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Überkonsum
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»Wir brauchen ein PPI-Stewardship«

In Deutschland herrscht ein massiver Überkonsum von Protonenpumpenhemmern (PPI). Lösungsansätze für das Problem gab es  beim Fortbildungskongress Pharmacon in Meran: leitliniengerecht einsetzen, Dauertherapien vermeiden und Entwöhnung aktiv begleiten.  
AutorKontaktKerstin A. Gräfe
Datum 02.06.2026  10:30 Uhr

»Protonenpumpenhemmer sind sehr gute und sichere Substanzen, wir haben es aber mit dem breiten Einsatz in den letzten Jahren übertrieben«, sagte Professor Dr. Ahmed Madisch vom Diakovere Friederikenstift in Hannover. Im Jahr 2022 seien etwa 3,8 Millionen Tagesdosen verordnet worden – nicht eingerechnet Verordnungen auf Privatrezepten und OTC-Präparate. »Das ist eindeutig zu viel«, konstatierte der Gastroenterologe.

Zur Lösung schlug er drei Ansätze vor. Erstens dürften PPI ausschließlich mit klarer Indikation eingesetzt werden. Hauptursache des Überkonsums sei nämlich, dass dies Studien zufolge in 30 bis 50 Prozent nicht der Fall ist. Leitliniengerecht dürfen PPI bei Krankheiten eingesetzt werden »bei denen zu viel Säure oder Säure am falschen Platz pathogenetisch relevant ist«. Dazu zählt die Behandlung von Magengeschwüren oder die Prophylaxe bei Hochrisikopatienten unter NSAR-Therapie. Ein Haupteinsatzgebiet  ist zudem die gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD). Aber auch dort sind PPI nur bei denjenigen Patienten indiziert, die eine ausgeprägte Entzündung haben. Bei etwa 80 Prozent der Refluxpatienten könnten andere Medikamente zum Einsatz gekommen, sagte der Referent.

Dies sei auch in der im Jahr 2023 aktualisierten S2k-Leitlinie »Gastroösophageale Refluxkrankheit und eosinophile Ösophagitis« festgehalten worden. PPI bleiben zwar Therapiestandard, haben aber mit einer »Kann-Empfehlung« ein Down-Grade erfahren. Alleiniges Therapieziel sei heute die Symptomkontrolle, die auch mit PPI-Alternativen erreicht werden kann und sollte, betonte Madisch. Der Gastroenterologe nannte unter anderem Alginate, Antazida, Feigenkaktusextrakt und Heilerde. Hydrotalcit beispielsweise wirke ebenso effektiv wie Omeprazol. Ist ein PPI zwingend erforderlich, empfiehlt die Leitlinie bei gesicherter Diagnose mit Refluxösophagitis einen hoch dosierten PPI zur Symptomkontrolle über acht Wochen.

Begleitend sollten immer Allgemeinmaßnahmen umgesetzt werden. Diese haben in der Leitlinie sogar mit einer »Soll-Empfehlung« eine stärke als die PPI. So sollte die Ernährung optimiert, das Gewicht reduziert und das Rauchen eingestellt werden. Zum Schlafen empfehle sich die linke Seitenlage und auch Zwerchfelltraining sei empfehlenswert. »Mit allgemeinen Maßnahmen können wir die Refluxkrankheit in fast 40 Prozent der Fälle zurückdrängen«.

Langzeittherapien vermeiden

Eine weitere wichtige Säule gegen den PPI-Überkonsum ist das Vermeiden von Langzeittherapien. »Hier müssen wir Gastroenterologen uns auch an die eigene Nase fassen«, sagte Madisch. Als kritische Schnittstelle nannte er den Entlassbrief. Allzu häufig werde darin eine sinnvolle und kurze PPI-Gabe während eines Krankenhausaufenthalts unkritisch übernommen. Prinzipiell gelte es, bei einem Therapiebeginn auch gleich das Ende festzulegen. Bei GERD betrage dies in der Regel acht Wochen.

Wichtig zu wissen: Einen PPI abzusetzen ist durchaus herausfordernd. »Gastroenterologen sprechen auch eher von einer PPI-Entwöhnung, da physiologisch ein Acid-Rebound erfolgt«, informierte Madisch. Nicht empfehlenswert sei ein kalter Entzug, da 50 Prozent bei dieser Methode säurebedingte Probleme bekommen.

Bevorzugt sollte der PPI ausgeschlichen werden: Dabei wird die Dosis zunächst über zwei Wochen halbiert; dann nimmt der Patient den PPI jeden zweiten Tag über zwei Wochen ein, danach  jeden dritten Tag über zwei Wochen et cetera. Der Prozess könne insgesamt bis zu 26 Wochen dauern, sagte Madisch. Zur Überbrückung sollten Antazida oder Alginate eingesetzt werden. 

»Um das primäre Therapieziel Symptomkontrolle zu erreichen, sind PPI nach wie vor der Standard bei allen Formen der GERD«, resümierte Madisch. Es sollten jedoch Über- beziehungsweise Dauertherapien mit PPI vermieden werden. »Was wir brauchen ist analog zu den Antibiotika ein PPI-Stewardship«.

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