Was sind nun die Top-Wirkstoffe, um Alterungsprozessen entgegenzuwirken? »Vitamin-A-Säure-(Tretinoin-)Präparate sind die am besten untersuchten und effektivsten Topika im Anti-Aging-Bereich. Es liegen histologisch kontrollierte Studien bei Männern und Frauen vor, die nachweisen, dass auch die in der Kosmetik verwendeten Vitamin-A-Säure-Derivate wie Retinol, Retinaldehyd und Retinylester die Kollagenbildung anregen, die Faltentiefe herabsetzen, die Verbindung zwischen Epidermis und Dermis verbessern und aufhellend wirken«, erläutert die Hautexpertin, die auch Schriftführerin bei der Gesellschaft für Dermopharmazie ist.
Retinoide binden an spezifische Zellkernrezeptoren und geben dort Informationen weiter, die für die Differenzierungsregulation verantwortlich sind. »Die toten Schüppchen, die wir loswerden wollen, werden quasi abgeschält. Dadurch wirkt die Haut glatter und erscheint in einem gewissen Glanz wie frisch gepeelt. Doch dadurch, dass ein paar Zellschichten verloren gehen und Hornschuppen abgestoßen werden, steigt die Empfindlichkeit gegenüber UV-Strahlung. Am besten trägt man abends das Retinoid auf und morgens den Sonnenschutz. Das Meiden praller Sonne beziehungsweise ausreichender Lichtschutzfaktor ist deshalb essenziell. Ohne Sonnenschutz macht Anti-Aging-Pflege keinen Sinn«, rät Bayerl.
Daneben lässt sich mit klassischen Radikalfängern – am besten untersucht ist die Ascorbinsäure – gut gegen die Zeichen der Zeit vorgehen. Laut Bayerl sind ab einer Konzentration von 5 Prozent Vitamin C aufhellende und aufbauende Effekte dokumentiert. Auch Peptide, seit etwa zehn Jahren verstärkt auf dem Markt, seien »eine durchaus unterstützende Substanzgruppe im Anti-Aging-Bereich«.
Setzt man besser kurmäßig auf eine Wirkstoffgruppe oder ist die kombinierte Gabe verschiedener Pflegecremes effektiver? »Ich bevorzuge Retinoide und Vitamin C topisch, wenn die Haut stabil ist. Bei empfindlicher Haut sind Ausweichsubstanzen angesagt. Dann geht zum Beispiel ab den Wechseljahren abends eine Estrogen-haltige Creme und morgens eine Peptid-Zubereitung plus Lichtschutz«, empfiehlt die Expertin.