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Gesundheitswirtschaft
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Sparplan ist für Warken »kurzfristige Operation am Herzen«

Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) sprach heute beim Tag der innovativen Gesundheitswirtschaft des Verbands forschender Arzneimittelhersteller (vfa) über globale Herausforderungen, gesundheitspolitische Verantwortung und das GKV-Spargesetz.
AutorKontaktMelanie Höhn
Datum 19.05.2026  15:35 Uhr

»Deutschland ist kein verlässlicher Standort«,

Beim anschließenden Gespräch kritisierte vfa-Präsident Han Steutel, dass die derzeitigen Sparvorschläge für die Pharmaindustrie alles andere als innovationsfördernd sind. »Deutschland ist im Moment kein verlässlicher Standort«, sagte er. Durch den dynamisierten Herstellerabschlag würden die Pharmaunternehmen enorm belastet. »Das kann nicht funktionieren. Keine Firma kann damit umgehen.« 

Dem entgegnete die Ministerin: »Der GKV-Sparplan ist eine kurzfristige Operation am Herzen, um Beiträge zu stabilisieren. Natürlich müssen wir zeitgleich auch andere Dinge angehen. Wir haben damit ein scharfes Schwert in der Hand.« Es werde zudem einen zweiten Bericht der Finanzkommission geben. Warken: »Das ist nicht das Ende der Fahnenstange. Aber wir brauchen erst mal Dinge, die kurzfristig wirken.« Auch sagte sie: »Ich kann nicht versprechen, dass wir völlig rausnehmen, was wir an Einsparungen vorgenommen haben.« Sie wolle aber im Gespräch mit der Pharmaindustrie bleiben.

Auch der Vorsitzende der Geschäftsführung von Boehringer Ingelheim Deutschland, Médard Schoenmaeckers, bezeichnete die GKV-Sparmaßnahmen des BMG als einen Rückschritt für die Pharmaindustrie. 

Stärkung der pharmazeutischen Industrie in Europa

Heute wurde zudem bekannt, dass Warken am Rande der Weltgesundheitsversammlung (WHA) in Genf am 17. und 18. Mai 2026 mit ihrer französischen Amtskollegin Stéphanie Rist eine gemeinsame Erklärung zur Stärkung der pharmazeutischen Industrie in Europa unterzeichnet hat. Ziel der Erklärung ist die Stärkung des Standortes Deutschland sowie die langfristige Sicherung des Zugangs zu einer hochwertigen und innovativen Versorgung von Patientinnen und Patienten. Zur Konkretisierung wird eine deutsch-französische ministeriale Arbeitsgruppe für den kontinuierlichen bilateralen Austausch eingerichtet.

Konkrete Ziele der gemeinsamen Erklärung sind die Beschleunigung und Harmonisierung von klinischen Studien, die Erleichterung der Einführung neuer Therapien durch eine verbindliche europäische Nutzenbewertung und stärkere institutionelle Koordinierung, Anreize für Produktion in der EU und Stärkung der Versorgungssicherheit, die Sicherung einer ausgewogenen Balance zwischen Umweltregulierung und Standortinteressen und die Stärkung des Schutzes geistigen Eigentums, insbesondere durch ergänzende Schutzzertifikate.

Gemeinsam mit Frankreich will das BMG auf EU-Ebene langfristige strukturelle Reformen unterstützen, die darauf abzielen, die Attraktivität und Resilienz der Arzneimittellandschaft wiederherzustellen sowie langfristig zu erhalten, etwa im Rahmen des Biotech Act oder des Critical Medicines Act.

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