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Intensivstation

Spezielle Aufgaben für Apotheker

Das Medikationsmanagement auf der Intensivstation unterscheidet sich im wesentlichen Vorgehen nicht von dem auf anderen Stationen – wohl aber in den Inhalten. Wechselwirkungscheck, Dosisanpassung an die Nierenfunktion und Nebenwirkungsmanagement gehören auch hier zu den Standards. Allerdings erschwert die fehlende Kommunikation mit den Patienten das Monitoring von Neben- und Wechselwirkungen deutlich.

Bei Intensivpatienten ist immer zu berücksichtigen, dass sich die klinische Situation extrem schnell verändern kann und eventuell eine unmittelbare Reaktion notwendig wird. Beispiel akutes Nierenversagen: Dies tritt häufig als Begleiterscheinung einer Sepsis auf und kann sich innerhalb weniger Stunden entwickeln. Dann muss die Dosierung nierenpflichtiger Substanzen sofort angepasst werden, da es sonst zu einer schnellen Kumulation kommen kann.

Zudem ist eine Differenzierung zwischen krankheitsbedingten Symptomen und den Nebenwirkungen der Arzneimitteltherapie nicht immer einfach. Schwere Fälle einer Sepsis können beispielsweise zur Thrombozytopenie führen, diese kann aber auch durch Antibiotika oder Heparin ausgelöst werden.

Andere arzneimittelbezogene Probleme lassen sich einfacher monitoren als auf der Normalstation, da Blutabnahmen und Laborkontrollen niederschwelliger möglich sind und insgesamt mehr Informationen über den Patienten zur Verfügung stehen. Zur Überwachung der QT-Zeit kann unproblematisch ein EKG initiiert werden, da der Patient ohnehin an einen kardialen Überwachungsmonitor angeschlossen ist. Zur Überprüfung der Nierenfunktion ist die Bestimmung eines alternativen Parameters wie des Cystatin C in der Regel einfacher möglich.

Generell sind Intensivpatienten durch ihr im Durchschnitt hohes Alter und Multimorbidität besonders vulnerabel für arzneimittelbezogene Probleme. Diese zu erkennen und zu differenzieren, erfordert ein gewisses Maß an Erfahrung in diesem Umfeld.

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