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Intensivstation

Spezielle Aufgaben für Apotheker

Dem Thema Stabilität und Kompatibilität der intravenös verabreichten Arzneistoffe kommt ohnehin eine große Bedeutung zu. Selbst bei mehrlumigen ZVK müssen regelhaft mehrere Infusionslösungen über ein gemeinsames Lumen verabreicht werden.

Bei Kurzinfusionen ist die Kompatibilität weniger entscheidend, da sich mehrere Kurzinfusionen ohne Weiteres über ein Lumen hintereinander applizieren lassen, selbst wenn die enthaltenen Wirkstoffe nicht miteinander kompatibel sind. Spülschritte zwischen den Gaben verhindern ein Ausfallen im Infusionsschlauch.

Weitaus häufiger und problematischer ist die große Zahl an Dauerinfusionen, die alle parallel verabreicht werden müssen. Chemische Inkompatibilitäten von Wirk- oder Hilfsstoffen, beispielsweise aufgrund von pH-Unterschieden, sind häufig und Informationen dazu nicht unmittelbar zugänglich. Fachinformationen enthalten, wenn überhaupt, nur spärliche Angaben über die Kompatibilität mit dem breiten Feld an anderen Substanzen, die regelhaft bei Intensivpatienten eingesetzt werden. Auch chemische Eigenschaften wie pH-Wert oder Osmolalität der Lösung sind nur selten enthalten.

Literaturdaten zur Kompatibilität sind zwar in verschiedenen großen Datenbanken abrufbar. In der Regel sind sie aber auf zweidimensionale Mischungen beschränkt oder unterscheiden sich in Hilfsstoffen und/oder Konzentrationen von den eigenen eingesetzten Präparaten. Apotheker sind dann gefordert, standardisierte Stabilitäts- und Kompatibilitätstabellen unter Verwendung der Literaturdaten und der chemischen Eigenschaften der Arzneistoffe für die individuellen Schemata der einzelnen Intensivstationen zu erarbeiten.

Eine weitere Aufgabe ist es, Alternativen für retardierte oder magensaftresistente Arzneiformen zur Gabe über dünnlumige Magensonden zu finden, sofern eine orale Gabe indiziert ist.

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