Für eine saisonale Depression gibt es zwar wissenschaftliche Hinweise. Einen allgemeinen Stimmungsabfall in der Bevölkerung während der Herbst- und Wintermonate belegt die Forschung jedoch nicht. / © Getty Images/Olga Rolenko
Die frühe Dunkelheit macht müde – das ist richtig. Entscheidend ist dabei aber nicht nur, dass es früher dunkel wird, sondern auch die geringere Tageslichtmenge. Sie beeinflusst die innere Uhr, die den Schlaf-Wach-Rhythmus steuert, wie Forscher im «Journal of Physiological Anthropology» berichteten. Nachts schüttet der Körper demnach mehr Melatonin aus, ein Hormon, das an der Regulation des Schlafs beteiligt ist. Helles künstliches Licht am Abend kann die innere Uhr dagegen nach hinten verschieben und das Einschlafen erschweren.
Wie stark Licht wirkt, hängt vor allem von Zeitpunkt, Dauer und Intensität der Lichtexposition ab. Eine Studie mit schwedischen Büroangestellten zeigte im Jahresverlauf Veränderungen bei der aufgenommenen Tageslichtmenge sowie bei den Tagesverläufen von Melatonin und Cortisol. Das Stresshormon Cortisol folgt einem ausgeprägten Tagesrhythmus und spielt unter anderem rund um das Aufwachen eine Rolle.
Die Ergebnisse lassen sich zwar nicht unmittelbar auf das weiter südlich gelegene Deutschland übertragen, zeigen aber: Tageslicht gibt der inneren Uhr wichtige Orientierung. Müdigkeit kann bei weniger Tageslicht früher einsetzen und bei hellem Abendlicht später.
Im Winter steigt das Gewicht vieler Menschen im Durchschnitt leicht, so eine Studie. In der US-Untersuchung an 195 Erwachsenen nahm das Gewicht zwischen Thanksgiving Ende November und dem Jahreswechsel im Schnitt um 0,37 Kilogramm zu. Im weiteren Winter lag es durchschnittlich sogar 0,48 Kilogramm über dem Wert vom frühen Herbst. Dies sei deutlich weniger als die häufig genannten zwei bis drei Kilogramm, schrieb das Team im renommierten «New England Journal of Medicine». Allerdings handelte es sich um Durchschnittswerte: Viele Menschen nahmen in der Studie zu, manche aber ab.
Auch Gewichtsdaten aus sieben Ländern, darunter Deutschland, zeigen einer Studie zufolge jahreszeitliche Schwankungen. Die niedrigsten Werte wurden im Sommer, die höchsten tendenziell in den kälteren Monaten gemessen. Eine weitere Studie über mehr als 20 Jahre zeigte bei den Teilnehmern das höchste Gewicht im Winter und das niedrigste im Sommer.
Diese Daten belegen jedoch nicht, dass die Jahreszeit selbst die Ursache ist. Wahrscheinlicher sei ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren, schreibt das Team im «European Journal of Clinical Nutrition»: Im Winter bewegen sich viele Menschen weniger, essen möglicherweise energiereicher, feiern häufiger und verbringen mehr Zeit in Innenräumen. Winterspeck ist daher möglich, aber kein unvermeidbarer biologischer Vorgang.