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Akut und langfristig
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So reagiert der Körper auf Blutspenden

Nach einer Blutspende beginnt im Körper ein komplexes Regenerationsprogramm: Blutvolumen, Blutzellen und Eisenspeicher müssen ersetzt werden. Wie lange das dauert und welche gesundheitlichen Effekte regelmäßiges Blutspenden langfristig haben könnte.
AutorKontaktLaura Rudolph
Datum 31.08.2026  18:00 Uhr

Täglich werden in Deutschland etwa 15.000 Blutspenden gebraucht. Das entspricht rund einer Konserve alle sieben Sekunden. Der Bedarf ist also immens, die Zahl der Spendenden sinkt jedoch – auch, weil viele etablierte Blutspenderinnen und Blutspender bereits auf ein fortgeschrittenes Alter zugehen. Neue Spender sind daher immer willkommen. Infrage kommen gesunde Erwachsene ab 18 Jahren mit mindestens 50 kg Körpergewicht. Eine obere Altersgrenze gibt es nicht. Ob jemand spenden darf, beurteilt ärztliches Personal vor jeder Spende individuell.

Eine Folge von zu niedriger Eisenversorgung können niedrige Hämoglobin-(Hb-)Werte sein, die auch zu einem vorübergehenden Ausschluss von der Blutspende führen können. Frauen müssen mindestens einen Wert von 12,5 g/dL und Männer einen von mindestens 13,5 g/dL aufweisen, um spenden zu dürfen.

Eisensupplementation kann Rückstellungen verhindern

Ob die Einnahme von Eisenpräparaten das Risiko verringert, wegen zu niedriger Hb-Werte vorübergehend von einer Blutspende ausgeschlossen zu werden, untersuchten die Autoren eines aktuellen Cochrane-Reviews. Dieser aktualisiert einen Review von 2014 und umfasst nun 38 randomisierte Studien mit insgesamt 7475 gesunden Blutspendern (2026, DOI: 10.1002/14651858.CD009532.pub3).

Verglichen wurden unter anderem Eisen und Placebo, orale und intravenöse Gabe sowie verschiedene Dosierungen und Formulierungen (zweiwertiges versus dreiwertiges Eisen, teils mit Zusätzen wie Vitamin C). Meist erfolgte die Supplementation oral mit 25 bis 105 mg elementarem Eisen täglich über ein bis drei Monate.

Wie erwartet erhöhte die Eisengabe die Hb- und Ferritinwerte. Da viele Studien jedoch von geringer Qualität waren und die Ergebnisse teils heterogen und widersprüchlich ausfielen, bewerteten die Autoren die Evidenz insgesamt als eingeschränkt.

Im Vergleich zu keiner Einnahme verringerte eine orale Eisengabe das Risiko einer Rückstellung aufgrund zu niedriger Hb-Werte um etwa 61 Prozent (relatives Risiko: 0,39; sieben Studien, 1647 Teilnehmende). Die Hämoglobinwerte lagen in den Eisengruppen im Mittel um 0,252 g/dl höher (14 Studien, 1940 Teilnehmende), die Ferritinwerte um durchschnittlich 12,39 ng/ml (acht Studien, 1335 Teilnehmende).

Die fünf Studien zu intravenösem Eisen untersuchten nicht, ob dadurch weniger Blutspender zurückgestellt wurden. Erfasst wurden jedoch Hb- und Ferritinwerte, die im Mittel um 0,802 g/dl (drei Studien, 558 Teilnehmende) beziehungsweise 78,16 ng/ml zunahmen (zwei Studien, 479 Teilnehmende).

Blutspenden als kardiovaskulärer Schutz?

Neben den kurz- und mittelfristigen Folgen könnte sich Blutspenden auch langfristig auf den Körper auswirken. Seit Jahrzehnten wird eine protektive Wirkung des Aderlasses auf die kardiovaskuläre Gesundheit diskutiert. Studien lieferten in der Vergangenheit auch einzelne Hinweise darauf. Beispielsweise senkten in einer Studie der Charité – Universitätsmedizin Berlin vier Blutspenden in einem Jahr den Blutdruck von Menschen mit Hypertonie um durchschnittlich 12,2 mmHg systolisch und 6,9 mmHg diastolisch (»Transfusion« 2016, DOI: 10.1111/trf.13428).

2022 haben Forschende um Franke A. Quee von der Forschungseinrichtung des niederländischen Blutspendedienstes Sanquin die Ergebnisse von drei experimentellen und 41 Beobachtungsstudien zu kardiovaskulären Schutzeffekten durch Blutspenden zusammengetragen und in einem systematischen Review ausgewertet (»Transfusion Medicine Reviews« 2022, DOI: 10.1016/j.tmrv.2022.04.004). Sie kommen darin zu dem Schluss, dass es zwar einige Hinweise auf positive Effekte auf die Herz-Kreislauf-Gesundheit gibt, dass diese sich jedoch bislang nicht mit ausreichender Evidenz belegen lassen. Die Forschenden fanden mögliche günstige Effekte von Blutspenden auf die Gefäßfunktion, auf den Blutdruck, auf HDL-Cholesterol und bestimmte Parameter des Glucosestoffwechsels.

Vier von acht Studien, die das Auftreten von kardiovaskulären Ereignissen untersuchten, legen einen möglichen Schutzeffekt durch Blutspenden nahe, während die übrigen vier keinen Zusammenhang fanden.

Etwas einheitlicher fielen Daten zur Gefäßfunktion aus. Vier von fünf Studien zu diesem Thema zeigten einen positiven Einfluss von Blutspenden auf den Parameter der flussvermittelten Dilatation, der angibt, wie elastisch die Gefäße sind und wie flexibel sie auf Veränderungen des Blutflusses reagieren.

Einfluss auf Blutdruck und Blutfette

Untersuchungen dazu, ob Blutspenden über die kurzzeitige Kreislaufreaktion hinaus den Blutdruck senken, lieferten uneinheitliche Ergebnisse. Während mehrere Studien keinen Zusammenhang zeigten, nahm in anderen Studien nach wiederholten Blutspenden der systolische Blutdruck etwas ab, vor allem bei Menschen mit vorbestehender Hypertonie. Allerdings hatten nur zwei der sieben Blutdruckstudien eine höhere Qualität.

Bezüglich der Blutfette sprechen die Ergebnisse des niederländischen Reviews allenfalls für moderate Effekte. In zwei Studien von höherer Qualität stieg das »gute« HDL-Cholesterol an. LDL-Cholesterol, Gesamtcholesterol und Triglyceride blieben dagegen weitgehend unverändert oder zeigten keine konsistenten Veränderungen.

Positive Signale beim Glucosestoffwechsel

Einige prospektive Studien berichteten über eine verbesserte Glucosetoleranz beziehungsweise Insulinsensitivität sowie niedrigere HbA1c-Werte nach Blutspenden. Die Autoren weisen jedoch darauf hin, dass die Studien teilweise von begrenzter Qualität waren und nur wenige Blutspender teilnahmen.

Die Autoren halten es zudem für wahrscheinlich, dass der Rückgang des HbA1c-Werts zumindest teilweise dadurch erklärt werden kann, dass sich nach einer Blutspende verstärkt rote Blutkörperchen nachbilden. Diese jüngeren Erythrozyten hatten weniger Zeit, Zuckermoleküle an das Hämoglobin anzulagern, sodass der HbA1c-Wert auf ganz natürliche Weise vorübergehend sinkt und nicht zwangsläufig auf eine verbesserte Stoffwechsellage hinweist.

Zudem kann der sogenannte Healthy-Donor-Effekt die Ergebnisse verzerren: Regelmäßige Blutspender sind oft von vornherein gesünder als Nichtspender oder Menschen, die selten Blut spenden. Gesundheitliche Unterschiede werden dadurch möglicherweise dem Blutspenden zugeschrieben, obwohl sie bereits vor der Spende bestanden. Diesen Störfaktor berücksichtigten viele der eingeschlossenen Studien laut den Autoren nur unzureichend. Es gibt also interessante Hinweise auf protektive Effekte, die jedoch nicht gesichert nachgewiesen werden konnten.

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