| Laura Rudolph |
| 31.08.2026 18:00 Uhr |
Neben den kurz- und mittelfristigen Folgen könnte sich Blutspenden auch langfristig auf den Körper auswirken. Seit Jahrzehnten wird eine protektive Wirkung des Aderlasses auf die kardiovaskuläre Gesundheit diskutiert. Studien lieferten in der Vergangenheit auch einzelne Hinweise darauf. Beispielsweise senkten in einer Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin vier Blutspenden in einem Jahr den Blutdruck von Menschen mit Hypertonie um durchschnittlich 12,2 mmHg systolisch und 6,9 mmHg diastolisch (»Transfusion« 2016, DOI: 10.1111/trf.13428).
2022 haben Forschende um Franke A. Quee von der Forschungseinrichtung des niederländischen Blutspendedienstes Sanquin die Ergebnisse von drei experimentellen und 41 Beobachtungsstudien zu kardiovaskulären Schutzeffekten durch Blutspenden zusammengetragen und in einem systematischen Review ausgewertet (»Transfusion Medicine Reviews« 2022, DOI: 10.1016/j.tmrv.2022.04.004). Sie kommen darin zu dem Schluss, dass es zwar einige Hinweise auf positive Effekte auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit gibt, dass diese sich jedoch bislang nicht mit ausreichender Evidenz belegen lassen. Die Forschenden fanden mögliche günstige Effekte von Blutspenden auf die Gefäßfunktion, auf den Blutdruck, auf HDL-Cholesterol und bestimmte Parameter des Glucosestoffwechsels.
Vier von acht Studien, die das Auftreten von kardiovaskulären Ereignissen untersuchten, legen einen möglichen Schutzeffekt durch Blutspenden nahe, während die übrigen vier keinen Zusammenhang fanden.
Etwas einheitlicher fielen Daten zur Gefäßfunktion aus. Vier von fünf Studien zu diesem Thema zeigten einen positiven Einfluss von Blutspenden auf den Parameter der flussvermittelten Dilatation, der angibt, wie elastisch die Gefäße sind und wie flexibel sie auf Veränderungen des Blutflusses reagieren.
Untersuchungen dazu, ob Blutspenden über die kurzzeitige Kreislaufreaktion hinaus den Blutdruck senken, lieferten uneinheitliche Ergebnisse. Während mehrere Studien keinen Zusammenhang zeigten, nahm in anderen Studien nach wiederholten Blutspenden der systolische Blutdruck etwas ab, vor allem bei Menschen mit vorbestehender Hypertonie. Allerdings hatten nur zwei der sieben Blutdruckstudien eine höhere Qualität.
Bezüglich der Blutfette sprechen die Ergebnisse des niederländischen Reviews allenfalls für moderate Effekte. In zwei Studien von höherer Qualität stieg das »gute« HDL-Cholesterol an. LDL-Cholesterol, Gesamtcholesterol und Triglyceride blieben dagegen weitgehend unverändert oder zeigten keine konsistenten Veränderungen.