Überbrückung sollten Antazida oder Alginate eingesetzt werden.
»Um das primäre Therapieziel Symptomkontrolle zu erreichen, sind PPI nach wie vor der Standard bei allen Formen der GERD«, resümierte Madisch. Es sollten jedoch Über- beziehungsweise Dauertherapien mit PPI vermieden werden. »Was wir brauchen ist analog zu den Antibiotika ein PPI-Stewardship«.