| Alexandra Amanatidou |
| 05.11.2026 14:20 Uhr |
(v. l. n. r.) Inga Bergen (Moderatorin), Michael Hennrich (Pharma Deutschland), Viola Bronsema (BIO Deutschland), Martin Schelleis (Malteser Hilfsdienst) und Andreas Pollner (Moderna). / © PZ/Alexandra Amanatidou
Bei der zweiten Ausgabe der »Health Security Dialogues« diskutierten gestern in Berlin Vertreter aus Politik, Gesundheitswesen und Pharmaindustrie darüber, wie Deutschland besser auf künftige Krisen vorbereitet werden kann. Die Veranstaltung unter dem Motto »Vorsorge ist Verantwortung« wurde vom Pharmakonzern Moderna und dem Verband Pharma Deutschland organisiert.
Martin Schelleis, Präsident des Malteser Hilfsdienstes, machte deutlich, dass die Zusammenarbeit zwischen Bund, Ländern, Kommunen und Bundeswehr während der Corona-Pandemie eine Herausforderung war. Dies habe gezeigt, dass das Land auf eine solche Krise nicht vorbereitet war. »Man muss diese Dinge durch Profis vorbereiten«, sagte er mit Blick auf künftige Krisen.
»Wir reden täglich über Krieg, Pandemien und Cyberattacken. Das Bewusstsein ist stärker, um Vorsorge zu treffen«, sagte Michael Hennrich, Geschäftsführer Politik bei Pharma Deutschland. Auch das geplante Gesundheitssicherstellungsgesetz (GeSiG) zeige, dass die Politik die richtigen Schlüsse aus der Pandemie zieht.
Viola Bronsema, die Geschäftsführerin des Branchenverbands der Biotechnologieunternehmen BIO Deutschland, lobte die Hightech-Agenda und den Biotech Act der EU. Die Stimmung für Vorsorge sei zwar aktuell gut, bei der Umsetzung müsse Deutschland jedoch noch stärker werden. Wichtig sei auch die Finanzierung durch private Investitionen. Während der Pandemie habe es zwar viele Investitionen gegeben, doch viele Gelder seien auch in Projekten aufgebraucht worden, die nicht erfolgreich waren.
Ein zentrales Thema war die Erhaltung von Produktionsstätten. Diese könnten in Friedenszeiten für kommerzielle Zwecke genutzt werden und im Krisenfall innerhalb kurzer Zeit zum Beispiel für die Impfstoffproduktion verwendet werden, so Andreas Pollner, General Manager bei Moderna.
Fakt ist: Immer mehr Produktionsstätten in Deutschland müssen schließen. So plant beispielsweise der Impfstoffhersteller GlaxoSmithKline (GSK) die Schließung seines historischen Impfstoffwerks in Dresden. Auch Biontech wird drei Standorte in Deutschland schließen.
Michael Hennrich zufolge hat die Politik das Problem erkannt. Die Branche erwarte, dass die Produktionskapazitäten erhalten bleiben. Dies hatte neulich auch Han Steutel, Präsident des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller (vfa), mit Blick auf Investitionen aus dem Ausland gesagt.
Die Erhaltung einer solchen Anlage würde viel Geld kosten, besonders bei geringer Nachfrage, so Viola Bronsema. Eine Firma könne sich den Erhalt nicht leisten, aber vielleicht könne auf EU-Ebene eine Lösung gefunden werden, um solche Firmen am Leben zu halten. Nach festgelegten Szenarien solle die Politik entscheiden, welche Anlagen für die EU wichtig seien und welche erhalten bleiben sollen, forderte Martin Schelleis.