| Laura Rudolph |
| 02.06.2026 13:00 Uhr |
Kroemer sprach in seinem Vortrag auch über mögliche Lösungen. »Es liegt auf der Hand: Wir müssen die Ausgaben an die Einnahmen anpassen.« Ein wichtige Teil der Lösung sei Digitalisierung. Rund ein Drittel der Prozesse im Gesundheitswesen seien digitalisierbar. Die Unternehmensberatung McKinsey habe ausgerechnet, dass allein dadurch 42 Milliarden Euro eingespart werden könnten. »Digitalisierung ist im Prinzip alternativlos. Allerdings scheitert sie in Deutschland häufig am Datenschutz.«
Darüber hinaus könne künstliche Intelligenz, die bereits heute in vielen Bereichen der Medizin angewendet wird, wesentlich zur Entlastung beitragen. Kooperationen mit privatwirtschaftlichen Unternehmen seien eine Option, um Forschungsvorhaben oder andere Projekte zu finanzieren.
Am meisten spart das Gesundheitssystem allerdings, wenn Menschen gar nicht erst krank werden. »Prävention liegt mir wirklich am Herzen. Sie ist keine Option mehr, sondern eine absolute Notwendigkeit«, betonte Kroemer. Koventionelle Ansätze wie »Essen Sie mehr Gemüse« oder »Machen Sie mehr Sport« seien jedoch komplett unattraktiv. Prävention müsse stärker personalisiert werden.
Eine besonders wichtige und wachsende Rolle nehmen aus seiner Sicht die Vor-Ort-Apotheken mit ihren pharmazeutischen Dienstleistungen (pDL) ein. »Sie können moderne Prävention machen – niedrigschwellig und über ganz Deutschland verteilt. Ich glaube, dass Apotheken dazu beitragen können, Prävention tatsächlich in die Fläche zu bringen – was bisher im Gesundheitssystem noch nicht gelungen ist.«