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Patienten an Schnittstellen
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Was können Apotheker tun?

An Schnittstellen im Gesundheitswesen ist die Weitergabe von Informationen von großer Bedeutung. Insbesondere die Informationen zur Arzneimitteltherapie müssen vollständig und richtig vorliegen. Apotheker können die Patienten- und Arzneimitteltherapiesicherheit maßgeblich stärken.
AutorKontaktHeike Hilgarth
AutorKontaktDorothea Strobach
Datum 08.05.2025  07:00 Uhr

Erhebung der Vormedikation

Ziel ist es, die Vormedikation des Patienten und weitere Aspekte zu seiner Medikation möglichst umfassend und richtig aufzunehmen (Tabelle 2). Um alle wichtigen Informationen zu erfassen, wird die Verwendung eines strukturierten Fragebogens empfohlen. Studien haben gezeigt, dass dies zu korrekteren Ergebnissen führt (11, 33).

Was wird erfasst? Erläuterungen
alle Arzneimittel und weiteren Präparate des Patienten verschreibungspflichtige Arzneimittel von Haus- und Fachärzten
Selbstmedikation mit Arzneimitteln (gezielt zum Beispiel nach Schmerz-, Schlaf- und Abführmitteln fragen)
pflanzliche und weitere Präparate der alternativen und komplementären Medizin, Nahrungsergänzungsmittel, Vitamine, Mineralstoffe
fest angesetzte und bei Bedarf eingenommene Arzneimittel
kürzlich abgesetzte und pausierte Arzneimittel
Unverträglichkeiten und Allergien gegenüber Arzneimitteln
genaue Angaben Präparatename, Wirkstoff, Stärke und Dosis
Darreichungsform (Retard, long?…)
Einnahme- oder Applikationsschema
gegebenenfalls Indikation und Startdatum, zum Beispiel bei Arzneimitteln, die vor einem Eingriff aufdosiert werden müssen, beziehungsweise Datum des Absetzens/Pausierens, zum Beispiel präoperativ
gegebenenfalls Adhärenz, oder Anwendungsprobleme, zum Beispiel mit Inhalatoren oder Augentropfen
weitere Angaben Alkohol- und Nikotinkonsum, Nikotinersatzpräparate
Konsum von Cannabis, anderen Drogen
Angaben zu Größe und Gewicht
Besonderheiten wie Dialyse, Ernährungssonde, Stoma, Kontrazeptiva oder Hormonpräparate
Tabelle 2: Inhalt der bestmöglichen Erhebung der Vormedikation (BPMH) (2, 16, 24)

Für die Best Possible Medication History (BPMH) sollen mindestens zwei Quellen herangezogen werden; eine davon ist das Gespräch mit dem Patienten, gegebenenfalls auch Angehörigen oder gesetzlichen Vertretern (2, 4, 31). Das Patientengespräch ist sehr wichtig, da nur so erfragt werden kann, wie und was der Patient wirklich von der verordneten Medikation einnimmt und welche Selbstmedikation er hat.

Eine Übersicht über mögliche Quellen der BPMH mit ihren Vor- und Nachteilen zeigt die Tabelle 3 (Seite 32). In die Erfassung kann auch weiteres pharmazeutisches Personal wie PTA und Pharmazeuten im Praktikum nach Schulung eingebunden werden (10, 17). Studien zeigen, dass dies zu besseren Ergebnissen als bei einer Erfassung durch Pflegefachpersonen führt.

Quelle Vorteil Nachteil
Patient, Angehörige Auskunft zur aktuellen Medikation: was wirklich genommen wird eventuell nicht auskunftsfähig oder -willig, Sprachbarrieren, Falschangaben möglich
Informationsgewinn abhängig von Qualität der Befragung (Interviewtechnik)
Arzneimittelpackung vollständige Angaben zum Präparat keine Aussage, ob und wie es wirklich genommen wird
Medikationsplan vom Hausarzt alle verordneten Medikamente mit Dosis, Applikationsschema häufig nicht aktuell, unvollständig, kürzliche Änderungen nicht enthalten
keine Aussage zur tatsächlichen Anwendung
Medikationsplan der niedergelassenen Apotheke kann alle verordneten Arzneimittel und Selbstmedikation enthalten keine Angaben zum Applikationsschema
nicht vollständig bei Besuch mehrerer Apotheken
Medikationsplan des Alten- oder Pflegeheims alle verordneten Medikamente mit Dosis, Applikationsschema,
in der Regel vollständig und aktuell
oft schwer lesbares Format (mehr eine Stellliste), gelegentlich Selbstmedikation nicht enthalten
selbst geschriebener Medikationsplan kann alle verordneten Arzneimittel enthalten oft unvollständig, zum Beispiel fehlende Stärken, keine Selbstmedikation, Nicht-Oralia oder nicht täglich angewendete Arzneimittel vergessen, abgesetzte Medikamente nicht erwähnt
Entlassbrief aus Voraufenthalt Medikation zum Zeitpunkt der Entlassung vollständig und mit Applikationsschema kann veraltet sein, alle Änderungen seitdem nicht enthalten
Selbstmedikation fehlt
Medikation aus Voraufenthalt Medikation vom stationären Voraufenthalt vollständig und mit Applikationsschema kann veraltet sein, alle Änderungen seitdem nicht enthalten
Selbstmedikation fehlt
Arztbriefe, Verlegungsberichte Medikation zum jeweiligen Zeitpunkt Stand beachten, kann veraltet sein, unter Umständen nur Medikation eines Facharztes enthalten
bei Verlegung von Intensivstation typische Intensivmedikation mit aufgeführt ohne Hinweis zur Fortführung/Beendigung
Tabelle 3: Quellen der bestmöglichen Erhebung der Vormedikation (BPMH) (25)

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