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Covid-19

Therapie von Geruchs- und Geschmacksstörungen

Die Anwendung von Corticoid-Nasensprays bei einer SARS-CoV-2-Infektion hält Hummel eher nicht für empfehlenswert – zumindest in der akuten Phase. Denn die immunsuppressive Wirkung des Sprays könnte die Ausbreitung des Virus unter Umständen begünstigen. Ob eine Anwendung in der Regenerationsphase sinnvoll sei, bleibe noch abzuwarten, erklärt der Experte. »Vor einer Anwendung würde ich in jedem Fall zunächst abwarten, bis die Wirksamkeit durch Studien belegt ist. Jedoch wissen wir von anderen postviralen Riechstörungen, dass Steroide bei dieser Indikation eher nicht sinnvoll sind. Bisher konnte keine deutliche Besserung nachgewiesen werden.«

Ein anderer Therapieansatz bei postviralen Riechstörungen ist die lokale Anwendung von Vitamin A. Das Vitamin soll die Regeneration gereizter Schleimhäute unterstützen und ist in einigen Nasenölen und -salben enthalten. In Bezug auf die Wirksamkeit verweist Hummel auf eine Studie, die unter seiner Mitwirkung im Jahr 2017 im Fachjournal »European Archives of Oto-Rhino-Laryngology« veröffentlicht wurde (DOI: 10.1007/s00405-017-4576-x). Intranasales Vitamin A in einer Dosis von 10.000 I.E. pro Tag über zwei Monate kann demnach bei der Behandlung von postinfektiösem Geruchsverlust nützlich sein. Weitere Arbeiten mit prospektiven, placebokontrollierten Studien seien jedoch erforderlich, um diese Ergebnisse zu bestätigen.

Zudem habe eine Wirkung von Omega-3-Fettsäuren durch eine Studie bei Riechstörungen nach Operationen belegt werden können, so Hummel. Analog könne man es eventuell auch bei postviralen Riechstörungen anwenden.

Geruchsverlust steigert Risiko für Übergewicht

Die Patienten fühlen sich durch den Verlust von Geruch und Geschmack meist sehr beeinflusst, berichtet Hummel. »Am meisten stört die Patienten, dass der Genuss beim Essen verloren geht.« Man könnte annehmen, dass viele Patienten dadurch Gewicht verlören. Doch häufig sei genau das Gegenteil der Fall, da Betroffene, in der Hoffnung etwas zu schmecken, vermehrt zu Süßigkeiten griffen.

Bei Covid-19 ist der Riechverlust laut Hummel meist temporär. Nach ein bis zwei Monaten trete bei circa 90 bis 95 Prozent der Patienten eine spontane Besserung ein. Bei den restlichen 5 bis 10 Prozent blieben die Beschwerden jedoch länger bestehen. Generell bestehe aber die Tendenz, dass sich der Geruchssinn auf lange Sicht nach Monaten oder Jahren wieder regeneriere. Nur bei einem geringen Teil der Betroffenen seien die Beschwerden irreversibel, was sowohl vom Alter als auch vom Ausmaß der Schädigung abhänge.

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