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Arzneimittelanwendung
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So geht’s kindgerecht

Die Arzneimittelanwendung im pädiatrischen Bereich bringt besondere Herausforderungen mit sich. Umso wichtiger ist eine sorgfältige Beratung durch die Apotheke. Sie schafft Sicherheit für Eltern und Kind.
AutorKontaktChristine Bender-Leitzig
Datum 14.03.2024  11:00 Uhr

Vorbereitet für den Notfall

Medizinische Notfälle stellen für Eltern und Betreuende emotionale Ausnahmesituationen dar. Gerade dann ist jedoch eine schnelle Reaktion und die korrekte Verabreichung von Notfallmedikamenten überlebenswichtig. Je besser die Applikation vorab trainiert wurde, desto sicherer verläuft der Einsatz im Ernstfall. Das Umfeld des Kindes sollte wissen,

  • unter welchen Umständen das Notfallarzneimittel eingesetzt werden muss,
  • wo es zu finden ist,
  • wie das Arzneimittel zu verabreichen ist und
  • wann ärztliche Hilfe gerufen werden muss.

Krampfanfälle zählen zu den häufigsten Notfällen im Kindesalter. In den meisten Fällen handelt es sich um einen Fieberkrampf, seltener um einen epileptischen Krampf oder einen Krampf anderer Ursache. Als Notfallarzneimittel kommen hier Diazepam rektal (Fieberkrampf, Status epilepticus) oder Midazolam buccal (Status epilepticus) appliziert infrage.

Bei der Anwendung eines diazepamhaltigen Klistiers wird vor der Anwendung die Verschlusskappe abgenommen und das Klistier in den After eingeführt. Bei Säuglingen und Kleinkindern bis drei Jahren darf der Tubenhals nur bis zur Hälfte eingeführt werden, um Verletzungen zu vermeiden. Das Klistier wird vollständig entleert und im zusammengedrückten Zustand entfernt, um das Zurückziehen der Lösung in die Tube zu verhindern. Nach der Applikation werden die Pobacken kurz zusammengedrückt.

Auch bei der Verabreichung von Midazolam in die Mundhöhle ist darauf zu achten, dass die Verschlusskappe vollständig entfernt ist. Nach dem vorsichtigen Zurückziehen der Wange des Kindes wird die gesamte Lösung langsam in den Zwischenraum zwischen Wange und Unterkiefer gegeben. Die Applikation darf nicht zu schnell erfolgen, um eine Aspiration zu vermeiden. Ist das eingebrachte Volumen relativ zum Mundraum sehr groß, kann die Gabe auf beide Wangentaschen verteilt werden.

Bei allergischen Kindern kann die Applikation eines Adrenalin-Pens im Fall eines anaphylaktischen Schocks notwendig sein. Über die Hersteller sind Demo-Pens verfügbar, die in jeder Apotheke zur Schulung der Patienten und Angehörigen vorhanden sein sollten. Vor der Applikation muss der Autoinjektor durch Abziehen der Schutzkappe entsichert werden. Danach wird die Spitze des Injektors mit einer schnellen Bewegung senkrecht auf die Außenseite des Oberschenkels gedrückt. Die Injektion löst dann automatisch mit einem Klick-Geräusch aus. Der Injektor muss mindestens drei Sekunden gedrückt gehalten werden. Im Notfall ist auch eine Applikation durch die Kleidung hindurch möglich.

Für alle Notfallmedikationen gilt: Die Medikation zu verabreichen, auch wenn es im Rückblick nicht unbedingt notwendig gewesen wäre, birgt wesentlich weniger Risiken als eine Gabe, die aus Angst vor potenziellen Nebenwirkungen nicht oder zu spät erfolgt.

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