Die wirksamste derzeit verfügbare Strategie zur Demenzprävention bleibt die konsequente Kontrolle modifizierbarer vaskulärer, metabolischer, sensorischer und psychosozialer Risikofaktoren über die gesamte Lebensspanne hinweg. Darüber hinaus können Impfungen gemäß den geltenden Empfehlungen schwere Infektionserkrankungen verhindern und mit einem verminderten Demenzrisiko assoziiert sein.
Neue biologische Ansätze erweitern das Spektrum potenzieller Frühinterventionen. Der ApoEε2-Gentransfer wird bereits in klinischen Studien bei einer kleinen Gruppe genetisch besonders gefährdeter Personen untersucht. Nicotinamid-Ribosid hat erste klinische Studien zur Dosisfindung und Biomarkeranalyse erreicht, während Lithiumorotat bislang primär hinsichtlich Sicherheit und Zielerreichung geprüft wird. Interventionen, die auf das glymphatische System abzielen, ebenso wie ApoE-Strukturkorrektoren und IDO1-Inhibitoren, befinden sich überwiegend noch in der präklinischen Entwicklungsphase.
KI könnte zukünftig bei der Früherkennung von Demenzerkrankungen unterstützen. / © Shutterstock/mayam_studio
Ob diese Ansätze tatsächlich das Auftreten einer Demenz verhindern oder den klinischen Verlauf relevant verzögern können, müssen größere randomisierte Studien mit ausreichend langer Behandlungs- und Nachbeobachtungsdauer belegen. Entscheidend wird sein, Personen mit erhöhtem Risiko frühzeitig zu identifizieren und präventive Interventionen gezielt an genetische, metabolische und immunologische Krankheitsmechanismen anzupassen. Prävention entwickelt sich damit zunehmend von allgemeinen Lebensstilempfehlungen hin zu einer Biomarkerbasierten und potenziell personalisierten Frühintervention.
Carsten Culmsee studierte Pharmazie in Marburg und wurde dort 1997 am Institut für Pharmakologie und Toxikologie promoviert. Nach einem Postdoc-Aufenthalt am Sanders Brown Research Center on Aging an der University of Kentucky, Lexington, USA, einer Tätigkeit als Dozent an der Universität Marburg und am Zentrum für Arzneimittelforschung der Universität München kehrte er 2007 als Professor für Klinische Pharmazie an die Universität Marburg zurück. Zudem ist er Prodekan des Fachbereichs Pharmazie.
Jana Fedjaev studierte Pharmazie an der Universität Münster. Nach einem Forschungsaufenthalt an der University of British Columbia in Vancouver, Kanada, begann sie 2024 ihre Promotion in der Arbeitsgruppe von Prof. Culmsee am Institut für Pharmakologie und Klinische Pharmazie der Universität Marburg. Im Rahmen ihres Promotionsprojektes beschäftigt sie sich mit der Erforschung pharmakologischer Strategien zur Neuroprotektion.
Antonia Hoffmann studiert seit 2022 Pharmazie an der Philipps-Universität in Marburg. Im Wahlpflichtfach »Klinische Pharmazie« erstellte sie ein Essay zum Thema »Aktuelle Entwicklungen zu Präventions- und Behandlungsstrategien bei Demenzerkrankungen«.