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Covid-19-Verläufe
So unterscheiden sich die Immunreaktionen

Schutz durch Erkältungs-Coronaviren?

Eine weitere Erklärungsmöglichkeit stellte vor Kurzem ein Forscherteam aus den USA im Fachjournal »Science« vor: Der frühere Kontakt mit den Corona-Erkältungsviren, die schon lange zirkulieren, könnte die Immunantwort auf SARS-CoV-2 verändern und für den Unterschied in den Krankheitsverläufen zumindest mitverantwortlich sein (DOI: 10.1126/science.abd3871).

Es ist bekannt, dass zwischen 20 und 50 Prozent der Bevölkerung T-Zellen aufweisen, die mit SARS-CoV-2 reagieren, ohne dass die Personen bislang Kontakt mit dem Erreger hatten. Die Forscher um Jose Mateu vom La Jolla Institute for Immunology in Kalifornien untersuchten nun, inwieweit CD4+-T-Gedächtniszellen aus Blutproben mit SARS-CoV-2 und den Erkältungs-Coronaviren HCoV-OC43, -229E, -NL63 oder -HKU1 kreuzreagieren. In den Blutproben fanden sie ein ganze Reihe von T-Zellen, die mit ähnlicher Affinität an SARS-CoV-2 und an eines der vier anderen Viren binden konnten und bestimmten auch die Epitope, die diese Immunzellen erkennen. Wie die Forscher berichten, erkennen die T-Zellen nicht nur Teile des prominenten Spike-Proteins der Coronaviren, sondern auch andere Proteine der Erreger.

»Unsere Studie liefert einen starken Beweis auf molekularer Ebene, dass T-Gedächtniszellen Sequenzen erkennen, die bei Erkältungs-Coronaviren und SARS-CoV-2 sehr ähnlich sind«, sagt Professor Dr. Alessandro Sette, der an der Studie beteiligt war. Gedächtniszellen zu haben, die eine rasche T-Zellantwort auslösen können, könnte bei SARS-CoV-2-Infektionen von Vorteil sein und die unterschiedlichen Covid-19-Verläufe zum Teil erklären, glauben die Forscher. Dies sei aber noch »hoch spekulativ«.

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