| Paulina Kamm |
| 16.09.2026 09:00 Uhr |
Ob die KI im Gesundheitswesen ankommt, diskutiert wohl niemand mehr. Die KI-Expertin Inga Bergen erklärt, in welchen Bereichen die Innovation von Nutzen sein kann. / © PZ / Paulina Kamm
Inga Bergen ist Unternehmerin und Spezialistin für künstliche Intelligenz (KI). Auf der Expopharm erklärt sie, warum die KI auch im Gesundheitswesen an Bedeutung gewinnt. »Die größte Praxis der Welt hat heute keine Tür mehr und ist eine KI«, sagt die Expertin.
Bisher gäbe es vier Hauptgesundheitsprogramme: ChatGPT für klinische Leitlinien und deren Sprachchat für Befunde, Claude Health für mehrseitige ärztliche Berichte, Copilot Health für die Synchronisation mit US-Patientinnen- und Patientenportalen und Perplexity Health für echte Quellennachweise. Allgemein habe sich durch die Anwendungen geändert, wie wir mit Fragen der Gesundheit umgehen.
Doch warum ist die KI so beliebt? Ein Grund dafür ist laut Bergen, dass die KI lerne, individuell mit den Nutzenden zu kommunizieren, weswegen die Menschen ihr vertrauen. Sei es ein »Digger« für Jugendliche oder der generelle Drang der KI, zu gefallen. Zum Teil lasse sie einen sogar als Expertin oder Experten fühlen, dafür brauche es nur eine kurze »Deep Research«.
Im Gesundheitsbereich sei KI für Patientinnen und Patienten häufig die erste Wahl, weil Scham keine Rolle spiele; dies sei im persönlichen Kontakt in der Apotheke anders.
Einsatzbereiche für Gesundheitspersonal gibt es laut Bergen zu Genüge: »58 Prozent der Ärzte und Ärztinnen sagen, dass KI eingesetzt wird, um Gespräche zu transkribieren und dann automatische Arztbriefe zu erstellen«, nennt sie als klassisches Beispiel, wo die KI im Hintergrund als Unterstützung dienen kann. Die Menschen können sich so auf die Kernaufgabe der Patientinnen- und Patientenbetreuung fokussieren. »Das ist das, wo die Pharmazie, aber auch die Ärzteschaft, alle therapeutischen Berufe wieder hinfinden müssen«, so Bergen.
Auch in der Diagnostik finde die KI ihren Platz, zum Beispiel bei der Mammographie oder dem Lungenkrebs-Screening. Grund hierfür seien die einfachen Ergebnismöglichkeiten der Screenings, nämlich: Entweder ist ein Tumor vorhanden oder eben nicht. Ab diesem Jahr werde der Einsatz von KI und das Vier-Augen-Prinzip durch die Ärzteschaft sogar gesetzlich verpflichtend.
KI kann auch dort unterstützen, wo wenig gut ausgebildetes Fachpersonal zur Verfügung steht. Hier vermeide sie Diagnosefehler und Fehler in der Anamnese. Doch auch bei komplexen Fällen, für seltene Erkrankungen oder in Mustern sei sie sehr kompetent. Im Kontextdenken und -wissen wiederum habe die medizinische KI noch ihre Schwächen. »Sie weiß alles über eine Krankheit, aber sie weiß am Ende nichts über den Menschen«, sagt Bergen. Mit Blick in die Zukunft könne sich allerdings auch dies verändern, da die Menschen die KI täglich mit intimen Informationen füttern.