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Anti-Aging-Kosmetik
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Welche Dermokosmetika wirken – und welche nicht

Collagen Banking, Layering Methode, Glass Skin: Die Beauty-Industrie ist bei ihren Wortschöpfungen zu neuen Trends ziemlich erfinderisch. Welche Wirkstoffe gegen die Zeichen der Zeit etwas ausrichten können und dass es bei Dermokosmetika auch auf die Grundlage ankommt, erklärt Dermatologie-Professorin Dr. Christiane Bayerl.
AutorKontaktElke Wolf
Datum 19.05.2026  09:00 Uhr

»Collagen Banking beschreibt alle vorsorglichen Maßnahmen, um den Vorrat auf unserem Kollagen-Konto möglichst hochzuhalten – damit quasi unsere körpereigene Bank der Prozesse gegen Hautalterung gut gefüllt ist«, sagt die Direktorin der Klinik für Dermatologie und Allergologie der Helios Kliniken Wiesbaden, im Gespräch mit der PZ.

Das Konto spart man am besten schon dann an, wenn die Zeichen des Abbaus noch nicht erkennbar sind; der Alterungsprozess der Haut setzt nämlich bereits in den Zwanzigern ein. »Ab Ende 20 nimmt die Anzahl der Fibroblasten – also die Bindegewebszellen, die das Stützprotein Kollagen bilden – ab. Dann verliert die Haut an Spannung und Elastizität. Beim Collagen Banking geht es darum, die noch aktiven Fibroblasten zu stimulieren, mehr Kollagen zu produzieren, um den sinkenden Kollagenspiegel auszugleichen«, so Bayerl.

Neben genetischen Faktoren wird dieser Prozess durch äußere Einflüsse wie Sonnenlicht, Rauchen und Umweltschadstoffe vorangetrieben. Dabei ist UV-Strahlung der wesentliche extrinsische Treiber für Hautalterung. »Wer deshalb immer Sonnenschutz betrieben hat, hat ein höheres Ausgangsniveau an körpereigenem Kollagen als die, die keine Vorsichtsmaßnahmen ergriffen haben«, betont die Expertin die Bedeutung von konsequentem Sonnenschutz.

Was hält sie von Tagescremes, die den Lichtschutzfaktor schon integriert haben? »Man könnte meinen, sie seien besser als gar nichts. Doch Achtung: Wenn der UV-A-Schutz nicht eigens ausgelobt ist – UVA in einem Kreis –, enthalten sie oft nur einen Schutz gegen UV-B-Strahlung. Damit erzielen sie nur einen Teilschutz gegen die gefährlichen Lichtstrahlen.« Nach aktuellem Kenntnisstand könne das gesamte Spektrum von UV-A-, UV-B- sowie hochenergetischer violetter Strahlung (HEV) bis zur Infrarot-A-Strahlung gefährlich sein und Hautschäden bewirken, berichtet sie.

Zudem bemängelt die Dermatologin die zu niedrigen Lichtschutzfaktoren in Tagescremes von oft nur einem Wert von 15 oder 30. »Das reicht für einen Bürotag, ist aber zumindest für den Urlaub oder in der Freizeit, wenn wir stärkerer Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, zu wenig. Dann muss der Lichtschutzfaktor mindestens 50 betragen.«

Kollagennetz stärken

Was sind nun die Top-Wirkstoffe, um Alterungsprozessen entgegenzuwirken? »Vitamin-A-Säure-(Tretinoin-)Präparate sind die am besten untersuchten und effektivsten Topika im Anti-Aging-Bereich. Es liegen histologisch kontrollierte Studien bei Männern und Frauen vor, die nachweisen, dass auch die in der Kosmetik verwendeten Vitamin-A-Säure-Derivate wie Retinol, Retinaldehyd und Retinylester die Kollagenbildung anregen, die Faltentiefe herabsetzen, die Verbindung zwischen Epidermis und Dermis verbessern und aufhellend wirken«, erläutert die Hautexpertin, die auch Schriftführerin bei der Gesellschaft für Dermopharmazie ist. 

Retinoide binden an spezifische Zellkernrezeptoren und geben dort Informationen weiter, die für die Differenzierungsregulation verantwortlich sind. »Die toten Schüppchen, die wir loswerden wollen, werden quasi abgeschält. Dadurch wirkt die Haut glatter und erscheint in einem gewissen Glanz wie frisch gepeelt. Doch dadurch, dass ein paar Zellschichten verloren gehen und Hornschuppen abgestoßen werden, steigt die Empfindlichkeit gegenüber UV-Strahlung. Am besten trägt man abends das Retinoid auf und morgens den Sonnenschutz. Das Meiden praller Sonne beziehungsweise ausreichender Lichtschutzfaktor ist deshalb essenziell. Ohne Sonnenschutz macht Anti-Aging-Pflege keinen Sinn«, rät Bayerl.

Daneben lässt sich mit klassischen Radikalfängern – am besten untersucht ist die Ascorbinsäure – gut gegen die Zeichen der Zeit vorgehen. Laut Bayerl sind ab einer Konzentration von 5 Prozent Vitamin C aufhellende und aufbauende Effekte dokumentiert. Auch Peptide, seit etwa zehn Jahren verstärkt auf dem Markt, seien »eine durchaus unterstützende Substanzgruppe im Anti-Aging-Bereich«.

Setzt man besser kurmäßig auf eine Wirkstoffgruppe oder ist die kombinierte Gabe verschiedener Pflegecremes effektiver? »Ich bevorzuge Retinoide und Vitamin C topisch, wenn die Haut stabil ist. Bei empfindlicher Haut sind Ausweichsubstanzen angesagt. Dann geht zum Beispiel ab den Wechseljahren abends eine Estrogen-haltige Creme und morgens eine Peptid-Zubereitung plus Lichtschutz«, empfiehlt die Expertin.

Topische Estrogene

Ab den Wechseljahren bestehe laut Bayerl die effektive Option, mit Estrogen-haltigen Rezepturen gegen die atroph gewordene Haut vorzugehen. Diese werden nach ärztlicher Verordnung im Apothekenlabor hergestellt. »Rund um die Menopause helfen topische Estrogene sehr gut gegen oberflächliche Knitterfältchen, weniger gegen ›Erdanziehungsfalten‹ wie die im Nasolabialbereich. Histologische Untersuchungen zeigen, dass Estrogen-haltige Topika den Kollagenaufbau fördern, die Organisation von elastischen Fasern verbessern und die Talgdrüsensekretion an der Gesichtshaut anregen. Die Hautelastizität verbessert sich, Faltentiefe und Trockenheit nehmen ab – Voraussetzung ist, dass die Haut nur wenig UV-gealtert ist. Männer profitieren dagegen von topischen Estrogenen nicht.« Die kombinierte Verwendung von Retinoiden und Estrogen-haltigen Cremes wirke noch effektiver, sagt Bayerl.

Die Hormon-haltigen Rezepturen eignen sich nur für Frauen, die keine Hormonersatztherapie erhalten und sowohl selbst als auch in der Familienanamnese keine hormonellen Tumoren haben. Die Hautexpertin betont: »Voraussetzung ist, dass sich die Frau mit Hormonen in ihrer Hautpflege wohlfühlt. Das klären wir in der Sprechstunde ab.« Für Hyperpigmentierungen wie Melasmen sind die Hormon-Topika nicht geeignet.

Ceramide stärken Hautbarriere 

Der mit den Jahren reduzierte Zellstoffwechsel macht deutlich, warum die Hautexpertin ab 40 zu einer »reichhaltigen« Pflege mit extra Lipidkomponente rät. Die Grundlage der Formulierung ist also nicht ganz unbedeutend. »Gut geeignet sind Wasser-in-Öl-Emulsionen oder lamellare Systeme mit Lipiden, die auch natürlicherweise in der Haut vorkommen und dem Wiederaufbau der epidermalen Barriere dienen.« Als Lipidkomponente empfiehlt sie Phospholipide, Ceramide oder strukturverwandte Lipide, etwa aus Jojoba-, Weizenkeim- oder Traubenkernöl.

Was macht die Ceramide, die durch die Layering-Technik nach dem koreanischen Pflegeprinzip derzeit sehr »in« sind, so besonders? »Mit einem Anteil bis annähernd 60 Prozent stellen sie den Hauptanteil der interzellulären Lipide in der Hornschicht dar. Damit fungieren sie wie Kittsubstanzen oder Mörtel, der die Zellen zusammenhält.« Gemeinsam mit anderen Lipiden wie Cholesterol und Fettsäuren bilden sie eine lamellare Schicht. Weil zwischen den lamellaren Strukturen der interzellulären Lipide Wasser gebunden wird, steuern Ceramide wesentlich den Feuchtigkeitsgehalt der Haut. Sie halten die Haut weich und geschmeidig. Mit den Lebensjahren lässt allerdings die körpereigene Produktion nach.

Damit wird klar: Mangelt es dem Körper an Ceramiden, trocknet die Haut schneller aus, die Hautbarriere bröckelt. Feuchtigkeit kann dann leichter aus der Haut verdunsten und Umweltstoffe können durch die löchrige Barriere eindringen und Reizungen sowie allergische Reaktionen verursachen. Auch Fältchen und Falten werden sichtbarer, wenn die Haut trockener wird.

Laut Bayerl sollten Pflegepräparate für die reife Haut über wasserbindende Inhaltsstoffe verfügen. Schließlich ist der transepidermale Wasserverlust aufgrund der schwächelnden Barriere erhöht. Substanzen, die den Natural Moisturizing Factor NMF nachbilden wie Harnstoff, Glycerol, Milchsäure oder kleinmolekulare Hyaluronsäure, können die Restfeuchte an epidermalem Wasser in der Haut zurückhalten und erhöhen. »Auch wenn Moisturizer nicht kollagenanregend in der Tiefe wirken: Für die Optik macht es was aus, wenn die Hautoberfläche schön genährt und glatt ist.«

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