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Intensivstation

Spezielle Aufgaben für Apotheker

Maschinen zur Aufrechterhaltung der Lungen-, Herz-, Leber-, Nieren- oder Gehirnfunktion kommen zum Einsatz, um die Therapie eines der häufigsten Krankheitsbilder, der Sepsis, zu unterstützen. Bei dieser überschießenden Immunreaktion auf einen exogenen Trigger, zum Beispiel bakterielle oder virale Infektionen, kommt es besonders häufig zu einem respiratorischen Versagen mit der Notwendigkeit einer invasiven Beatmung. Bei Patienten mit Multiorganversagen, wie es im septischen Schock vorkommt, werden verschiedene organunterstützende Maßnahmen kombiniert.

All diese Maßnahmen sind stark invasiv und in der Regel nicht beim wachen Patienten umsetzbar. Eine zielgerichtete Sedierung, intravenös oder inhalativ verabreicht, in Kombination mit einer Analgesie kommt deshalb bei vielen intensivmedizinisch betreuten Patienten zum Einsatz. Hier spricht man von der Analgosedierung. Im Unterschied zur Narkose ist der Patient im Idealfall trotz Sedierung wach beziehungsweise erweckbar, was seine Beteiligung an der Behandlung erleichtert und die Rehabilitation verbessert.

Operationen, Traumata, schwere Krankheitszustände und Stress führen nachgewiesenermaßen zu extremen körperlichen und geistigen Belastungen. Ein Ziel der Analgosedierung ist es daher auch, durch die Verminderung der (Schmerz-)Wahrnehmung das Risiko für posttraumatische Belastungsstörungen zu verringern. Umso wichtiger ist eine effektive und gut steuerbare Analgesie. Zum Einsatz kommen nur stark und möglichst kurzwirksame Opioide aus der WHO-Stufe 3. Zur Sedierung wird häufig Propofol verwendet. Benzodiazepine mit möglichst kurzer Halbwertszeit kommen ebenfalls zum Einsatz, erhöhen aber das Risiko für ein nachfolgendes Delir.

Besonderheiten der Arzneimitteltherapie

Bevorzugt werden Arzneistoffe mit kurzer Halbwertszeit intravenös verabreicht, um eine schnelle Steuerung der klinischen Situation zu gewährleisten. Die Frage der Compliance spielt daher auf der Intensivstation keine Rolle. Die Vielzahl an intravenös verabreichten Substanzen erfordert einen gesicherten großen Zugangsweg, in der Regel über einen zentralen Zugang (zentraler Venenkatheter, ZVK). Dieser hat je nach Komplexität der klinischen Situation zwei bis sieben separate Anschlussmöglichkeiten (Lumen).

Die orale Applikation langwirksamer Wirkstoffe wird vermieden, da im Akutfall keine ausreichende Resorption und Steuerung sichergestellt werden kann. Das Gleiche gilt für enterale und andere nicht enterale Zugangswege wie die subkutane Applikation. Die häufigsten intravenös applizierten Arzneistoffe bei Intensivpatienten mit Sepsis sind in der Tabelle zusammengefasst.

Wirkstoffgruppe Beispiele Funktion
Vasopressoren Adrenalin, Noradrenalin, Vasopressin Aufrechterhaltung der Kreislauffunktion
Analgetika Sufentanil, Fentanyl, Morphin Analgesie
Sedativa Propofol, Midazolam, Dexmedetomidin, Isofluran Sedierung
Antibiotika Piperacillin/Tazobactam, Cefepim, Meropenem, Vancomycin, Daptomycin, Linezolid Infektionsbehandlung
Insulin Humaninsulin Glucoseregulierung
Antikoagulanzien Heparin, Argatroban Hämostase
Tabelle: Häufige intensivmedizinisch verwendete Wirkstoffe

In akuten klinischen Notfallsituationen wird zudem der Großteil der üblichen Dauermedikation pausiert. Zum einen, weil die häufigsten Arzneimittel wie Blutdrucksenker vorübergehend nicht indiziert sind, zum anderen, da nicht unmittelbar Outcome-relevante Wirkstoffe wie Statine durch Interaktionen oder Nebenwirkungen die Therapie unnötig verkomplizieren können.

Bessert sich im Verlauf der Initialtherapie die klinische Situation, können relevante Arzneimittel aus der Hausmedikation über eine liegende nasogastrale Sonde verabreicht werden. Im Vergleich zu den PEG-Sonden (PEG: perkutane endoskopische Gastrostomie) sind die nasogastralen Sonden allerdings sehr kleinlumig, sodass retardierte oder granulierte Präparate, die für eine Gabe über eine PEG-Sonde geeignet wären, diese verstopfen können. Hier ist der Apotheker bei Fragen zu Galenik und alternativen Darreichungsformen sowie sich eventuell daraus ergebenden Dosierungsschemata ein wichtiger Ansprechpartner und Berater. Fördert die Magensonde gastrointestinales Sekret, ist sie als Applikationsweg nicht geeignet, da von einer Transport-/Motilitätsstörung auszugehen ist.

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