| Lukas Brockfeld |
| 08.11.2026 12:35 Uhr |
Stephanie Eckhardt, Leiterin des Referats Suchtprävention beim Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), ging in ihrem Vortrag näher auf die Themen Rauchen und Nikotinprävention ein. Eckhardt betonte, dass noch immer etwa 33 Prozent der Gesamtbevölkerung rauchen – ein seit vielen Jahren stabiler Wert. Junge Menschen rauchten zwar seltener, doch zuletzt seien die Zahlen in dieser Altersgruppe gestiegen.
Außerdem versuchten seit einigen Jahren weniger Menschen, mit dem Rauchen aufzuhören. »Das bereitet uns Sorge«, sagte Eckhardt. Viele Nikotinabhängige bräuchten eigentlich professionelle Hilfe, da diese die Erfolgswahrscheinlichkeit eines Rauchstopps erheblich steigere. Ideal sei die Kombination aus Nikotinersatz und Verhaltenstherapie, die eine langfristige Erfolgsrate von etwa 20 Prozent habe – alles andere oder einzelne Maßnahmen liegen sogar noch darunter.
Die klassische Zigarette sei inzwischen nicht mehr die einzige verbreitete Form des Nikotinkonsums. Immer mehr junge Menschen griffen zu E-Zigaretten. Gerade bei Mädchen und jungen Frauen sei ein starker Anstieg zu beobachten. Über 60 Prozent der Vaper seien außerdem »Dual-User«, die auch Tabak rauchen. Die Risikowahrnehmung sei beim Vapen gering, da der Dampf als weniger schädlich gelte.
Auch Nikotinbeutel, die in verschiedenen Geschmacksrichtungen und in bunten Verpackungen verkauft werden, würden beliebter. »Der Verkauf ist in Deutschland eigentlich verboten, aber das interessiert die wenigsten«, sagte Eckhardt. Jeder fünfte junge Erwachsene habe schon Nikotinbeutel probiert. »Die Tabakindustrie ist extrem kreativ und bringt ständig neue Produkte auf den Markt«, klagte Eckhardt. Als Beispiel nannte sie mit Nikotin und Aromastoffen überzogene Zahnstocher, die an einigen Schulen aufgetaucht seien.
Stephanie Eckhardt lobte die Apotheken als kompetente Partner. / © PZ/Brockfeld
Das BIÖG sehe die neuen pDL zum Rauchstopp als Chance. Die Bundesregierung wolle es jedoch nicht dabei belassen und plane unter anderem eine Erhöhung der Tabaksteuer. Außerdem wolle man die Tabakerzeugnisverordnung ändern, sodass mehrere Aromen und Kühlstoffe verboten werden. Auch ein Verbot von Einweg-E-Zigaretten sei im Gespräch.
Das Ziel des BIÖG sei, die Zahl der Rauchstoppversuche wieder zu steigern. Dabei wolle man auch mit den Apotheken zusammenarbeiten. »Sie sind kompetente Partner und Sie erreichen die Menschen, die wir auch erreichen wollen«, sagte Eckhardt. Aktuell führe man dazu intensive Gespräche mit der ABDA. Eckhardt forderte die Apotheker auch dazu auf, am Aktionsmonat »Rauchfrei im Mai« teilzunehmen. Das Institut stelle dazu Materialien bereit.
Felix Dörr, Chefarzt am Magnus-Huss-Rehabilitationszentrum für Abhängigkeitserkrankungen in Schwerin, sprach im Anschluss über die Abhängigkeit von illegalen Drogen. 2025 habe es in Deutschland einen historischen Höchststand von 2227 Drogentoten gegeben. Aktuell beobachte man eine Crack- und Kokainwelle. Vor einigen Jahren hätten diese Substanzen noch kaum eine Rolle gespielt, doch die Preise von hochreinem Kokain hätten sich in den vergangenen zehn Jahren halbiert. Inzwischen würden Kokain und Crack in vielen kleineren Städten konsumiert, in denen sie lange praktisch keine Rolle spielten.