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Dermatosen
Wenn der Beruf krank macht

Hautschutz und -pflege

Apotheker können bei der Primär- und Sekundärprävention von beruflich bedingten Ekzemen helfen. Damit sich aus rauen Händen keine ernsthaften Hautschäden entwickeln, sollten sie Betroffenen den häufigen Gebrauch einer möglichst fettreichen Pflegecreme ans Herz legen. Regelmäßig angewandt, kann ihr Lipidanteil die ausgewaschenen Fette in der Hornschicht ersetzen. Beginnende Beeinträchtigungen der Barrierefunktion lassen sich dadurch ausgleichen. Als Inhaltsstoffe bewährt haben sich Penetrationsverstärker wie Harnstoff (Urea), die die Aufnahme in die Haut verbessern. Da sie unter Umständen aber auch den Transport von Schadstoffen in die Haut fördern können, eignen sich diese Mittel nur zur rückfettenden Pflege nach beendeter Arbeit und in der Freizeit.

Hautschutzmittel dagegen werden vor hautbelastenden Tätigkeiten angewandt und sorgen dafür, dass Schmutz- und Schadstoffe nicht so tief in die Haut eindringen können. Dieser Unterschied ist vielen Kunden nicht bewusst.

Geeignete Hautschutzmittel müssen individuell entsprechend der Exposition ausgewählt werden. Lange galt der Grundsatz, dass zum Schutz gegen wassermischbare Noxen und Feuchtarbeit ausschließlich auf lipophile Formulierungen wie W/O-Emulsionen oder Oleogele zurückzugreifen sei – und umgekehrt bei Arbeitsstoffen, die nicht wassermischbar sind, auf hydrophile O/W-Emulsionen oder Suspensionssalben. Auf In-vivo-Testverfahren basierende Wirksamkeitsprüfungen haben allerdings gezeigt, dass diese Regel nicht allgemein gültig ist. Zudem belegen Tiermodelle, dass einzelne Hautschutzprodukte zum Beispiel die Hautirritation durch Kühlschmiermittel oder Toluol sogar verstärken können. Potenziell allergieauslösende Duft- und Konservierungsstoffe sollten Hautschutz- oder Pflegeserien nicht enthalten. Kritisch sieht die S1-Leitlinie »Berufliche Hautmittel« (Stand 2014) insbesondere die Verwendung von Bronopol und Chlormethylisothiazinolon/ Methylisothiazolinon, die in einigen Produkten auch heute noch zu finden sind.

Hautschutzmittel werden vor der Arbeit, nach der Händereinigung, nach Pausen und nach Arbeitsende aufgetragen. Das Piktogramm zeigt das Gebotszeichen »Hautschutz benutzen«. / Foto: Adobe Stock/pixs:sell
Zuverlässigen Schutz vor Keimen, Chemikalien, Allergenen oder längerem Kontakt mit Wasser bieten flüssigkeitsdichte Handschuhe. / Foto: DGUV/Wolfgang Bellwinkel/Ostkreuz/HVBG
Regelmäßige Hautpflege und eine topische Therapie, meist mit Corticoiden, wirken ausgeprägten Ekzemen entgegen. / Foto: Adobe Stock/Africa Studio

Wichtig bei allen Hautpflege- und -schutzpräparaten ist die regelmäßige und sorgfältige Anwendung. Tests mit fluoreszierenden Präparaten zeigen, dass selbst geschulte Mitarbeiter sie häufig gerade dort nicht ausreichend auftragen, wo sich ein Kontaktekzem zuerst bemerkbar macht, etwa an den Fingerzwischenräumen und den Handgelenken. Gerade unter Zeitdruck »vergessen« viele Berufstätige das Cremen, verrichten es nicht gründlich genug oder lassen das Produkt nicht ausreichend lange einziehen. Auch Sonnenschutzcremes zur Vermeidung lichtbedingter Hautschäden werden – wenn überhaupt – von Freiluftarbeitern meist zu selten und vor allem in zu geringer Menge aufgetragen.

Um beim Händewaschen die Haut nicht unnötig auszutrocknen, sollte man milde Reinigungsprodukte bevorzugen und die Wassertemperatur nicht zu hoch wählen. Geht es um die Beseitigung von Keimen, so hat sich die Handdesinfektion im Vergleich zum Waschen als hautschonender erwiesen. Als Mittel der Wahl gelten hierfür alkoholbasierte Präparate. Der Zusatz antiseptischer Substanzen verbessert die Wirksamkeit nicht, erhöht aber das Risiko von Unverträglichkeitsreaktionen.

Die wichtigste therapeutische Intervention bei berufsbedingten Ekzemen ist das Meiden der auslösenden Noxen. Das kann durch veränderte Arbeitsabläufe und/oder entsprechende Schutzkleidung gewährleistet werden. Versuche, durch Hyposensibilisierung eine Toleranz gegen Kontaktallergene zu erreichen, waren bisher erfolglos.

Zur symptomatischen Behandlung verschreibt der Dermatologe in der Regel topische Glucocorticoide der Klasse II bis III. Schwächere, rezeptfrei erhältliche Zubereitungen sind bei ausgeprägten Ekzemen meist nicht ausreichend wirksam. Bei einer längerfristigen Therapie empfiehlt die derzeit in Überarbeitung befindliche S1-Leitlinie zu Kontaktekzemen Präparate mit geringem Atrophie-Risiko, etwa Mometasonfuroat, Methylprednisolonaceponat oder Hydrocortisonbutyrat. In Einzelfällen werden auch Calcineurin-Inhibitoren wie Tacrolimus oder Pimecrolimus eingesetzt. Obwohl die Leitlinien bereits abgelaufen sind, haben die Empfehlungen nach Aussage der Koordinatoren in der DDG weiterhin Gültigkeit.

Die richtige galenische Grundlage ist mitbestimmend für den Erfolg. Akute Ekzeme sind meist feucht und werden mit hydrophilen Gels, Lotionen oder Cremes behandelt, während eine chronische Dermatose eher eine W/O-Zubereitung benötigt. Zusätzlich können im Akutstadium kalte Umschläge lindernd wirken, zum Beispiel mit Gerbstoffen oder Kochsalzlösung. Beim chronischen Handekzem ist auch eine Phototherapie mit UV-B- oder Psoralen plus UV-A-Strahlung (PUVA) wirksam.

In schweren Fällen kann eine systemische Therapie indiziert sein, wenn eine adäquate Lokalbehandlung nicht ausreichend wirksam ist. Zum Einsatz kommen hier in erster Linie orales Ciclosporin A, Retinoide wie Alitretinoin oder Glucocorticoide.

Ist das Ekzem abgeheilt, benötigt die Haut intensive Pflege, um die gestörte Barrierefunktion zu regenerieren. Bis zur vollständigen funktionellen Wiederherstellung können nach dem Abklingen der Symptome mehrere Wochen vergehen. Bei unveränderter beruflicher Exposition bleibt das Rezidivrisiko hoch. Egal, ob schon einmal ein Ekzem aufgetreten ist oder nicht: Wer häufig hautbelastende Tätigkeiten ausführen muss, für den ist regelmäßige rückfettende Hautpflege aktive Prävention. Die kompetente Beratung in der Apotheke kann hier wertvolle Unterstützung leisten.

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