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Biotech Act
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Macht sich Europa zu klein?

Sie gilt als zu bürokratisch, zu langsam und zu abhängig von den USA und China. So oder ähnlich lautet das Bild, das viele von der Europäischen Union haben. Doch Europa hat auch kluge Köpfe, viel Expertise und einen großen Markt zu bieten, was es für viele Unternehmen attraktiv macht. Eins aber fehlt noch.
AutorKontaktAlexandra Amanatidou
Datum 03.07.2026  14:30 Uhr

Zwischen Lob und Kritik bewegte sich die gestrige Veranstaltung von Tagesspiegel Health4EU. Besonders diskutiert wurde der Biotech Act. Mit diesem Gesetzespaket will die EU ihre Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft im Bereich der Biotechnologie stärken und die Markteinführung biotechnologischer Produkte und Therapien beschleunigen.

»Der Biotech Act ist ein gutes Signal an die Industrie. Er zeigt, dass Europa wettbewerbsfähiger werden möchte«, sagte Christian Thams vom Pharmaunternehmen Johnson & Johnson. Seiner Meinung nach müsse der Plan dennoch ambitionierter sein. »Wenn die EU mehr Investitionen von Unternehmen möchte, ist die Umsetzung des Gesetzes ein zentrales Element.«

Tatsächlich ist der Biotechnologie-Rechtsakt nämlich noch nicht in Kraft getreten. Im Dezember 2025 hat die Europäische Kommission einen umfassenden Entwurf des Biotechnologiegesetzes vorgelegt. Das Gesetzgebungsverfahren läuft derzeit, und der Entwurf wird von verschiedenen Interessenverbänden diskutiert und überarbeitet.

Europa ist »ein starker Markt«

Ein weiteres Problem sieht Thomas Van Cangh von der Generaldirektion Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (GD Sante) der EU: »Die Erfolgsquote in der Biotechnologie ist gering, und Investitionen in diesem Bereich sind kostspielig.« Deshalb seien Finanzinstrumente, die Unternehmen Kredite mit möglichst geringem Risiko ermöglichen, sehr wichtig.

Zwar bieten die EU und die Europäische Investitionsbank bereits solche Kredite an, doch es ist nach wie vor schwierig, Unternehmen zu Investitionen zu bewegen. Einen Grund machte die Diskussionsrunde in der Tatsache aus, dass Forschung und Markt zu stark voneinander entkoppelt seien.

Veronika von Messling vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) ist der Meinung, dass modellbasierte Forschung ein Gamechanger sein könnte. Dabei handelt es sich um einen methodischen Ansatz, bei dem abstrakte, oft mathematische oder computergestützte Modelle anstelle von physischen Prototypen oder textbasierten Dokumenten im Mittelpunkt stehen. »Somit sinken die Kosten und der Zeitaufwand«, sagte die Expertin.

Die Europäische Union sollte für die Runde auch aus anderen Gründen attraktiv für internationale Unternehmen sein. »Wir verfügen über die beste Wissenschaft und die besten Wissenschaftler und können somit wettbewerbsfähig sein«, lobte Van Cangh. Auch dass der Zugang zu Gesundheit ein Grundrecht für EU-Bürgerinnen und Bürger ist, sieht Messling als Vorteil. »Das ist ein starker Markt, den man nicht unterschätzen sollte. Er bietet Planungssicherheit, denn das Produkt wird sich verkaufen lassen, da es Teil des Marktes in diesen Ländern sein wird.« Dennoch warnt Van Cangh davor, das Momentum zu verpassen: »Wir müssen jetzt handeln, denn wir können nicht tatenlos zusehen, wie uns Biotechnologie entgleitet.«

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