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Bipolare Erkrankungen

Therapie von Manie und Depression

Phasenprophylaxe der Depression

Zur Phasenprophylaxe kommen Quetiapin retard, Carbamazepin (cave: Interaktionen), Lamotrigin, Valproat (nicht bei Frauen im gebärfähigen Alter) und Lithium (cave: Toxizität) in Betracht. Bei Lithium sind regelmäßige TDM-Kontrollen (Serumspiegel von mindestens 0,6 mmol/ml) angezeigt.

Lamotrigin erfordert eine extrem langsame Aufdosierung, sodass eine Besserung erst nach vielen Wochen erwartet werden kann. Bei zu schneller Aufdosierung kann ein Steven-Johnson-Syndrom (SJS) ausgelöst werden. Zur besseren Vorhersagbarkeit des SJS unter Carbamazepin und Lamotrigin kann eine Genotypisierung auf HLA-A und -B vor der Erstverordnung erfolgen (20, 21, 22).

Fazit

Die medikamentöse Behandlung von Menschen mit bipolarer Erkrankung ist sehr effektiv, jedoch eine Herausforderung. Die Verläufe sind sehr schwer abzuschätzen und ein Umschwung in eine andere Phase kann innerhalb von wenigen Stunden auftreten. Eine engmaschige Symptomkontrolle ist daher erforderlich, aber nur durch das engste Umfeld möglich. Angehörige und enge Freunde sollten daher frühzeitig einbezogen werden.

Eine besondere Problematik ergibt sich durch die Wahnsymptomatik bei der Manie. Die Betroffenen haben keinerlei Krankheitsgefühl und keine Behandlungseinsicht und die Adhärenz sinkt. In stabilen Phasen sollte man daher mit dem Betroffenen planen, wie eine neue Phase frühzeitig identifiziert und die Adhärenz dauerhaft gesichert werden kann. Eventuell bietet sich eine Off-Label-Depotgabe an.

Besonders wichtig ist die Edukation des Patienten, dass es sich um eine lebenslange Erkrankung handelt, die einer kontinuierlichen Pharmakotherapie bedarf, um die Therapieziele wie Erhalt der sozialen und finanziellen Situation, Vermeidung von Suizid, Suchterkrankungen und von Rezidiven zu erreichen. Die Apotheke als niederschwellige Anlaufstelle kann eine wichtige Rolle bei der Suizidprävention einnehmen.

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