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Seltenere Demenzformen
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Therapie off Label, aber hilfreich

Die Demenz mit Lewy-Körperchen und die Erkrankungen aus dem Spektrum der frontotemporalen Lobärdegenerationen sind neurodegenerative Erkrankungen – seltener, aber nicht weniger belastend als eine Demenz bei Alzheimer-Krankheit. Teilweise sind sie symptomatisch gut behandelbar. Was ist bei Indikationsstellung und Beratung zu beachten?
AutorKontaktMonika Singer
Datum 28.01.2024  08:00 Uhr

Zurückhaltung bei Antipsychotika

Der fehlende Dopamin-Überschuss (bei cholinergem Defizit) erklärt auch die Antipsychotika-Sensitivität der LBD-Patienten; sie haben – analog zu Parkinson-Patienten – ein erhöhtes Risiko für unerwünschte Wirkungen wie extrapyramidal-motorische Störungen. Zudem ist paradoxerweise eine Zunahme der Halluzinationen oder eine verlängerte Sedierung möglich und die motorische Parkinson-Symptomatik kann massiv verstärkt werden. Daneben bestehen Hinweise auf erhöhte Morbidität und Mortalität bei Demenzerkrankten. Gerade zu Beginn der Erkrankung ist eine Behandlung mit Antipsychotika daher nicht zu empfehlen (8).

Bei zunehmender Erkrankungsdauer müssen Antipsychotika eventuell doch erwogen werden. Wie bei der Parkinson-Krankheit kommen ausschließlich die Substanzen Quetiapin und Clozapin infrage (off Label) (8).

Clozapin darf nur nach rechtswirksamer Aufklärung mit besonderen Vorsichtsmaßnahmen eingesetzt werden. So muss 18 Wochen lang einmal wöchentlich das Differenzialblutbild kontrolliert werden, danach im vierwöchentlichen Rhythmus (wegen Agranulozytose-Gefahr). Meist reichen geringe Tagesdosen aus, zum Beispiel Clozapin 6,25 bis 25 mg oder Quetiapin 25 mg. In höherer Dosierung können deren anticholinerge Effekte problematisch werden. Auf Somnolenz, orthostatische Hypotonie, Mundtrockenheit, Obstipation bis zum paralytischen Ileus, Harnverhalt, Tachykardie und potenzielle Blutbildstörungen ist zu achten.

Patienten mit Lewy-Körperchen-Demenz sprechen auf dopaminerge Parkinson-Medikamente oft nur mäßig an; diese können die psychotische Symptomatik sogar verstärken. L-Dopa sollte allenfalls niedrig dosiert und es sollten keine Dopaminagonisten eingesetzt werden.

Eine Depression kann mit selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRI) oder dualen Substanzen (SSNRI) wie (Des-)Venlafaxin, Duloxetin oder Milnacipran behandelt werden. Gegebenenfalls ist die sedierende Wirkung von Mirtazapin oder Trazodon und die schlafregulierende Wirkung von Agomelatin nutzbar.

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