| Annette Rößler |
| 16.09.2026 13:30 Uhr |
Am ersten Tag der Antragsberatung ging es beim Deutschen Apothekertag unter anderem um eine mögliche neue pharmazeutische Dienstleistung (pDL) zur Beratung in den Wechseljahren. / © PZ/Alois Müller
Die Apothekerkammer Berlin wünscht sich eine neue pDL, die »eine standardisierte und qualitätsgesicherte ›Pharmazeutische Beratung Wechseljahre‹ ermöglicht«, heißt es im Antragstext. Diese solle Frauen in dieser Lebensphase »mit einer strukturierten Beratung unterstützen sowie eine Risikoerfassung und präventive Begleitung bieten«.
Schlafstörungen, depressive Verstimmung, Hitzewallungen – die Beschwerden in der Perimenopause sind vielfältig. »Betroffene Frauen kommen mit vielen Fragen bereits heute in die Apotheke. Was bislang fehlt, ist ein strukturierter Rahmen für die Beratung«, sagte Stefan Feucht von der antragstellenden Kammer zur Begründung. »Wir wollen den Arzt nicht ersetzen, sondern helfen, ärztlichen Beratungsbedarf zu identifizieren. Mit einer pDL Wechseljahre können wir die Versorgung verbessern«, betonte Feucht.
Dass hier ein Beratungsbedarf besteht, wurde in der Diskussion nicht bestritten. Nicht alle Delegierten teilten jedoch die Auffassung, dass es dafür eine eigene pDL geben sollte. So stellte Konrad Mühmel von der Apothekerkammer Sachsen die Frage, ob es Evidenz dafür gebe, dass eine strukturierte Beratung zu diesem Thema die Versorgung verbessern könne. Dem entgegnete ABDA-Präsident Thomas Preis jedoch: »Wir brauchen für eine pDL keine spezielle Evidenz. Wir sollten selbst überlegen, ob wir in einem Bereich ein Versorgungsdefizit sehen, das die Apotheke bedienen könnte.«
Ein solches Defizit bestehe definitiv, merkte Feucht an, das sei unter anderem in der aktuellen S3-Leitlinie festgestellt worden. »Sicherlich gibt es auch andere Patientengruppen, die eine strukturierte Beratung im Rahmen einer pDL benötigen würden. Aber irgendwo müssen wir anfangen und ich plädiere dafür, es hier zu tun.«
Dr. Christian Ude, Präsident der Landesapothekerkammer Hessen, fand die Diskussion »spannend, weil wir uns hier gerade dem Kern dessen nähern, was eine pDL eigentlich ist«. Er sehe es als eine Aufgabe des Berufsstands, eine allgemeine Überschrift für pDL definieren, also grundsätzliche Kriterien festzulegen, die für alle pDL gelten sollten. Er sah darin einen Auftrag für ein eigenes Gremium. Dieser Argumentation konnte die Mehrheit der Delegierten folgen: Der Antrag wurde in den Ausschuss verwiesen.