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Alzheimer
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Strategien zur Demenzprävention

Demenzerkrankungen nehmen künftig deutlich zu und sind bislang nicht heilbar. Da auch neue Antikörpertherapien nur begrenzt wirksam sind, rücken Prävention und frühe Intervention verstärkt in den Fokus. Welche Ansätze verfolgt die Forschung und was kann man selbst tun?
AutorKontaktCarsten Culmsee
AutorKontaktJana Fedjaev
AutorKontaktAntonia Hoffmann
Datum 18.09.2026  07:00 Uhr

Astrozyten als therapeutisches Ziel

Seit seiner Entdeckung im Jahr 2012 wird das glymphatische System mit der Pathophysiologie von Morbus Alzheimer und anderen neurodegenerativen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Es spielt eine zentrale Rolle beim Austausch von Flüssigkeiten und gelösten Stoffen zwischen Gehirngewebe und Blutgefäßen. Auf diese Weise trägt es dazu bei, Stoffwechselprodukte und potenziell schädliche Ablagerungen aus dem Gehirn zu entfernen.

Für das Funktionieren dieses Reinigungssystems sind sogenannte Aquaporin-4-Wasserkanäle entscheidend. Diese befinden sich auf den Fortsätzen der Astrozyten, einer wichtigen Gruppe von Gliazellen im Gehirn. Ist deren Polarisierung gestört, arbeitet das glymphatische System weniger effizient und Proteine wie Aβ und Tau-Protein können im Gehirn akkumulieren.

Pharmakologische Ansätze, die auf eine Stabilisierung der Polarisation der Aquaporin-4-Kanäle abzielen, befinden sich bislang überwiegend in der präklinischen Entwicklung. In Tiermodellen konnten beispielsweise das Flavonoid Apigenin und das Hormon Melatonin den glymphatischen Transport beeinflussen. Auch eine Stabilisierung des Dystrophin-α-Syntrophin-Komplexes, der ebenfalls an der Funktion des glymphatischen Systems beteiligt ist, wird erforscht.

Zelluläre Autophagie-Prozesse fördern

Im Fokus der Präventionsstrategien steht auch eine fehlgesteuerte zelluläre Entsorgung (Autophagie), infolgedessen es zur pathologischen Anreicherung von Aβ und Tau-Protein im Gehirn kommt. Eine Stimulation der Autophagie könnte zum Beispiel über die Aktivierung von Sigma-1-Rezeptoren erfolgen.

Mit Blarcamesin stand 2025 ein erster Agonist am Sigma-Rezeptor vor der Zulassung. In der Phase-IIb/III-Studie ANAVEX2-73-AD-004 zeigten sich im primären Endpunkt bei den mit Blarcamesin-behandelten Patienten kognitive Verbesserungen gegenüber Placebo. Zudem gab es Hinweise darauf, dass sich die Amyloid-Ablagerungen im Gehirn verringerten. Zu den häufigsten Nebenwirkungen gehörten Schwindel, Verwirrtheit, Gleichgewichtsstörungen und Müdigkeit. Im Unterschied zu den Antikörpern Lecanemab und Donanemab war keine regelmäßige MRT-Überwachung notwendig.

Trotz dieser vielversprechenden Ergebnisse kam die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) zu dem Schluss, dass die bisherigen Daten die Wirksamkeit und Sicherheit von Blarcamesin nicht ausreichend belegen. Der Zulassungsantrag wurde daraufhin zurückgezogen. Dennoch machen die Ergebnisse Hoffnung, da die Förderung der Autophagie einen neuen Ansatz zur frühen Behandlung der Alzheimer­Erkrankung darstellen könnte und bisher keine schwerwiegenden Nebenwirkungen beobachtet wurden.

ApoE-Allele Relative Risikoerhöhung für die Alzheimer-Krankheit
ApoEε3 homozygot (ApoE3) 1 (Referenzwert)
ApoEε2ε3 heterozygot circa 0,5
ApoEε3ε4 heterozygot 2 bis 3
ApoEε4 homozygot (ApoE4) 9 bis 12
Tabelle 2. ApoE-Allele und Alzheimer Risiko (modifiziert nach: Jackson RJ et al.: Multifaceted roles of ApoE in Alzheimer disease. Nat Rev Neurol 2024; 20[8]: 457–474. 
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