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Allergische Rhinokonjunktivitis

Therapie mit Weitblick

In der Offizin bei der allergischen Rhinokonjunktivitis nur ein Antihistaminikum abzugeben, ist kurzfristig gedacht. Es gilt, den Patienten aufzuklären und über ursächliche Therapieoptionen zu informieren. Dr. Uso Walter, HNO-Arzt aus Duisburg, erklärt warum.
Elke Wolf
04.03.2021  17:30 Uhr

Die beginnende Pollensaison macht es Allergikern nicht gerade einfacher, sich vor grippalen Infekten oder Covid-19 zu schützen. »Allergien begünstigen Infekte«, erklärt denn auch HNO-Arzt Walter im Gespräch mit der Pharmazeutischen Zeitung. »Das Immunsystem eines Allergikers ist zumindest in der Phase akuter Symptome geschwächter gegenüber anderen Erregern. Die Schleimhäute sind geschwollen. Die Belüftungswege der Nebenhöhlen oder des Mittelohrs funktionieren aufgrund der Schwellung weniger gut. Die Nebenhöhlen gehen eher zu. Es herrscht eine Art Brutkasteneffekt bei 100 % Luftfeuchtigkeit, was dem Wachstum von Viren und Bakterien ideale Bedingungen verschafft«, erklärt er. Das mache Allergiker in der Phase akuter Beschwerden anfälliger für weitere Infekte. Umgekehrt finden Pollen bei Personen, die gerade einen Atemwegsinfekt durchmachen, gute Bedingungen, die es ihnen leicht machen, an der Schleimhaut haften zu bleiben.

Eine allergische Erkrankung wie auch Asthma scheint nach bisherigem Kenntnisstand kein erhöhtes Risiko für einen schweren Covid-19-Verlauf mit sich zu bringen. Im vergangenen Jahr wiesen mehrere Fachgesellschaften darauf hin, dass eine Therapie mit inhalativen Steroiden bei Asthma und mit nasalen Glucocorticoiden bei allergischer Rhinitis unbedingt fortgeführt werden soll. Beides biete einen besseren Schutz als ein unbehandeltes Krankheitsbild. Ein Absetzen der Cortison-Nasensprays könnte zu einer Verschlechterung der Beschwerden und damit verbunden zu häufigerem Niesen führen. SARS-CoV-2-Infizierte könnten durch häufiges Niesen das Virus per Tröpfcheninfektion auf andere Personen übertragen, so die Erklärung der Fachgesellschaften.

Ernst nehmen

Eine gewissenhafte Therapie der allergischen Rhinitis ist also der beste Infektionsschutz. Wie verhält sich dann der Apotheker und die PTA, wenn ein Patient in der Offizin ein Präparat gegen seine Beschwerden verlangt? »Es ist nichts gegen eine Akuttherapie zu sagen, damit es dem Patienten besser geht. Das bringt ihm eine Erleichterung für die nächsten Stunden und Tage. Aber es ist nicht unbedingt die richtige Therapie für eine längere Dauer. Deshalb gehört der Tipp, die Beschwerden fachärztlich abklären zu lassen, unbedingt dazu«, bekräftigt Walter die Bedeutung des Apothekers bezüglich der Information und Aufklärung. Auch die Nachfrage, ob der Patient bereits Erfahrung mit dem Beschwerdebild habe, führe weiter. »Wenn der Patient seit zwanzig Jahren mit Cetirizin zurechtkommt, ist er Herr seiner Therapie und es gibt keinen Grund, das Präparat nicht abzugeben. Nach aktueller Studienlage wirkt auch eine regelmäßige Einnahme von Cetirizin protektiv gegen einen Etagenwechsel

Viele Patienten verkennen die Tatsache, dass hinter den allergischen Beschwerden an Auge und Nase eine chronisch entzündliche Erkrankung steckt. »Das Hauptproblem ist die Trivialisierung des Krankheitsbildes. Die Beschwerden werden als chronische Befindlichkeitsstörung abgetan, die total verinnerlicht ist und nicht mehr als Krankheit wahrgenommen wird. Das ist gefährlich, weil man sich dann auch nicht mehr richtig schützt und andere Beschwerden daraus erwachsen können«, warnt der Experte.

Laut Walter ist es wichtig, dem Patienten mitzuteilen, dass eine symptomatische Therapie nicht heilt, sondern nur die Symptome minimiert. Man unterdrückt nur die Sofortreaktion, die Typ-1-Reaktion, aber die entscheidende chronifizierende, entzündliche Reaktion bleibt unbeeinflusst. »Der Apotheker sollte auch auf die Gefahr eines Etagenwechsels und die längerfristige Möglichkeit einer Hyposensibilisierung hinweisen, um die Allergie ursächlich zu behandeln.« In der Tat bekommen 30 bis 40 Prozent der Patienten mit Heuschnupfen ein allergisches Asthma und somit einen Etagenwechsel, wenn die Symptome an Augen und Nase nicht ernst genommen wurden.« Je länger die allergische Belastung bereits anhält, desto wahrscheinlicher werden sich asthmatische Beschwerden ausbilden. Das Risiko eines Asthmas lässt sich durch eine Immunisierung in etwa halbieren, und zwar umso besser, je früher man damit beginnt.

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