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Alzheimer
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Strategien zur Demenzprävention

Demenzerkrankungen nehmen künftig deutlich zu und sind bislang nicht heilbar. Da auch neue Antikörpertherapien nur begrenzt wirksam sind, rücken Prävention und frühe Intervention verstärkt in den Fokus. Welche Ansätze verfolgt die Forschung und was kann man selbst tun?
AutorKontaktCarsten Culmsee
AutorKontaktJana Fedjaev
AutorKontaktAntonia Hoffmann
Datum 18.09.2026  07:00 Uhr

In Deutschland leben derzeit rund 1,84 Millionen Menschen mit Demenz. Diese Zahl könnte aufgrund des demografischen Wandels bis 2050 auf etwa 2,3 bis 2,7 Millionen ansteigen. Demenzerkrankungen wie die Alzheimer-Krankheit sind durch einen fortschreitenden Verlust von Nervenzellen und deren Funktionen gekennzeichnet. Sie sind bislang trotz erheblicher Fortschritte in Forschung, Diagnostik und Therapie nicht heilbar. Die derzeit verfügbaren Therapien beschränken sich weitgehend auf die symptomatische Behandlung mit Acetylcholinesterase-Hemmern oder dem NMDA-Rezeptor­antagonisten Memantin.

Mit den Anti-Amyloid-Antikörpern Lecanemab (Leqembi®) und Donanemab (Kisunla®) sind zudem erstmals krankheitsmodifizierende Therapie­optionen verfügbar, die den kognitiven Verfall zumindest abbremsen können. Allerdings ist der therapeutische Nutzen dieser Antikörper umstritten und die Anwendung kommt nur bei einer sehr begrenzten Patientengruppe in der Frühphase der Erkrankung infrage. Auch Antikörper-Strategien, die sich gegen die Tau-Pathologie bei Alzheimer-Demenz richten, kommen dem Ziel Heilung bislang nicht näher. Damit rücken verstärkt Präventions- und Interventionsstrategien bereits vor einem ausgeprägten kognitiven Funktionsverlust in den Mittelpunkt.

Beeinflussbare Risikofaktoren

Der größte Risikofaktor für eine Demenzerkrankung ist das Alter. Darüber hinaus gibt es 14 modifizierbare Risikofaktoren, die in verschiedenen Lebensphasen das Risiko einer Demenz­entwicklung beeinflussen können (Abbildung 1). Prävention sollte demnach früh ansetzen und ein Leben lang erfolgen.

Neue Forschungsansätze richten sich gezielt gegen immunologische, genetische und metabolische Prozesse, die bereits Jahre vor der klinischen Manifestation einer Demenz ein­setzen. Dazu zählen Impfungen, Interventionen am Apolipoprotein E, Ansätze zur Modulation des glymphatischen und metabolischen Systems sowie niedrig dosierte Lithiumsalze (Tabelle 1).

Der geistige Abbau im Alter kann durch schwere und häufig wiederkehrende Infektionen begünstigt werden. Mögliche Ursachen sind anhaltende Entzündungen im Körper, Gefäßschäden, Delirien sowie die Aktivierung von Immunzellen im Gehirn. Mehrere Beobachtungsstudien zeigen, dass Impfungen, insbesondere gegen Herpes Zoster und Influenza, mit einer geringeren Häufigkeit von Demenzdiagnosen verbunden sind. Eine 2025 in der Fachzeitschrift »Age and Ageing« veröffentlichte Metaanalyse berichtete für die Influenza-Impfung eine relative Risikoreduktion von rund 13 Prozent (DOI: 10.1093/ageing/afaf331). Ein kausaler Zusammenhang zwischen Impfung und Demenzschutz lässt sich daraus allerdings nicht ableiten. Geimpfte und ungeimpfte Personen unterscheiden sich häufig auch in anderen Faktoren, etwa ihrem Gesundheitsverhalten oder der medizinischen Versorgung.

Interessant sind auch die Daten zur Herpes-Zoster-Impfung nach Einführung des rekombinanten, mit dem Adjuvans AS01 verstärkten Impfstoffs. Retrospektive Analysen zeigten, dass mit dem neuen Impfstoff ein geringeres Demenzrisiko beobachtet wurde als mit dem zuvor verwendeten Lebendimpfstoff. Diskutiert werden sowohl eine Verhinderung der Zoster-Erkrankung als auch spezielle immunologische Wirkungen von AS01. Das Adjuvans enthält die Wirkstoffe Monophosphoryl-Lipid A und QS-21 und induziert eine ausgeprägte angeborene und adaptive Immunantwort. Präklinische Studien deuten darauf hin, dass die dadurch angestoßenen Immunreaktionen möglicherweise auch Prozesse der Amyloid-Clearance beeinflussen können. Zudem wurde bei kognitiv gesunden älteren Menschen eine stärkere Aktivität der IL-12/IFN-γ-Achse, einem zentralen Signalweg des Immunsystems, mit einem günstigeren Verlauf der geistigen Leistungsfähigkeit in Verbindung gebracht. Ein direkter klinischer Nachweis einer durch AS01 vermittelten Demenzprävention steht jedoch noch aus.

Mechanismus Strategie (Wirkstoff) Entwicklungsstand
therapeutische Ansätze gegen das glymphatische System
Verbesserung der AQP4-Lokalisation Apigenin, Dystrophin, α-Synthrophin Präklinik
Modulierung von AQP4 Melatonin Präklinik
therapeutische Ansätze gegen ApoE
erhöhte Expression von ApoEε2 AAV-vermittelter Gentransfer (LX1001) Phase I/II
ApoEε4-Spiegel senken ApoE-Antikörper(HAE-4) Präklinik
Veränderung der ApoE-Struktur Strukturkorrektor (PH002) Präklinik
Verstärkung der ApoEε4 Lipidierung ABCA1-Agonist(CS-6253) Phase I
Erhöhung des Cholesterol-Transports und Myelinisierung Cholesterol-Biosynthese-Hemmer
(Cyclodextrin) Phase II
sonstige therapeutische Ansätze
Hemmung des Abbaus von APP zu Aβ Inhibitor der GSK-3 (Lithiumorotat) Phase I/II
Stimulation der Autophagie Sigma-Rezeptoragonist Blacarmesin Phase IIb/III
Normalisierung des Laktat-Spiegels IDO1-Inhibitor (PF06840003) Präklinik
Hemmung des cGAS-STING-Signalwegs NAD+-Vorläufer (Nicotinamid Ribosid) Phase I, Phase II
Tabelle 1: Übersicht Präventions- und Behandlungsstrategien bei Demenzerkrankungen
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