| Cornelia Dölger |
| 21.10.2026 13:30 Uhr |
Der NARZ-Vorsitzende Jörn Graue (Archivfoto) drängt auf Planungssicherheit und verlässliche Rahmenbedingungen für Apotheken. / © PZ/Daniela Hüttemann
Apotheken seien häufig der erste erreichbare Gesundheitsort – und nicht nur »die letzte Station einer Lieferkette«, stellt Graue in seiner Rede fest, die er zur NARZ-Mitgliederversammlung am 10. Oktober in Hamburg vorbereitet hatte. Die Rede liegt der PZ vor. Graue begrüßt darin die mit der Reform ermöglichten Kompetenzerweiterungen für Apotheken.
Mit dem im Sommer in Kraft getretenen Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz (ApoVWG) sowie der flankierenden Mantelverordnung dürfen Apotheken etwa mehr impfen und testen, Rx für Chroniker in Ausnahmen ohne vorliegendes Rezept abgeben und neue pharmazeutische Dienstleistungen (pDL) anbieten. Zudem können sie flexibler auf Lieferengpässe reagieren. Graue gab allerdings zu bedenken, dass damit auch neuer Aufwand einhergehe.
Dass mit der Reform – die entsprechende Verordnung ist seit Juni in Kraft – das Fixum nach jahrelangem Stillstand stufenweise angehoben wird, wirke zunächst »wie ein warmer Regen«, am Ende sei es aber »der erste Tropfen nach langer Dürre«, so Graue. Fraglich sei nämlich, ob die Erhöhung ausreiche, denn die neuen Möglichkeiten allein garantierten »noch lange keine gesicherte Zukunft«.
Angesichts von steigenden Kosten und seit Jahren eingefrorenem Fixum werde mit dessen Erhöhung lediglich eine alte Rechnung beglichen, und dies auch nur teilweise. Hinzu komme, dass »schon die nächste Hand nach demselben Geld« greife: Zum Jahreswechsel wird bekanntlich der Apothekenabschlag von 1,77 auf 2,07 Euro erhöht. Ein Rettungsschirm sehe anders aus, so der NARZ-Vorsitzende. Die wirtschaftlichen Grundprobleme blieben bestehen – und das Apothekensterben gehe weiter.
Was der Beruf brauche, sei Planungssicherheit. »Das Honorar darf nicht wieder für ein Jahrzehnt zum Museumsstück werden«, warnt Graue. In der neuen Verhandlungslösung sieht er eine Chance, die wirtschaftliche Entwicklung der Apotheken gegenüber den Kassen geltend zu machen. Andernfalls drohe: »Sonst stehen wir in einigen Jahren erneut hier – nur mit weniger Apotheken und wahrscheinlich mit einem noch längeren Gesetzesnamen.«
Graue streift in seiner Rede weitere Herausforderungen für die Apotheken, zuvorderst den Versandhandel. Dass Bundesgesundheitsminister Carsten Linnemann (CDU) das Geschäftsgebaren von Doc Morris und Co. beim Apothekertag im September als Wettbewerbsverzerrung kritisiert hatte, begrüßt Graue. Den Nachsatz, dass freie Preise für alle oder für niemanden erlaubt sein müssten, hält er aber für bedenklich.
Denn falls nicht der Versandhandel eingefangen werde, sondern andersherum die Regeln auch für die Vor-Ort-Apotheke gelockert würden, wäre damit »zwar auf dem Papier Gleichheit hergestellt«. Auf dem Spiel stünde dann aber der einheitliche Apothekenabgabepreis. Mithin müssten die Wettbewerbsbedingungen angeglichen werden, ohne einen Preiswettbewerb zu eröffnen.
Das Papier-Rezept ist ein Auslaufmodell. Mit dem E-Rezept sollen alle Arzneimittel-Verordnungen über die Telematikinfrastruktur abgewickelt werden. Wir berichten über alle Entwicklungen bei der Einführung des E-Rezeptes. Eine Übersicht über unsere Berichterstattung finden Sie auf der Themenseite E-Rezept.