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Bipolare Erkrankungen

Therapie von Manie und Depression

Vielfältige Ursachen

Wie auch bei anderen psychischen Erkrankungen ist von einer multifaktoriellen Genese auszugehen. Neben einer starken genetischen Komponente sind vor allem Umwelteinflüsse entscheidend. Stress ist meist der auslösende Faktor für die erste Episode.

In Zwillings-, Familien- und Adoptionsstudien wurde gezeigt, dass bei Verwandten ersten Grades von Patienten mit bipolaren Erkrankungen eine Häufung festzustellen ist. Ist ein Elternteil erkrankt, beträgt die Wahrscheinlichkeit für das Kind 10 bis 20 Prozent. Sind beide Elternteile betroffen, liegt das Erkrankungsrisiko bei 50 bis 60 Prozent (1).

Iatrogen verursachte Hypomanien oder Manien können infolge einer Behandlung mit Glucocorticoiden, Schilddrüsen- oder Sexualhormonen auftreten, aber auch durch L-Dopa und Stimulanzien ausgelöst werden. Unter der Gabe von Antidepressiva kommt es bei manchen Patienten zu einem Switch in die Hypomanie oder Manie, ebenso bei Patienten mit bipolarer Prädisposition. In einer Medikationsanalyse sollte auf die in Tabellen 1 und 2 aufgeführten Substanzen geachtet werden.

Stoffgruppe Beispiele
Psychostimulanzien Amphetamine, Kokain, Ecstasy
Opioide Dextromethorphan, Tramadol
Hormone Cortison, Levothyroxin
Parkinson-Medikamente L-Dopa, Amantadin, Bromocriptin
Antihypertensiva ACE-Hemmer
Tuberkulostatika Isoniazid, Iproniazid
Antiepileptika Gabapentin
Antidepressiva Amitriptylin, Venlafaxin, Citalopram
Malariamittel Chloroquin
Tabelle 1: Pharmaka, die eine Manie auslösen können; nach (4)
Stoffgruppe Beispiele
Herz-Kreislauf-Medikamente Clonidin, Methyldopa, Reserpin
Calciumkanalblocker (vor allem Flunarizin), ACE-Hemmer, Sartane, Betablocker, Digoxin
Retinoide Isotretinoin
Antiepileptika Levetiracetam, Phenobarbital, Primidon, Phenytoin, Tiagabin, Topiramat, Vigabatrin
Migränemittel Triptane
Hormone und antihormonell wirksame Stoffe Corticosteroide, orale Kontrazeptiva, GnRH-Agonisten, Tamoxifen, Anastrozol, Finasterid
Interferone Interferon α und β
Stimulanzien Methylphenidat, Amphetamin, Dexamphetamin
andere Montelukast, Vareniclin, Efavirenz
Tabelle 2: Pharmaka, die eine Depression auslösen können; nach (5, 6, 7, 8)

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