| Lukas Brockfeld |
| 08.11.2026 12:35 Uhr |
Bei der Behandlung von Drogenabhängigen seien Apotheken meist für die langfristige Betreuung zuständig, nachdem Abhängige bereits eine stationäre Entwöhnung gemacht haben. »Sie sind überall vor Ort, Sie sind qualifiziert, Sie kennen die Menschen und haben sie im Blick«, lobte der Arzt. Manchmal könnten Apothekerinnen und Apotheker im Gespräch auch Suchterkrankungen erkennen und aktiv eingreifen. »Eine einfache Intervention, eine Frage oder eine Ermutigung verdoppeln die Wahrscheinlichkeit, dass Hilfe angenommen wird«, erklärte Felix Dörr.
Der Mediziner beklagte, dass es aktuell nur begrenzte Möglichkeiten gibt, um Suchtkranke medikamentös zu behandeln. »Es gibt leider keine zugelassenen Anti-Craving-Substanzen für Cannabis und illegale Drogen. Für Alkohol gibt es ein paar, aber ob die etwas taugen, sei mal dahingestellt«, sagte Dörr. Suchterkrankte würden also immer symptomatisch behandelt und nicht kausal. »Wir können Angst, Schlaflosigkeit oder Erregung pharmakologisch behandeln. Aber am kausalen Suchtproblem tut sich nichts.«
Doch im Augenblick deute sich ein Paradigmenwechsel in der Suchtpharmakologie an. Felix Dörr stellte mehrere Medikamentengruppen vor, die Anlass zu Optimismus geben. Bei Alkoholikern, die mit GLP-1-Rezeptoragonisten behandelt wurden, habe man beispielsweise eine Reduzierung der Trinktage beobachten können. Auch Orexin-Antagonisten könnten unter bestimmten Umständen zur Behandlung Suchtkranker eingesetzt werden. Aktuell gebe es außerdem vielversprechende Forschung zum Einsatz von Psychedelika.