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Seltenere Demenzformen
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Therapie off Label, aber hilfreich

Die Demenz mit Lewy-Körperchen und die Erkrankungen aus dem Spektrum der frontotemporalen Lobärdegenerationen sind neurodegenerative Erkrankungen – seltener, aber nicht weniger belastend als eine Demenz bei Alzheimer-Krankheit. Teilweise sind sie symptomatisch gut behandelbar. Was ist bei Indikationsstellung und Beratung zu beachten?
AutorKontaktMonika Singer
Datum 28.01.2024  08:00 Uhr

Wenn sich die Persönlichkeit verändert: bvFTD

Im Anfangsstadium der behavioralen FTD-Variante wird häufig nicht erkannt, dass es sich um eine neurodegenerative demenzielle Erkrankung handelt. Die Diagnosestellung dauert oft Jahre.

Die Patienten entwickeln schleichend zunehmend Wesensänderungen mit Verhaltensauffälligkeiten. Typisch ist eine Vergröberung des Sozialverhaltens mit Distanzminderung. Es kann auch zur Hypersexualität, Affektverflachung, Antriebsminderung oder -steigerung, eventuell Impulskontrollstörungen sowie Verlust von Sorgfalt und Empathie kommen (Kasten).

Die Verhaltensvariante der frontotemporalen Demenz ist ursächlich nicht behandelbar.

Der NMDA-Rezeptorantagonist Memantin kann neuroprotektiv eingesetzt werden und ist vor allem bei starker Antriebsminderung vereinzelt nützlich, wird jedoch nicht generell empfohlen. Er kann, insbesondere bei Niereninsuffizienz, durch Kumulation zu Unruhe führen und ist potenziell prokonvulsiv.

Cholinesterasehemmer haben keinen günstigen Effekt und können Unruhe oder Gereiztheit sogar verschlechtern. Symptomatisch werden je nach Symptomatik beispielsweise Antidepressiva wie SSRI eingesetzt, die bei Antriebsmangel oder Gereiztheit zur Stabilisierung beitragen können. Abendlich eingesetztes Trazodon kann sich auf Irritabilität, Agitiertheit, Depressivität und Essstörungen positiv auswirken (5).

Bei starker Unruhe oder Fremdaggressivität kommen beispielsweise niederpotente Antipsychotika wie Melperon oder Pipamperon oder hochpotent Risperidon oder Quetiapin zum Einsatz (meist im Off-Label-Use).

Da bei Betroffenen typischerweise kein subjektives Krankheitsgefühl besteht, ist ein nicht medikamentöser Zugang oft schwierig. Körperliche Bewegung in Form von leichten sportlichen Aktivitäten oder Spaziergängen kann zu einer gewissen Entspannung bei Unruhe beitragen. Bei Erkrankten mit Antriebsmangel kann über diese Aktivitäten dem Rückzug entgegengewirkt werden. Unterstützung und Entlastung der Angehörigen sind wichtig.

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