| Alexandra Amanatidou |
| 10.09.2026 10:30 Uhr |
Der SPD-Gesundheitspolitiker Serdar Yüksel sagte, dass das Primärversorgungsgesetz noch in diesem Jahr verabschiedet werden soll, »es sei denn, der Gesundheitsminister sagt etwas anderes«. / © AOK-Screenshot
Bei der AOK-Veranstaltung »Wer spielt im Team Primärversorgung? Gestaltung der interprofessionellen Zusammenarbeit« erklärte der SPD-Gesundheitspolitiker, dass seine Partei als Koalitionspartner dem neuen Gesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) »wirklich helfen« wolle, damit dieser »ein erfolgreicher Gesundheitsminister wird«. Denn mit Blick auf das Primärversorgungsgesetz dürfe die Politik »keine Zeit verlieren«. Das Gesetz soll noch in diesem Jahr verabschiedet werden, »es sei denn, der Gesundheitsminister sagt etwas anderes«. »Ich bin sehr dafür, dass wir sehr mutig neue Schritte gehen und Primärversorgung anders denken als bislang«, so Yüksel.
Dabei stellte er klar, dass das Primärversorgungssystem »nicht das Primärarztmodell« sei. »Heute ist die Primärversorgung nicht nur die hausärztliche Versorgung. Wir müssen die Versorgung anders denken, als wir das bisher gedacht haben.« Die Akteurinnen und Akteure im Gesundheitssystem würden sich aktuell zu sehr voneinander abgrenzen. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung sieht das bekanntlich anders; unlängst hatte KBV-Chef Andreas Gassen betont, er halte an einem »Primärarztsystem« fest, und.
Auch das Ergebnis der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt war Thema. Dort ist die vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestufte AfD stärkste Kraft geworden. Diese forderte im Wahlkampf, die »Willkommenspropaganda« für »kulturfremde« Fachkräfte zu beenden. Laut dem Statistischen Bundesamt hatte im Jahr 2024 rund jede achte Ärztin und jeder achte Arzt keine deutsche Staatsangehörigkeit. Dem Recherche-Portal »Mediendienst Integration« zufolge kommt jede fünfte Pflegekraft aus dem Ausland.
»Ich war selbst drei Tage vor den Landtagswahlen in Magdeburg«, sagte Yüksel. Er habe mit einem Oberarzt der Kardiologie gesprochen, »der eigentlich nicht weg will, weil er sich dort wohlfühlt«. Mit Blick auf den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen und das »Abrutschen der Demokratie« sagte Yüksel, dass auch Fachkräfte aus dem Ausland mitbekommen, worüber hier gesprochen wird. »Das Internet kriegt alles mit«, so der SPD-Politiker. Diese dringend benötigten Fachkräfte würden in andere Länder gehen, die ebenfalls Fachkräfte benötigen.
Auch Nicola Buhlinger-Göpfarth, Co-Bundesvorsitzende des Hausärztinnen- und Hausärzteverbands, betonte, dass der Zugang zum Gesundheitswesen für eine stabile Demokratie entscheidend sei. Dieser müsse niedrigschwellig, kostenfrei und für alle erreichbar sein.
Die Hausärztin plädierte auch für ein interprofessionelles Primärversorgungssystem. »Wir stecken im Gesundheitssystem in einem Transformationsprozess«, sagte sie. Mit Blick auf das Primärversorgungsgesetz und -system fügte sie hinzu: »Jeder will steuern. Aber wer kann das und wer hat das gelernt?«
Susanne Wagenmann, alternierende Aufsichtsratsvorsitzende des AOK-Bundesverbandes, sagte: »Wir brauchen klare Spielregeln. Das sieht man überall im Ausland, wo solche Modelle laufen.«
»Wir haben die Aufgabe, die Scopes der einzelnen Berufe klar zu definieren: ›Wer darf was und wo gibt es Überschneidungen?‹«, stimmte Christine Vogler, Präsidentin des Deutschen Pflegerats, zu. Man könne sich Kompetenzen teilen, müsse aber auch sagen, welche Aufgabe zu welchem Beruf gehört. »Wir haben momentan nicht die Vernetzung«, sagte sie. Es würde nur Delegationen geben.
»Wir müssen schon abbremsen. Wann ist es Delegation und wann ist es Substitution? Wann trage ich als Ärztin das gesamte gesetzliche Risiko?«, fragte Christiane Wessel, stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin sowie stellvertretende Bundesvorsitzende beim Virchowbund. Mit Blick auf die Politik sagte sie, dass es noch viel zu klären gebe.