Pharmazeutische Zeitung online Avoxa
whatsApp instagram facebook bluesky linkedin xign

DAT-Diskussion
-
Apotheker wollen vollständiges Rx-Versandverbot

Dass er den ständigen Rechtsbrüchen der Versender bei Preis- und Werberegeln Einhalt gebieten will, hatte Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) gestern in seinem Grußwort zur Eröffnung des Deutschen Apothekertags (DAT) angekündigt. Heute legten die Delegierten nach.
AutorCornelia Dölger
Datum 16.09.2026  12:30 Uhr

Wie kompliziert und aufwendig die Durchsetzung eines Rx-Versandverbots wäre, hatte erst vergangene Woche ein Gutachten des Wissenschaftlichen Dienstes des Bundestags unterstrichen und damit einmal mehr die Erwartungen von Befürwortern gedämpft. Dass also Forderungen nach einem vollständigen Rx-Versandverbot besonders aussichtsreich sind, bezweifelten Kritiker heute bei der Antragsberatung. Zugrunde lag ein Leitantrag von Apothekerverband Nordrhein und Landesapothekerkammer Hessen, der ein Versandverbot »zum Schutz der Arzneimittel- und Patient*innensicherheit« fordert.

Thomas Rochell, Vorsitzender des Apothekerverbands Westfalen-Lippe (AVWL), riet dazu, angesichts des seit mehr als 20 Jahren andauernden, erfolglosen Kampfes gegen eine solche Marktöffnung die Kapazitäten besser anderswo einzusetzen. Auch die Studierendenschaft sprach sich gegen ein Verbot aus; es sei angesichts der digitalen Anforderungen nicht zukunftsfähig. Zielführender sei der Einsatz für mehr Kontrolle, strenge Regeln und gleichen Wettbewerb.

Die Befürworter überwogen aber. Bettina Mecking, Kammerjustiziarin in Nordrhein, verwies auf zunehmende Verwerfungen durch die um sich greifende Plattformökonomie. Nur über ein Rx-Versandverbot könne der gefährliche Graumarkt ausgetrocknet werden.

Man brauche keinen Versand, um digital zu sein, hieß es zudem aus dem Plenum. »Versandhandel ist eine Qualitätsminderung und die brauchen wir nicht.« Im Übrigen hätten die meisten Länder in der EU ein Verbot.

Eckert: »Diesen Kampf nicht aufgeben«

Auch Hessens Kammervize Schamim Eckert riet eindringlich dazu, »diesen Kampf« nicht aufzugeben. »Wir dürfen gegen die Versenderlobby nicht aufgeben«, so Eckert. Das Versandthema sei »ein dickes Brett« – »aber lassen Sie uns gemeinsam daran bohren«.  Auch ABDA-Vize-Hauptgeschäftsführerin Claudia Korf sprach sich für eine Annahme aus, auch wenn es gelte, beim Einfangen der Versender »nicht nur auf ein Pferd zu setzen«.

Mit großer Mehrheit folgten die Delegierten den Argumenten der Befürworter und sprachen sich dafür aus, dass Bundesregierung und Bundestag den Rx-Versandhandel in Deutschland verbieten sollten. Außerdem sprachen sie sich dafür aus, die im Rahmenvertrag über die Arzneimittelversorgung (§ 129 Absatz 8a SGB V) verankerte Paritätische Stelle zu stärken, die Rechtsbrüche der Versender ahnden soll. Es brauche »die rechtlichen, organisatorischen und finanziellen Voraussetzungen zu schaffen, damit Verfahren vor der Paritätischen Stelle rechtssicher geführt und institutionelle Haftungs-, Gerichts-, Anwalts-, Sachverständigen- und Folgekosten abgesichert werden können«.

Mehr von Avoxa